Die Sonne für Afrika mobil machen

Interview mit Thomas Duveau, Chief Strategy Officer der Mobisol GmbH

Firmengründer und CEO Thomas Gottschalk hatte 2010 die Idee zu einer dezentralen und ökologisch sauberen Stromerzeugung für die vielen Haushalte in Ostafrika, die nicht oder nur unzureichend an das Stromnetz angeschlossen sind. Ein Jahr später nahm das Pilotprojekt seinen Betrieb auf.

Bezahlung per Handy

Seither hat Mobisol mehr als 100.000 Anlagen mit einer Leistung von durchschnittlich je 100 W verkauft und 500.000 Menschen mit einer ökologisch nachhaltigen Stromversorgung ausgestattet. „Die Menschen in Ostafrika haben in der Regel kein Bankkonto. Daher haben wir ein passendes Finanzierungsmodell entworfen“, sagt Thomas Duveau.

Die Menschen leisten ihre monatlichen Raten ganz einfach vom Handy aus. Die Anlagen selbst sind mit SIM-Karten ausgestattet und erlauben so ein Remote Monitoring und die Fernwartung von Berlin aus. „Der Klimawandel kommt nicht irgendwann, sondern ist schon längst da“, betont Thomas Duveau.

Um die Wasserversorgung in von Dürren betroffenen Regionen zu gewährleisten, hat Mobisol spezielle Solarwasserpumpen entwickelt und auf den Markt gebracht. Außerdem hat das Unternehmen größere Solarsysteme entwickelt, die sogar Schweißgeräte mit Energie versorgen können.

„Das macht Mobisol aus: Das Erkennen eines echten Bedarfs, der wirklichen Probleme vor Ort, um dann schnell gemeinsam mit den betroffenen Menschen die passenden Lösungen zu entwickeln und zu liefern“, ist Thomas Duveau begeistert von der Geschäftsidee. Dieser Gedanke treibt ihn auch ganz persönlich an.

„Ich will echte Probleme lösen und nicht mein Arbeitsleben verbringen, ohne etwas Reales zu leisten.“ Dennoch ist Mobisol kein Non-Profit-Unternehmen. „Wir sind unglaublich schnell gewachsen. Dennoch liegt die Marktdurchdringung noch unter 10%. Insofern besteht noch großer Bedarf“, sagt Thomas Duveau.

Das Gros der inzwischen 700 festen und einigen hundert freien Mitarbeiter von Mobisol ist in Kenia, Tansania und Ruanda beschäftigt. Der Jahresumsatz lag 2016 bei 35 Millionen EUR.

„Mit Technologie aus Deutschland schaffen wir eine exportierte Energiewende, die von unten kommt.“ Thomas DuveauChief Strategy Officer

„Wir bieten nicht nur die größten Anlagen, sondern liefern all das, was man auch in einem Haushalt mit Stromnetz vorfindet“, nennt Thomas Duveau ein Alleinstellungsmerkmal von Mobisol. Noch sind 90% der Kunden Privathaushalte. Doch kleinere Läden oder Werkstätten gewinnen an Bedeutung.

Internes Seminarzentrum

In Sachen Mitarbeitergewinnung setzt Mobisol auf eigene Ausbildung in Afrika vor Ort. „Dafür haben wir eigens die Mobisol-Akademie gegründet, quasi als internes Seminarzentrum.“ Auch regional stehen die Zeichen bei Mobisol auf weitere Expansion. „Wir haben weitere Länder im Fokus, wie die Elfenbeinküste, Nigeria und Äthiopien“, so der Chefstratege des Unternehmens.

Wo Mobisol am Ende tätig wird, hängt von den Partnern vor Ort ab. „Bei unserer künftigen Expansion in weitere Länder Afrikas wird es vor allem darum gehen, geeignete Partner vor Ort zu finden, um unser Ziel umsetzen zu können“, ist Thomas Duveau Realist. So plant Mobisol, die eigenen Entwicklungen in Form von Lizenzen zur Verfügung zu stellen. „Wir kennen uns vor Ort nur so gut aus wie unsere Partner.“

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