Das Credo für erfolgreichen E-Commerce: Be nice!

Interview mit Christoph Schreiner, Geschäftsführer der niceshops GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schreiner, gerade in den letzten Jahren hat die niceshops GmbH beeindruckende Wachstumsraten an den Tag gelegt. Wie schaffen Sie es, im harten E-Commerce-Geschäft neben Giganten wie Amazon zu bestehen?

Mag. Christoph Schreiner: Einer der wichtigsten Schlüssel für unseren anhaltenden Erfolg liegt in der stark ausgeprägten Spezialisierung unserer Shops. Denn auch im hart umkämpften E-Commerce-Markt gibt es zahlreiche Bereiche, in denen Amazon eben nicht Marktführer ist: Denken Sie etwa an das Fashion-Segment, in dem der Riese aus Seattle kaum eine Rolle spielt. Unsere Erfahrung hat gezeigt: Wenn man einen klaren Fokus auf bestimmte Themen legt, diese dann mit einer großen Produkttiefe und einem umfangreichen Sortiment bedient, das Amazon nicht anbieten kann, und noch dazu mit entsprechend attraktiven und zielgruppengerechten Produktdarstellungen überzeugt, kann man im boomenden E-Commerce-Geschäft sehr erfolgreich mitspielen.

Wirtschaftsforum: In welchen Marktsegmenten sehen Sie in Ihren Shops gerade eine besonders große Nachfrage?

Mag. Christoph Schreiner: Einen besonders großen Zuspruch erleben wir beim Thema 3-D-Druck: Das betrifft die Nachfrage nach den eigentlichen Druckern wie nach den Filamenten. Ebenso stoßen unsere Angebote im Kosmetikbereich, speziell beim Thema Naturkosmetik, derzeit auf großen Anklang. Auch in unserem E-Bike-Segment können wir uns über ein schönes Wachstum freuen. Dabei gibt es jedoch derzeit kaum eine von uns bediente Nische, die hinter unseren Erwartungen zurückbliebe.

Wirtschaftsforum: In welchen Segmenten möchten Sie Ihre Aktivitäten ausbauen?

Mag. Christoph Schreiner: Grundsätzlich verfolgen wir die Strategie, uns auf einzelne Nischen zu konzentrieren, um dann im jeweiligen Segment möglichst die europaweite Marktführerschaft anzustreben. Bei unserer mittlerweile erreichten Marktbreite – derzeit erwirtschaften wir mit mehreren Dutzend Online-Shops einen Jahresumsatz in Höhe von über 150 Millionen EUR – bekommt zudem die Frage nach möglichen wechselseitigen Kombinationen dieser verschiedenen Nischen zunehmend Gewicht. Wir überlegen ständig, wie wir noch mehr Einkaufsbedürfnisse unserer Kundinnen abdecken können. Sortimente aus dem Alltagsbedarf, etwa für Kosmetik oder den Heimtiermarkt, werden vor diesem Hintergrund eine immer größere Rolle für uns spielen.

Wirtschaftsforum: Mit einem Exportanteil von über 80% sind Sie dabei nicht nur in Bezug auf Ihr Sortiment sehr breit aufgestellt, sondern auch in geografischer Hinsicht – und das weit über den DACH-Raum hinaus. Reicht es vor diesem Hintergrund aus, einfach eine portugiesische Sprachversion des jeweiligen Online-Shops in Auftrag zu geben, um auch in Portugal erfolgreich zu sein?

Mag. Christoph Schreiner: Nein, eine einfache Übersetzung ist natürlich nicht genug, auch wenn sie sicherlich eine gute Basis ist. Doch schon bei diesem sehr frühen Schritt zeigt sich unser hoher Qualitätsanspruch. So möchten wir möglichst mit Muttersprachlern zusammenarbeiten, die mit ihrem jeweiligen Heimatland weiterhin in engem Kontakt stehen. Denn Sprache lebt und entwickelt sich weiter, und unser Ziel ist es natürlich, dass unsere Produkt- und Werbetexte in allen Märkten, in denen wir aktiv sind, zeitgemäß klingen.

Wirtschaftsforum: An welchen Stellen sind außerdem Anpassungen an die lokalen Gegebenheiten erforderlich?

