Mein Freund der Techniker von nebenan

Interview mit Christian Viatte, CEO der Mila AG

Wirtschaftsforum: Herr Viatte, wie ist die Idee für die Mila Plattform entstanden?

Christian Viatte: Das war ein Prozess. Zu Beginn hatte Manuel Grenacher, der Gründer von Mila, die Idee einen Marktplatz für Services zu realisieren. Er hatte einfach keine Lust mehr, für Möbelaufbau oder Drucker-Installation lange nach guten Dienstleistern zu suchen. Gleichzeitig suchte ich in meiner vorherigen Rolle bei Swisscom nach einem Modell, das dem Kunden Vor-Ort-Service ermöglicht und das zum Wunschtermin.

So hatten wir damals bei Swisscom die Idee zu den Swisscom Friends: Technikhelfer aus der Nachbarschaft unterstützen Swisscom Kunden bei der Installation von Router & Co. Ich war damals Sponsor und Auftraggeber des Projektes.

Schnell haben wir gemerkt, dass die Idee aufgeht und Kunden begeistert sind. Gleichzeitig konnten Unternehmen wie Swisscom mit diesem Modell ihren Kunden einen schnellen und flexiblen Service bieten. Nachdem Swisscom Ende 2015 als Investor bei Mila eingestiegen war, haben wir das Geschäftsmodell vom herkömmlichen Marktplatz auf das On-demand Modell umgestellt. Nun haben Großkunden (wie Telekomanbieter, Retailer und Gerätehersteller) die Möglichkeit, innerhalb einer Kooperation mit Mila vom On-demand Service zu profitieren und Service zum richtigen Zeitpunkt anzubieten.

Mittlerweile helfen über 6.500 Friends und Profis (so nennen wir unsere Dienstleister) Tausenden von Kunden bei ihren Technikproblemen und das zum Wunschtermin, vor Ort und bei einem attraktiven Preis.

Christian Viatte, CEO der Mila AG
„Ich denke, dass wir mehr Transparenz schaffen, weil der Kunde genau weiß, wer zu ihm nach Hause kommt.“ Christian ViatteCEO der Mila AG

Wirtschaftsforum: Fremde Leute in die Wohnung einzuladen ist ja nicht in jedermanns Sinne. Welche Argumente stellen Sie dem entgegen?

Christian Viatte: Wir haben auf der Plattform zahlreiche Elemente implementiert, die Vertrauen schaffen und eine hohe Qualität der Serviceleistungen sichern. Zum einen werden alle neu registrierten Dienstleister geprüft. Es gibt eine Identitätsprüfung und sie müssen ein Bild einstellen sowie ihre Fähigkeiten beschreiben. Zudem haben wir einen Test, den jeder Serviceanbieter durchlaufen muss. Für gewisse Fähigkeiten oder Aufträge gibt es weitere Tests zur Sicherstellung des Know-hows.

Schließlich werden alle Dienstleister nach dem Service vom Kunden bewertet. Diejenigen, die ein schlechtes Rating haben, werden von uns geprüft und wenn notwendig auch von der Plattform genommen. Ich denke, dass wir mehr Transparenz schaffen, weil der Kunde genau weiß, wer zu ihm nach Hause kommt. Das hat man in der Regel nicht, wenn man telefonisch eine Firma bucht oder ein Techniker des Telekommunikationsanbieters zu einem nach Hause kommt.

Christian Viatte, CEO der Mila AG
„Unsere Vision ist es Technikprobleme einfach zu lösen und zwar dann, wenn es der Kunde wünscht.“ Christian ViatteCEO der Mila AG

Wirtschaftsforum: Welche anderen Serviceleistungen könnten in Zukunft noch mit Ihrer Plattform verbunden werden?

Christian Viatte: Aktuell konzentrieren wir uns auf On-demand Service rund um Technik. Was gut läuft sind Dienstleistungen rund um Unterhaltungselektronik, Computer, Internet und Smartphone. Wir sehen aber, dass mit der zunehmenden Vernetzung von Geräten das Thema Connected Home in Zukunft sehr viel mehr Nachfrage generieren wird.

Unsere Vision ist es Technikprobleme einfach zu lösen und zwar dann, wenn es der Kunde wünscht. Auch wenn dies innerhalb einer Stunde passieren muss. Hier haben wir einen entsprechenden Test in der Schweiz laufen, wo der Kunde für einen kleinen Aufpreis noch schneller Hilfe bekommt. Das funktioniert dann fast wie ein Taxi oder eine Pizza Bestellung auf Knopfdruck.

Christian Viatte, CEO der Mila AG
„Wir möchten weltweit die Nummer eins im On-demand Service rund um Technik werden und Kunden schnelle Hilfe bieten. Ich denke, dass die Nachfrage hier weltweit besteht.“ Christian ViatteCEO der Mila AG

Wirtschaftsforum: Welche europäischen Märkte zielen Sie in der Zukunft noch an, oder planen Sie auch weltweit zu expandieren?

Christian Viatte: Wir denken global. Aktuell ist die DACH-Region unser Fokus. Wir sind aber bereits dieses Jahr mit starken Partnern in Polen und Frankreich gestartet. UK und USA stehen ebenfalls auf der Liste. Wir möchten weltweit die Nummer eins im On-demand Service rund um Technik werden und Kunden schnelle Hilfe bieten. Ich denke, dass die Nachfrage hier weltweit besteht.

Wirtschaftsforum: Würden Sie selbst auch einmal als „Friend“ zu einem Kunden fahren um dort zum Beispiel einen Router zu installieren?

Christian Viatte: Da ich viel unterwegs bin und wenig Zeit habe, bin ich eher ein typischer Mila Kunde. Ich bin froh, dass ich die Einrichtung meiner Technik, wie erst kürzlich im Rahmen meines Umzugs, an einen Friend abgeben kann. Und so sehe ich auch gleich, wo wir noch besser werden können.

Interview: Sarah Urquhart

Mila AG
Brandschenkestrasse 6
CH-8001 Zürich, Schweiz

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