Die neue Intelligenz der Mobilität

Interview mit Dr. Jürgen Weber, Geschäftsführer der CarByte Technology Group GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Weber, die CarByte Technology Group wurde 2021 gegründet und ist rasant gewachsen. Wie kam es zur Entstehung des Unternehmens – und was waren die wichtigsten Meilensteine?

Jürgen Weber: Wir sind kein typisches Start-up, sondern ein Zusammenschluss erfahrener Experten aus Telekommunikation und IT-Beratung. Nach meiner Zeit bei Alcatel und MHP, einer Porsche-Tochter, wollten wir unser Know-how aus der Connected-Car-Welt bündeln und die gesamte digitale Wertschöpfungskette abbilden. Fünf Gründer haben CarByte aus dem Nichts aufgebaut – 2021 starteten wir mit sieben Mitarbeitenden, Ende 2022 waren es über 80, heute sind es rund 220 inklusive vieler Studierender, die wir übernehmen. Der Umsatz liegt bei rund 25 Millionen EUR. Seit Anfang 2025 treten wir als CarByte Technology Group mit den Tochtergesellschaften CarByte und CarByte Engineering auf.

Wirtschaftsforum: Was ist das Kerngeschäft von CarByte, und welche Leistungen bieten Sie an?

Jürgen Weber: Wir vernetzen technische Systeme und entwickeln Software, die Fahrzeuge, Maschinen oder Geräte intelligent mit der Cloud verbindet. Ursprünglich aus dem Automotive-Bereich kommend – etwa bei Notrufsystemen, Konnektivitätsmodulen oder App-Diensten – begleiten wir heute auch Landmaschinenhersteller, Robotik- und Energieunternehmen oder Akteure aus dem Gesundheitswesen. Sitz der Gruppe ist Rülzheim; hinzu kommen ein Cybersecurity-Hub in Bochum sowie Hochschul-Kooperationen in Ulm und Berlin – wichtig für Wissenstransfer sind gute Netzwerke sowie Firmen, mit denen wir an Innovationen beziehungsweise neuenTechnologien arbeiten können.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie von anderen Technologiepartnern?

Jürgen Weber: Unsere Stärke liegt in der End-to-End-Kompetenz. Wir decken die komplette Kette ab – von der App über die Cloud bis zum Steuergerät. Viele spezialisieren sich auf Teilbereiche, wir verbinden sie. Unsere interdisziplinären Kompetenzzentren arbeiten ohne Silos, was uns schnell und flexibel macht. Wir verfügen über ein außergewöhnlich erfahrenes Team – viele Kollegen begleiten uns seit Jahrzehnten. Dieses Wissen ist durch keine Technologie zu ersetzen.

Wirtschaftsforum: In Ihrer Branche sind Digitalisierung, KI und Cybersecurity zentrale Themen. Wie reagieren Sie darauf?

Jürgen Weber: Künstliche Intelligenz spielt eine wachsende Rolle – etwa bei Datenauswertung, Tests oder Simulationen. Dazu betreiben wir eigene Security-Hubs und führen Penetrationstests durch – Schutz vor Angriffen von außen wie von innen ist inte­graler Bestandteil jeder Lösung. Wir kombinieren KI mit unserem Connectivity-Know-how, um neue Anwendungen wie Predictive Maintenance oder automatisierte Steuerungsprozesse zu ermöglichen. Die enge Verbindung von Softwareentwicklung, Security und Cloudarchitektur bietet unseren Kunden echten Mehrwert.

Wirtschaftsforum: Viele Unternehmen klagen über Fachkräftemangel – Sie nicht. Wie schaffen Sie es, Talente zu gewinnen und zu halten?

Jürgen Weber: Wir setzen auf Eigenentwicklung statt Fachkräftemangel. Über Kooperationen mit Universitäten gewinnen wir früh Talente, die vom Wissen erfahrener Kollegen profitieren. Flache Hierarchien und viel Eigenverantwortung sorgen für Motivation. Wer Ideen hat, kann sie umsetzen – unabhängig von Titel oder Alter. Das stärkt Zusammenhalt und Identifikation. Über die Uni-Partnerschaften in Ulm im Bereich Data Analytics, in Bochum im Bereich Cyber Security und in Berlin an der CODE University of Applied Sciences holen wir Studierende früh ins Team und übernehmen sie regelmäßig fest.

Wirtschaftsforum: Wohin soll sich CarByte Technology in den kommenden Jahren entwickeln?

Jürgen Weber: Wir wollen weiter wachsen – kontrolliert und mit klarer Ausrichtung. Die Verbindung von KI, Connectivity und Mobilfunktechnologie eröffnet enorme Potenziale, nicht nur im Fahrzeug, sondern auch in Energie, Mobilität und Medizintechnik. Wir investieren gezielt in neue Themen und in unsere Teams. Gleichzeitig beobachten wir den globalen Markt aufmerksam – insbesondere die Dynamik in China und den USA. Neue Hersteller bringen Impulse, stehen aber oft noch vor regulatorischen Hürden in Europa. Für uns entstehen daraus Chancen, weil die großen OEMs trotz Gewinnrückgängen weiter in Entwicklung und Vernetzung investieren. In einem Markt im Wandel setzen wir auf Kontinuität, Zusammenhalt und Innovationskraft – und genau das ist unser Anspruch bei CarByte.

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