Mag. Christoph Schreiner: Weitere Anpassungen betreffen etwa das Retouren-Management oder die Zahlungsabwicklung. In osteuropäischen Ländern nutzen viele Kundinnen weiterhin gerne die Möglichkeit zur Zahlung per Nachnahme, die in Deutschland oder den Niederlanden heute keine wesentliche Rolle mehr spielt. Im Idealfall gelingt die Anpassung an die örtlichen Gepflogenheiten so gut, dass man von den dortigen Konsumentinnen als lokaler Player wahrgenommen wird: Manche unserer Kunden im Ausland mögen wissen, dass hinter dem jeweiligen Angebot ein österreichisches Unternehmen steht, andere nicht – doch ungeachtet dessen können sie sich sicher sein, dass dieser Umstand für sie keinerlei Konsequenzen hat. Die Schweiz, die nicht Mitglied der Europäischen Union ist und somit auch nicht am freien Warenverkehr im Europäischen Wirtschaftsraum teilnimmt, stellte für uns eine zusätzliche Herausforderung bei der Zollabwicklung dar: Hier gelang uns jedoch die Implementierung eines Prozesses, der diesen gesamten Themenkomplex unternehmensseitig abwickelt, sodass unser Schweizer Kunde auch bei diesem Aspekt gar nicht merkt, dass er es mit einem ausländischen Anbieter zu tun hat. Das kann kaum einer unserer Wettbewerber anbieten.

Wirtschaftsforum: War dieses europaweite Wachstum von Anfang an Teil des Geschäftskonzepts von niceshops?

Mag. Christoph Schreiner: Ja, wir wollten seit der Gründungsphase auch über die Grenzen von Deutschland und Österreich hinaus aktiv werden. Wenn man dafür einmal den Grundstein gelegt hat, ist der Rest ‘nur’ noch eine Skalierungsfrage – vorausgesetzt, man hat von Anfang an agile Strukturen implementiert, bei denen die Komplexität nicht mit dem Umsatzvolumen und den steigenden Mitarbeiterzahlen mitwächst.

Wirtschaftsforum: Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Mag. Christoph Schreiner: Besonders wichtig ist es, den Mitarbeitern den nötigen Freiraum zu geben, damit sie sich mit ihren Fähigkeiten und ihrer Erfahrung vollends einbringen können, und gleichzeitig einen übergeordneten Kontext zu schaffen, bei dem alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Wir suchen deshalb stets Kolleginnen und Kollegen, die nicht in einem klassisch hierarchischen Arbeitsumfeld tätig werden möchten, sondern vielmehr Lust darauf haben, ihre eigenen Ideen, ihre Erfahrungen und ihr Know-how konsequent im Unternehmen einzubringen und dabei auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung zu übernehmen.

Wirtschaftsforum: Sie streben derzeit auch eine Zusammenarbeit mit weiteren Lieferanten an. Welche Eigenschaften sind Ihnen bei Ihren Partnern besonders wichtig?

Mag. Christoph Schreiner: Wir wollen mit unseren Lieferanten auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Denn eine Geschäftsbeziehung kann langfristig nur funktionieren, wenn beide Parteien miteinander und nicht auf Kosten voneinander von ihren wechselseitigen Leistungen profitieren. Alles andere wäre nicht nachhaltig.

Wirtschaftsforum: Auf das Thema Nachhaltigkeit erstreckt sich auch Ihr Unternehmens-Credo – ‘Be nice’!

Mag. Christoph Schreiner: Unser Slogan "Be nice" versinnbildlicht unser Leitmotiv im Umgang miteinander und mit allen Stakeholdern und Lieferanten, ebenso wie unsere ökologische Ambition. Seit 2018 arbeitet unser Unternehmen klimaneutral, bis 2025 möchten wir dieses Ziel mit unserer Net-Zero-Strategie auch ohne klimakompensierende Maßnahmen erreichen. Bei der konsequenten Verfolgung einer nachhaltigen Unternehmenskultur in allen Belangen hilft es uns enorm, dass wir noch ein sehr junges Unternehmen sind, das von Anfang an alle ESG-Prinzipien verinnerlicht hat. Wir mussten also nicht erst einen langwierigen Change-Prozess durchlaufen, um diese Werte auch mit Leben erfüllen zu können.

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