"Reichweite ist gut – aber Wirkung entscheidet"
Interview mit Alexander von Tiele-Winckler, Mitglied der Geschäftsführenden Gesellschafter im BLU agency network association e.V.

Wirtschaftsforum: Herr von Tiele-Winckler, wie begann die Geschichte Ihres Unternehmens?
Alexander von Tiele-Winckler:Nach seiner Zeit als Marketing Director bei Stollwerk hat mein Vater sich 1995 selbständig gemacht – aus einer sehr klaren Beobachtung heraus: Produkte verkaufen sich besser, wenn Menschen sie erleben können. Gerade bei Konsumgütern zählt der direkte Kontakt. Diese Idee, Produkte buchstäblich „in die Hand des Konsumenten zu bringen“, ist bis heute unser Kern geblieben.
Wirtschaftsforum: Und wie entwickelte sich daraus das heutige Netzwerk?
Alexander von Tiele-Winckler: Schritt für Schritt. Ein entscheidender Moment war der Einstieg in die Consumer-Electronics-Branche mit einem großen Auftrag der heutigen Freenet AG. Das hat unser Geschäft quasi über Nacht skaliert. Parallel haben wir begonnen, spezialisierte Agenturen aufzubauen – für unterschiedliche Disziplinen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Daraus entstand unser Netzwerkgedanke: Kunden ganzheitlich begleiten, von der Strategie bis zum Verkauf.
Wirtschaftsforum: Was genau leisten Sie heute für Ihre Kunden?
Alexander von Tiele-Winckler: Im Kern verbinden wir Marketing und Vertrieb. Wir aktivieren Konsumenten – live, digital und zunehmend kanalübergreifend. Das reicht von klassischer Verkaufsförderung im Handel bis hin zu komplexen Aktivierungskonzepten. Unsere Stärke ist: Wir wissen, wie man Aufmerksamkeit in tatsächliche Kaufentscheidungen übersetzt. Oder anders gesagt: Reichweite ist gut – aber wir sorgen für Wirkung.
Wirtschaftsforum: Wer zählt zu Ihren Kunden und wie groß ist Ihr Unternehmen heute?
Alexander von Tiele-Winckler:Das Spektrum ist breit: von freenet, Samsung, Vodafone, DeLonghi, Ecovacs und British American Tobacco bis zu Marken wie Vita Coco, WD40, Langnese, Bärenmarke und Asbach Uralt. Insgesamt arbeiten in unserem Netzwerk rund 1.300 Menschen, etwa 1.000 davon täglich im direkten Kundenkontakt.
Wirtschaftsforum: Was ist der konkrete Mehrwert Ihrer Leistungen?
Alexander von Tiele-Winckler: Erfahrung und Umsetzungskraft. Wir kennen Märkte, verstehen Prozesse im Handel und haben Zugang zu qualifiziertem Personal. Vor allem aber schaffen wir echte Erlebnisse. In einer Welt voller digitaler Reize bleibt der persönliche Kontakt oft der entscheidende Moment.
Wirtschaftsforum: Ihr Geschäft ist stark personalgetrieben. Wie organisieren Sie das?
Alexander von Tiele-Winckler: Organisation ist bei uns ein entscheidender Erfolgsfaktor. Wir arbeiten mit regionalen Strukturen, eigenem Außendienst und einer vollständig integrierten Systemlandschaft. Ohne diese digitale Infrastruktur wäre unser Geschäftsmodell gar nicht skalierbar.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen oft von „Live-Kommunikation“. Warum ist sie so wichtig?
Alexander von Tiele-Winckler: Weil sie wirkt. Wir sehen heute eine enorme Zunahme an digitalem Content. Alles wird lauter, schneller, austauschbarer. Genau deshalb gewinnt der direkte Kontakt wieder an Bedeutung. Ein gutes Gespräch am Point of Sale kann mehr bewirken als tausend Werbebotschaften.
Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?
Alexander von Tiele-Winckler: Der Wunsch, etwas zu bewegen. Ich habe früh gemerkt: Wenn man sieht, dass die eigene Arbeit Wirkung hat, entsteht eine enorme Motivation. Wir sprechen hier von einer Wertschöpfung von rund 2 Milliarden EUR, die wir mit unseren Leistungen im Markt auslösen. Das ist schon beeindruckend. Und gleichzeitig ist es die unternehmerische Freiheit, Ideen wirklich umzusetzen. Diese Kombination – Wirkung im Markt und Gestaltungsspielraum im Unternehmen – treibt mich jeden Tag an.
Was bedeutet Live-Kommunikation im Marketing? Live-Kommunikation beschreibt direkte, persönliche Interaktionen zwischen Marke und Konsument – etwa am Point of Sale, bei Promotion-Aktionen oder Events. Ziel ist es, Aufmerksamkeit in konkrete Kaufentscheidungen umzuwandeln.

















