Interview mit Vanessa Weber, Unternehmerin und Keynote Speakerin

Menschen schätzen es, wenn man keine Maske trägt

Vanessa Weber kennt keine Angst vor Tabuthemen – nicht mehr. Die Unternehmerin äußerte sich zuletzt offen über das eigene Motivationsloch und die große Herausforderung Digitalisierung. Damit löste sie eine Welle an positiven Reaktionen aus. Jüngst ist sie von Sheryl Sandberg, COO von Facebook, eingeladen worden. Wirtschaftsforum hat die sympathische Geschäftsführerin zum Interview getroffen. Dabei hat Sie uns unter anderem verraten, wie gelungenes Netzwerken funktioniert und warum bei unternehmerischen Erfolgen falsche Bescheidenheiten komplett fehl am Platz ist.

Wirtschaftsforum: Frau Weber, Sie sind Unternehmerin, Referentin, Bloggerin, Co-Autorin und dazu noch sozial engagiert. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis beim Zeitmanagement?

Vanessa Weber: Zeitmanagement muss natürlich sein. Aber prinzipiell gilt für mich, wenn Sachen Spaß machen, habe ich auch die Zeit dafür. Das war allerdings nicht immer so. Ich hatte eine Phase, in der mein Akku ziemlich leer war. Um dem Gegenzusteuern plante ich eine neunwöchige Reise. Allerdings kann ich mich ja nicht einfach so aus dem Betrieb ausklinken. Also habe ich über ein Jahr hinweg die Mitarbeiter geschult, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und zu handeln. Während der Reise hat das Handy kein einziges Mal geklingelt und auch nach meiner Rückkehr hat sich dies fortgesetzt. In den ersten drei Tagen habe ich keinen Anruf im Büro erhalten und dachte schon ich sei überflüssig geworden [lacht]. Nun kann ich endlich am Unternehmen arbeiten, anstatt im Unternehmen.

„Die Leute sehen einen oft nur auf dem Gipfel des Erfolgs, vergessen aber den Weg dahin und der ist mit harter Arbeit verbunden.“

Vanessa Weber
Unternehmerin und Keynote Speakerin

Wirtschaftsforum: Bereits mit 22 Jahren übernahmen Sie die Geschäftsführung bei Weber Werkzeuge. Gibt es bei unternehmerischer Verantwortung kein Mindestalter?

Vanessa Weber: Die Frage hat sich damals gar nicht gestellt, ob ich dazu alt genug bin oder nicht. Bei meinem Vater war das ähnlich, der musste bedingt durch den unerwarteten Tod meines Großvaters bereits mit 17 die Leitung übernehmen. Als er selbst gesundheitliche Probleme bekam, hat er mich schon früh gefragt. Das finde ich übrigens ein wenig schade an unserer deutschen Mentalität, dass wir ausgesprochene Bedenkenträger sind. In der Situation habe ich gar nicht darüber nachgedacht und hätte es auch nicht übers Herz gebracht „Nein“ zu sagen. Sicher, es war nicht einfach. Die Leute sehen einen oft nur auf dem Gipfel des Erfolgs, vergessen aber den Weg dahin und der ist mit harter Arbeit verbunden. Ich habe mich damals mit Vollgas eingearbeitet, nicht nur auf einer fachlichen, sondern auf einer persönlichen Ebene.Man muss aufpassen, dass man nicht irgendwelche Ausreden vorschiebt. Da gilt es die Bedenken beiseite zu räumen und zu sagen: „Ich mache das jetzt und lerne auf dem Weg das Laufen“. Von daher gibt es in diesem Sinne tatsächlich kein Mindestalter.

„Wenn man nicht über sich und seine Erfolge spricht, wie sollen denn andere je davon erfahren?“

Vanessa Weber
Unternehmerin und Keynote Speakerin

Wirtschaftsforum: Sie haben innerhalb von zehn Jahren (2002 bis 2012) den Umsatz von 2 auf 10 Millionen EUR gesteigert. Was war dabei der zentrale Erfolgsfaktor?

Vanessa Weber: Es ist tatsächlich ein Zusammenspiel aus vielen Dingen, die da eine Rolle gespielt haben. Ich habe mir schon sehr früh ein Netzwerk mit tollen Kontakten aufgebaut. Dabei geht es nicht darum Visitenkarten einzusammeln und bei Bedarf abzurufen, sondern erstmal was auf das Beziehungskonto des anderen einzuzahlen. Dafür habe ich viele Veranstaltungen besucht und mich eben nicht nur in meinem Büro eingeschlossen. Man muss rausgehen, präsent sein. Wenn man nicht über sich und seine Erfolge spricht, wie sollen denn andere je davon erfahren? Jedes Gespräch ist dabei wie ein Mosaikstein aus dem sich ein Gesamtbild ergibt. Ich erzähle da immer gerne meine Lieblingsanekdote. Aus einer Anfrage von Hyundai zu einer Werkbank wurde ein Auftrag über 1,3 Millionen EUR, weil ich im Gespräch einfach nachgehakt habe.

