Homelifte mit der Stimme steuern

Interview mit Dott. Fabrizio Nicoli, CEO der NOVA S.r.l.

Wirtschaftsforum: Herr Nicoli, Ihr Unternehmen hat 1992 als Zulieferer von Aufzugkomponenten angefangen. Wie kam es dazu, dass Sie jetzt Ihre eigenen Produkte herstellen?

Dott. Fabrizio Nicoli: Wir haben zunächst Kabinen für die großen Aufzughersteller wie Otis Schindler oder ThyssenKrupp, gefertigt. Im Jahr 2009 haben wir begonnen, komplette Aufzuganlagen für den Residential-Bereich herzustellen. Anfangs haben wir für die großen Gruppen weitergearbeitet, aber inzwischen produzieren wir nur noch für unsere eigene Marke. Das war unsere beste Entscheidung: vom Komponentenzulieferer zum Markenhersteller zu werden.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich NOVA seitdem entwickelt?

Dott. Fabrizio Nicoli: Hätten wir diese Entscheidung damals nicht getroffen, hätten wir wohl nach wie vor nur 20 Mitarbeiter und würden für den lokalen Markt fertigen. Heute haben wir 60 Beschäftigte, einen stabilen Umsatz von 14 Millionen EUR und Kunden in 27 Ländern auf der ganzen Welt. 60% unserer Aufzüge gehen ins Ausland.

Wirtschaftsforum: Welches sind Ihre wichtigsten Exportmärkte?

Dott. Fabrizio Nicoli: Aktuell Australien und Mitteleuropa, hier vor allem Deutschland, die Schweiz und die Benelux-Staaten. Kurzfristig wollen wir unsere Position in Frankreich, Großbritannien und Spanien weiter ausbauen, langfristig in Fernost. Wir haben zwölf Showrooms weltweit, davon zwei in China und einen in Vietnam.

Wirtschaftsforum: Ihre Aufzüge sind bekannt für hohe Qualität und Zuverlässigkeit sowie ein ansprechendes Design. Ist Letzteres nicht sehr länderspezifisch?

Dott. Fabrizio Nicoli: Wir nähern uns jedem Markt individuell; das gilt auch für Deutschland. Wir bieten sehr robuste Anlagen, die ästhetisch anspruchsvoll sind und die Anforderungen der Architekten erfüllen. Wir sind hauptsächlich im Bereich kleinere Aufzüge für Wohnhäuser tätig, und da spielt individuelles Design eine große Rolle.

Wirtschaftsforum: Sie investieren viel in die Entwicklung neuer Produkte.

Dott. Fabrizio Nicoli: Ja, vor Kurzem haben wir Vocal Suite auf den Markt gebracht, einen neuartigen Aufzug, der mit Sprachbefehlen bedient werden kann, also komplett ohne Berührung – ideal für Hauskomfort, Domotik und Hygene in der Pandemie. Wir sind damit Pioniere.

Wirtschaftsforum: Wie wurde der neue Aufzug vom Markt angenommen?

Dott. Fabrizio Nicoli: Sehr gut. Wir haben bereits eine zweistellige Zahl in Italien, Deutschland und Großbritannien installiert.

Wirtschaftsforum: Ist die Corona-Krise für Sie spürbar?

Dott. Fabrizio Nicoli: Wir sind natürlich wie alle von der Pandemie betroffen, haben es aber trotzdem geschafft, in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Das peilen wir auch für das laufende Jahr an. Wir investieren weiter und bringen eine weitere, neue Produktlinie auf den Markt: Giotto, mit drei runden, transparenten Aufzugmodellen. Wir arbeiten hier mit dem international bekannten Architekten Simone Micheli zusammen.

Wirtschaftsforum: Apropos international, Sie sprechen drei Sprachen und haben für Ihre Arbeit die halbe Welt bereist.

Dott. Fabrizio Nicoli: Offenheit gegenüber Neuem ist für uns fundamental. Ich habe immer im Bereich Verkauf und Marketing gearbeitet. Es ist wichtig zu verstehen, was Kunden von ihrem Lieferanten erwarten, da je nach Markt die Gewohnheiten anders sind.

Wirtschaftsforum: Eine offene Haltung gilt auch für Ihr soziales Engagement und den Einsatz für die Umwelt, oder?

Dott. Fabrizio Nicoli: Ja, wir unterstützen soziale Einrichtungen und Sportvereine in der Region, die weniger Glück hatten als wir, erzeugen 70% unserer Energie mittels Fotovoltaik, haben alle herkömmlichen Leuchtkörper durch LED-Lampen ersetzt und in der ganzen Firma Plastik eliminiert. Man muss der zukünftigen Generation die bestmögliche Welt hinterlassen, auf der man leben kann.

