Stark in Spezialstahl

Interview mit Dr. Roberto De Miranda, Vorstandsmitglied der ORI MARTIN S.P.A.

Damals trennte sich das Unternehmen von seiner Fertigung von Betonstahl und konzentrierte sich stattdessen auf spezielle Stahlerzeugnisse mit den unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten.

„Heute ist unser Kerngeschäft die Stahlproduktion für Komponenten für die Automobilindustrie. Besonders stark sind wir in der Fertigung von Stahl für Schrauben, Bolzen und Verbindungselemente. Ein weiterer Bereich ist Stahl für Federn und Stabilisatoren für die unterschiedlichsten Anforderungen“, sagt Roberto De Miranda. Auch für Kolben, Stoßdämpfer und mehr liefert ORI MARTIN speziellen Stahl.

Das besondere Stahlwerk

Hinzu kommen Produkte für die Bauindustrie, die Öl- und Gasindustrie sowie der Bereich der erneuerbaren Industrien und hier insbesondere Windturbinen. Sieben Unternehmen gehören heute zur ORI MARTIN-Gruppe. Neben dem Hauptsitz in Brescia hat die Gruppe Standorte in ganz Italien und eigene Vertriebsbüros oder Vertreter in allen europäischen Kernmärkten. So hat die Gruppe eigene Niederlassungen in Duisburg und Metz, um die Kunden effizienter betreuen zu können.

Lokale Partner finden sich in anderen Ländern wie Schweden, Polen, Slowenien, Spanien, der Türkei oder Großbritannien. „Wir sind ein sehr besonderes Stahlwerk“, sagt Roberto De Miranda. „Fast alle Produkte werden exakt nach Auftrag hergestellt und die Lieferung erfolgt just in time.“ Sprich: Anders als in herkömmlichen Stahlwerken wird die Produktion nicht weit voraus geplant.

„Wir bekommen den Auftrag vom Kunden und produzieren dann auftragsbezogen und passgenau. Dadurch benötigen wir kaum Lagerkapazitäten“, so Roberto De Miranda. Dieses Vorgehen setzt im Umkehrschluss eine strikt organisierte Prozesskette voraus, perfekte Organisation und Planung.

Roberto De Miranda
„Bei Stahl für die Schraubenindustrie gehören wir zu den Top drei Produzenten in Europa.“ Dr. Roberto De MirandaVorstandsmitglied

„Auf diese Art fertigen wir mehr als 200 Stahlgüter“, so der Unternehmer, der in seiner Familie die vierte Generation im Unternehmen vertritt. Außerhalb Italiens werden rund 45% der Erzeugnisse in Europa verkauft, zum Beispiel in Deutschland, Frankreich, Polen, Schweden, Spanien und Großbritannien.

„Weitere Absatzmärkte haben wir in China, Brasilien und Südkorea“, erklärt Roberto De Miranda. ORI MARTIN erzielt einen Jahresumsatz von rund 400 Millionen EUR. Insgesamt 650 Beschäftigte zählt die Gruppe.

„Wir haben hoch qualifizierte Mitarbeiter“, freut sich der Unternehmer. Brescia ist eine Hochburg der Metallindustrie. „Anders als in anderen Regionen ist es hier einfacher, hoch qualifiziertes Personal zu finden“, so Roberto De Miranda. Wer einmal im Unternehmen ist, bleibt ORI MARTIN in der Regel treu. „Wir setzen gezielt auf internes Wachstum und  beobachten nur eine geringe Arbeitskräftefluktuation.“

Ein Grund dafür ist das besondere Arbeitsklima bei ORI MARTIN. Der Transfer von Know-how unter den Mitarbeitern wird großgeschrieben. „Fast alle Kurse und Lehrgänge versuchen wir intern zu organisieren“, so Roberto De Miranda.

Der Wissenstransfer spiegelt sich auch in der Qualität der Produkte. Die sei in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert worden. „Weitere Stärken unseres Unternehmens sind unser Post-Sales-Service und absolute Termintreue bei der Lieferung“, nennt Roberto De Miranda Stärken. Dabei setzt ORI MARTIN auf angemessene Preise für hochwertige Qualität. Im Gegenzug können die Kunden mit einem Geschäftspartner rechnen, der eng mit ihnen zusammenarbeitet und stets bemüht ist, die bestmögliche Lösung zu entwickeln.

„Der Kunde merkt rasch, dass es sinnvoll ist, etwas mehr zu bezahlen, weil man unterm Strich durch einen einwandfreien Zustand der Produkte spart“, so Roberto De Miranda. „Unser Ruf auf dem europäischen Markt ist klar definiert: Wir sind bekannt als ein zuverlässiger Produzent von zuverlässigen Produkten.“ Diesem Anspruch möchte ORI MARTIN auch in Zukunft gerecht werden.

Industrie 4.0

Großes Augenmerk legen die Verantwortlichen von ORI MARTIN aktuell auf die Entwicklung im Bereich Industrie 4.0. Das werde gerade von Kunden aus der Automobilindustrie erwartet.

„Wir haben zum Beispiel ein spezielles Tracking entwickelt, das genau anzeigt, in welchem Prozess sich ein bestimmtes Produkt gerade befindet, ob es schon gefertigt wurde, ob es schon verladen wurde oder wo es sich in der Produktionsanlage gerade befindet“, beschreibt Roberto De Miranda die aktuelle Prozessoptimierung. Letztlich dient sie dazu, die Qualität der Produkte weiter zu verbessern, die Abläufe passgenau zu steuern und die Kostenstruktur zu optimieren.