Klar muss ich auch durch Leistung überzeugen. Wer nur heiße Luft ablässt, wird schnell durchschaut. Davon abgesehen hatte ich immer schon ein gewisses Gespür für neue Dinge und Märkte. Wir haben zum Beispiel schon vor neun Jahren mit E-Commerce als Großhändler angefangen, da wussten die meisten noch gar nichts mit dem Wort anzufangen, geschweige denn hatten sie einen Online-Shop.

„Ein Schlüssel im Umgang mit der Digitalisierung kann sicher sein, dass man sich ihrer in Portionen annimmt und runterbricht.“

Vanessa Weber
Unternehmerin und Keynote Speakerin

Wirtschaftsforum: Sie äußerten zuletzt, dass Sie sich als Unternehmerin durch die Digitalisierung manchmal überfordert fühlen. Hat sich dieses Unbehagen zwischenzeitlich gelegt?

Vanessa Weber: Ich glaube diese Unsicherheit wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Wie kann ich Sicherheit in einem Thema finden, was sich ständig bewegt? Ein Schlüssel im Umgang mit der Digitalisierung kann sicher sein, dass man sich ihrer in Portionen annimmt und runterbricht. So lassen sich kleine Schritte gehen, die auch von Erfolg gekrönt sind. Nehmen Sie unsere laufende Future Lab-Gründung, die ich genau so angehe. Grundsätzlich gilt: Je mehr man sich in dem Thema bewegt, desto sicherer wird man dabei.

„Als Chef muss man weder Superman noch Superwoman sein!“

Vanessa Weber
Unternehmerin und Keynote Speakerin

Wirtschaftsforum: Haben Sie den Eindruck, dass es Unternehmern und Führungskräften ungemein schwerfällt sich von ihrer menschlichen Seite zu zeigen?

Vanessa Weber: Man will ja für die Mitarbeiter Vorbild sein, als derjenige der vorweggeht und einen Plan hat. Von daher gibt es schon Tabuthemen. Nehmen Sie neben Digitalisierung zum Beispiel Burnout. Tatsächlich ist es ungemein wichtig, Tabuthemen anzusprechen und anderen auch Mut zu machen. Ich hatte zunächst Bedenken, mich zu sensiblen Thema zu äußern. Ungeachtet dessen waren die Reaktionen darauf ungemein positiv. Menschen schätzen es, wenn man keine Maske trägt. Was nützt es, wenn meine Mitarbeiter glauben, dass alles in Ordnung ist und ich gar keine Lösung habe? Da hilft es doch mehr, sich auszutauschen und gemeinsam nach einem Weg zu suchen, der der Firma hilft. Man muss eben nicht Superman oder Superwoman sein.

Wirtschaftsforum: Die Zukunft der Kinder ist Ihnen eine Herzensangelegenheit und entsprechend vielfältig sind Sie engagiert. Woher bekommt die Begeisterung für das Thema?

Vanessa Weber: Wenn ich mir überlege, wie ich am besten einen Beitrag zur positiven Veränderung der Welt leisten kann, dann geht das zwar bis zu einem gewissen Stück als Vorbild, aber noch viel wichtiger ist aktives Handeln. Indem wir Kindern gewisse Leitplanken zur Orientierung geben und Wissen beziehungsweise Fähigkeiten vermitteln, schaffen wir die Basis dazu, dass sie die Welt tatsächlich verbessern können. Das ist für mich der richtige Ansatz und so gehöre ich zum Beispiel zu den Erstunterzeichnern des Generationenmanifests. Vor diesem Hintergrund lässt sich wieder ein Bogen zur Digitalisierung schlagen. Letztere verändert unser aller Leben. Es bleibt die Frage: Wann verändern wir unser Bildungssystem?

Interview: Markus Büssecker
Fotos: ©Werkzeug Weber | Lars Heidrich | Manuel Hauptmannl photography, ©Steffi Henn | Steffi Henn Photography

Menschen im Fokus

Vanessa Weber

CV in Zahlen

Geboren: 1980, Aschaffenburg

Unternehmerin: 2002 übernahm Vanessa Weber mit 22 Jahren den Familienbetrieb Werkzeug-Weber. Als Geschäftsführerin steigerte sie den Umsatz von 2 Mio. auf über 10 Millionen EUR.

Keynote Speakerin: Vanessa Weber ist gefragte Referentin und bietet zu den Themen Unternehmertum, Marke und Nachfolge Vorträge an.

Sonstiges: Für Vanessa Weber ist die Zukunft der Kinder ein besonderes Anliegen. Entsprechend engagiert sie sich unter anderem bei dem Generationenmanifest und Plant-for the Planet.

Link: vanessa-weber.de

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