Wirtschaftsforum: Das heißt Wachstum um jeden Preis ist für Sie nicht die oberste Maxime.

Dott. Fabrizio Nicoli: Unser Ziel ist ein nachhaltiges Wachstum. Wir wollen die Innovationen weiter ausbauen und dabei unseren Unternehmenswerten treu bleiben. Der Wert einer Firma besteht in den Menschen und deren Energie. Bei uns arbeiten alle zusammen und respektieren einander um gemeinsam Wohlstand und Zufriedenheit für alle Stakeholder zu schaffen, vom Kunden über die Belegschaft bis zum Zulieferer.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Wenn jeder Hundertstel­millimeter zählt

Interview mit Luc De Sutter, Geschäftsführer der Soenen Technology nv.

Wenn jeder Hundertstel­millimeter zählt

In jeder Küche verbergen sich kleine Wunder der Präzisionstechnik: perforierte Bleche in Mikrowellen, Siebe in Spülmaschinen oder Filter in Dunstabzugshauben. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint, erfordert eine Genauigkeit…

Zukunft im Maschinenbau gestalten

Interview mit Robert Nijland, Geschäftsführer und Sven Buchen, Technischer Vertrieb der DALEX Automation & Welding GmbH

Zukunft im Maschinenbau gestalten

Energiepreise, Investitionszurückhaltung und strukturelle Veränderungen stellen den Maschinenbau vor große Herausforderungen. Die DALEX Automation & Welding GmbH begegnet diesem Wandel mit einer umfassenden Neuaufstellung – von der ausgelagerten Fertigung bis…

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Interview mit Alexander Gebele, Geschäftsführer der HOLTEC GmbH & Co. KG

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Steigende Energiepreise, Rohstoffknappheit und Digitalisierung setzen die Sägeindustrie massiv unter Druck. Gefragt sind effiziente, nachhaltige Komplettlösungen. Die HOLTEC GmbH & Co. KG aus Hellenthal zählt im Rundholzhandling zu den europäischen…

Spannendes aus der Region Crevalcore (BO)

Fenster und Türen – immer ganz dicht

Interview mit Massimiliano Palumbo, Business Development Director der Giesse S.p.A.

Fenster und Türen – immer ganz dicht

Wo immer eine Öffnung in einem Gebäude ist, da wird auch eine Dichtung benötigt. Das ist das Spezialgebiet der Giesse S.p.A. Ob nun Fenster oder Türen, Dichtungen oder Hardware, das…

Der Geschmack der Tradition

Interview mit Francesca Berti, Marketingleiterin der Caber SRL

Der Geschmack der Tradition

Die Auswahl erlesener Zutaten, die Verwendung traditioneller Rezepte, das Zelebrieren des Geschmacks – in keiner anderen Ecke der Welt wird Genuss so gelebt wie in Italien. Caber SRL lässt uns…

Weniger ist hier mehr

Interview mit Uwe Basler, Exportmanager der Simex s.r.l.

Weniger ist hier mehr

Es gibt viele unterschiedliche Baumaschinen für ganz verschiedene Einsatzgebiete, vom Straßenbau über den Brücken- und Tunnelbau bis hin zu speziellen Anwendungen wie Unterwasserarbeiten. Doch es muss nicht immer eine komplette,…

Das könnte Sie auch interessieren

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Interview mit Mike Bertsch, Geschäftsführer der The Cue Group GmbH

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Was passiert, wenn eine Krise zur Blaupause für ein neues Geschäftsmodell wird? Aus den Erfahrungen der Coronapandemie heraus entstand die Idee zur The Cue Group GmbH: ein Netzwerk aus Eventspezialisten,…

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

Interview mit Dr. Dominik Benner, Geschäftsführer der The Platform Group SE & Co. KGaA

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

E-Commerce und stationärer Handel werden oft als Gegensätze gesehen: ein Trugschluss, wie Dr. Dominik Benner meint. Mit seinem Unternehmen The Platform Group will er starken stationären Einzelhändlern die Welt des…

Wachstum trotz Baukrise

Interview mit Martin Weihe, Geschäftsführer der Obra Bautenschutz GmbH

Wachstum trotz Baukrise

Dank seines breiten Leistungsportfolios konnte die Obra Bautenschutz GmbH in den letzten Jahren trotz einer rückläufigen Marktentwicklung weiter wachsen und ihr Tätigkeitsspektrum noch umfassender ausbauen: Im Interview mit Wirtschaftsforum verriet…

TOP