Echtes Familienunternehmen

ORI MARTIN ist ein Familienunternehmen durch und durch. 1933 hatte der Urgroßvater von Roberto De Miranda, Herr Oger Martin aus Belgien, das Stahlwerk in Italien gekauft. Aufschwung erlebte das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg. 1961 übernahm Roberto De Miranda Senior zusammen mit Dr. Walter Magri die Geschäftsleitung.

Heute ist Nachfahre Uggero De Miranda Präsident und Giovanni Marinoni Vizepräsident von ORI MARTIN. Die Gruppe gehört zu 100% den Familien De Miranda und Magri. ORI MARTIN setzt auf Nachhaltigkeit.

„Ein weiteres wichtiges Thema ist Umwelt und Energie“, sagt Roberto De Miranda. So nutzt das Unternehmen schon heute die Abwärme der Produktionsstätte in Brescia, um im Winter Heizenergie für die Stadt zur Verfügung zu stellen. Roberto De Miranda: „Das ist eine zirkulierende Wirtschaft, die für echte Ersparnisse sorgt und unseren Anspruch der Nachhaltigkeit in der Umsetzung dokumentiert.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Interview mit Dipl.-Ing. Torsten Reuß, Geschäftsführer der TOSSTEC GmbH

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Immer mehr Hausbesitzer wünschen sich einen Pool im eigenen Garten – aber bitte ohne Chlorgeruch, rote Augen und dauerhaft hohe Betriebskosten. Naturpools und Schwimmteiche sind hier eine attraktive Alternative. Die…

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Interview mit Nicolas de Beco, CEO der Banqup Group

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Lang angekündigt, kommt sie doch schneller als gedacht – die E-Rechnungspflicht. Damit stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, schnellstmöglich ihre Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Die Banqup Group bietet…

Ein Netzwerk, das Menschen und Chancen verbindet

Dennis Greenfield, Geschäftsführer der AÜG NETZWERK GmbH

Ein Netzwerk, das Menschen und Chancen verbindet

Die Personaldienstleistungsbranche ist zu einem zentralen Baustein des deutschen Arbeitsmarktes geworden: Unternehmen gewinnen Flexibilität, wenn Auftragslagen schwanken, und Fachkräfte erhalten zusätzliche Einstiegs- und Entwicklungschancen in unterschiedlichste Betriebe. In diesem Umfeld…

Spannendes aus der Region Brescia (BS)

Blech in Form gestanzt

Interview mit Ezio Bucalossi, Geschäftsführer der Nuova Sta srl

Blech in Form gestanzt

Flexibilität ist der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg kleinerer und mittlerer Unternehmen wie der Nuova Sta srl. Der italienische Blechbearbeitungsspezialist aus Provaglio d’Iseo bei Brescia hat sich mit schnellen und flexiblen…

Eine italienische Erfolgsschmiede

Interview mit Ruggero Brunori, Geschäftsführer der Ferriera Valsabbia S.p.A.

Eine italienische Erfolgsschmiede

Rund zwei Jahre haben die Verhandlungen gedauert, nun ist der Deal in trockenen Tüchern. Die zwei Stahlgiganten Thyssen-Krupp und Tata Steel legen ihre europäischen Stahlsparten zusammen – eine Reaktion auf…

Top Technologie-Partner im Top-Down Management

Interview mit Valentina Cianci, Head of Sales and Marketing der OCS SPA

Top Technologie-Partner im Top-Down Management

Das Top-Down-Management aller Finanztransaktionen wird allgemein Verbraucherkredit- und Privatkundengeschäft genannt. Seit der Gründung im Jahre 1984 hat sich OCS SPA in Brescia zusammen mit renommierten italienischen Banken und Finanzunternehmen zu…

Das könnte Sie auch interessieren

Revolutionäre Spitzentechnologie made in Germany

Interview mit Uwe Ahrens, Geschäftsführer der Altech Advanced Materials AG

Revolutionäre Spitzentechnologie made in Germany

Salz – im Altertum war das weiße Gold ein kostbares Gut, das Reichtum und Macht brachte. Heute könnte Salz bei der Energiewende eine entscheidende Rolle spielen. Jedenfalls wenn man an…

Der Antrieb zur Veränderung

Interview mit Michael Fahrenbach, Geschäftsführer der Wöhrle GmbH & Co. KG

Der Antrieb zur Veränderung

Nichts verändert die Automobilindustrie derzeit mehr als die Transformation zur E-Mobilität. Als etablierter Zulieferer in dieser Branche unterstützt die Wöhrle GmbH & Co. KG weltweit ihre Kunden bei der Entwicklung…

Glas mit ganz eigener Note

Interview mit Prof. Dr. Andreas Buske, Inhaber und Geschäftsführer der Zwiesel Kristallglas AG

Glas mit ganz eigener Note

Das leise Klingen dünnwandiger, langstieliger Gläser ist für viele sicher das Schönste am Anstoßen. Einen besonderen Klang bringen die Kristallgläser der Zwiesel Kristallglas AG hervor – nicht umsonst ziert das…

TOP