„Unser Markt wächst weiter“

Interview mit Max Enno Kraft, Geschäftsführer der Friedrich Kraft GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kraft, schon solange das Automobil ein Massenphänomen ist, tritt die Friedrich Kraft GmbH als starker Partner für Ersatzteile in Erstausrüsterqualität auf – worin lagen dabei in den letzten Jahren die größten Herausforderungen?

Max Enno Kraft: Im Kern blicken wir sehr positiv in die Zukunft – denn der Total Adressable Market wächst in unserem Segment weiter. Das Elektroauto mag perspektivisch zwar weniger bewegliche Teile aufweisen als der Verbrenner, doch der Fahrzeugbestand nimmt weiter zu und auch das Durchschnittsalter der Fahrzeuge im Markt ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Wir erwarten deshalb mittelfristig keine signifikanten Einbrüche. Die Herausforderungen liegen somit eher in einschlägigen Standortfaktoren wie den hohen Energiepreisen und den komplexen bürokratischen Anforderungen in Deutschland – das ist für uns vor allem deshalb von Bedeutung, weil wir in den letzten Jahren organisch wie auch anorganisch stark gewachsen sind und weiteres Wachstum anstreben.

Wirtschaftsforum: Gleichzeitig haben die Coronakrise und der Krieg in der Ukraine zu Nachfrageschocks geführt.

Max Enno Kraft: Auch das waren eher punktuelle Bullwhips. Denn Mobilität ist ein Grundbedürfnis, und gerade für die Menschen, die auf dem Land leben und bei mangelhafter ÖPNV-Anbindung vielleicht etliche Kilometer zur Arbeit pendeln müssen, ist das Auto de facto alternativlos. Gleichzeitig haben sich Neufahrzeuge in den letzten Jahren übermäßig verteuert, und auch die Preise von Gebrauchtwagen sind deutlich gestiegen. Die allgemeine Unsicherheit im Markt und die vielen ungeklärten Fragen zur Zukunft der Mobilität führen derweil bei vielen Verbrauchern eher zu einer abwartenden Haltung, sodass sie auch bereit sind, in ihre älteren Bestandsfahrzeuge noch größere Summen zu investieren – und mal ganz ehrlich, eigentlich auch zu Recht: so oder so! Heutige Gebrauchtfahrzeuge haben sowohl vom Komfort als auch technisch ein hohes Niveau. Da macht man im Regelfall wenig wirkliche Abstriche im Vergleich zum Neuwagen.

Wirtschaftsforum: Bei vielen Ihrer Kunden handelt es sich um freie Werkstätten – wie blicken Sie auf deren perspektivische Marktsituation? Max

Enno Kraft: Die circa 20.000 freien Werkstätten teilen sich den Markt mit den Vertragswerkstätten (der OEMs) in etwa hälftig auf. Da die OEMs ihre Servicenetzwerke jedoch zunehmend ausdünnen, wird der Weg zur freien Werkstatt für viele Verbraucher in der Zukunft aber wahrscheinlich noch attraktiver als heute schon. Vor diesem Hintergrund spielt dann auch der diskriminierungsfreie und damit wirklich gleichgestellte Zugang zu Fahrzeugdaten (vor allem Repair and Maintenance Information) eine zunehmend wichtige Rolle, um an dieser Stelle einen Markt mit fairen Bedingungen für alle Marktteilnehmer zu ermöglichen und die Herausbildung wettbewerbsschädlicher oligopolähnlicher Strukturen zu verhindern. Ein kürzlich vom BGH ergangenes Urteil konnte diese Rechtsstellung im Hinblick auf einen fairen Datenzugang bekräftigen, was der weiteren fairen Marktentwicklung sicherlich förderlich sein wird. Hier müssen und werden wir als Branche jedoch vereint über den GVA (Gesamtverband Autoteile Handel e.V.) dranbleiben.

Wirtschaftsforum: Was hält die Zukunft indes für die Kraft-Gruppe bereit?

Max Enno Kraft: Wir wollen weiter wachsen, um so angesichts der überall steigenden Kosten noch stärker von möglichen Skaleneffekten zu profitieren sowie auch als Organisation weiter an den sich stellenden Herausforderungen zu reifen. Dazu werden wir unsere Kapazitäten und unser Portfolio beständig erweitern. Gleichzeitig wollen wir unseren mittelständischen Werten mit kurzen Entscheidungswegen und einer besonderen Kundennähe treu bleiben. Dabei stehen wir weiterhin für absoluten Kundenfokus, attraktive Preise, eine verlässliche Zusammenarbeit und ein umfangreiches Produktsortiment mit Ersatzteilen für Pkw, Lkw, Busse und weitere Fahrzeuge, um so auch als der eine Anlaufpunkt für alle Bedürfnisse, eine Art One-Stop-Shop, unserer Kunden auftreten zu können.

Wirtschaftsforum: Nachdem Sie bereits einige Jahre im Familienunternehmen tätig gewesen waren, wechselten Sie für eine gewisse Zeit in die Tech-Branche in eine große Konzernstruktur sowie in die Beratung, um im Sommer 2024 zur Friedrich Kraft GmbH zurückzukehren – was haben Sie aus dieser Erfahrung mitgenommen?

Max Enno Kraft: Wir sind in vielerlei Hinsicht ein klassisches norddeutsches Familienunternehmen, heute geführt durch meinen Cousin und mich. Unsere Väter haben uns sukzessive an diese Aufgabe herangeführt. Nach dem Abitur habe ich meine Ausbildung bei uns im Unternehmen absolviert, danach studiert und dann im Familienunternehmen für ein paar Jahre gearbeitet. Anschließend kam ich über ein MBA Talent Programm schließlich zu Microsoft in das Automotive Team. Die Zeit dort war für mich sehr lehrreich, und ich konnte dabei viel lernen – über Managementstrukturen innerhalb von Matrixorganisationen, agile Prozesse, das stetige Bedürfnis sich weiterzuentwickeln, verbunden mit einer Art ‘Innovation Mindset’, und das konsequent beständige Hinterfragen von Geschäftsmodellen. Es stand aber nie zur Debatte, dass ich nicht zur Kraft-Gruppe zurückkehren würde. Heute sehe ich, neben vorrangig strategischen und operativen Aufgaben, meine Rolle vor allem auch als Impulsgeber, der die Weichen dafür stellen muss, dass nach meinem Cousin und mir in der 4. auch noch eine 5., 6. und 7. Generation dieses Unternehmen erfolgreich führen können wird.

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