Technik, die Räume lebendig macht

Interview mit Ralph Höher, Geschäftsführer der ITV - Ingenieur Team ­Versorgungstechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Höher, wie ist die ITV entstanden?

Ralph Höher: Ich kenne meinen Geschäftspartner Servet Topraksuyu seit Mitte der 1990er-Jahre. Wir waren beide im Angestelltenverhältnis, wurden aber fast zeitgleich arbeitslos und haben uns im Jahr 2000 selbstständig gemacht. Zwei Jahre später kamen wir mit einem weiteren Partner zusammen und gründeten die ITV. Seit 2004 führen wir die Firma zu zweit als gleichberechtigte Geschäftsführer. Heute beschäftigen wir 19 Mitarbeitende und konzentrieren uns vor allem auf Projekte in Berlin.

Wirtschaftsforum: In welchen Bereichen sind Sie tätig?

Ralph Höher: Wir arbeiten im Verwaltungs- und Wohnungsbau, sowohl für private Bauherren als auch für die öffentliche Hand. Das Besondere ist, dass wir eine umfassende Kompetenz über die klassische Haustechnik hinaus entwickelt haben. Oft betreuen wir neben Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Sanitärtechnik auch Hochbauanteile mit. Unser Ziel ist es, die Technik so einzubinden, dass Architekten ihre Ideen umsetzen können – ohne ständig auf Hindernisse zu stoßen.

Wirtschaftsforum: Was sind die Stärken von ITV?

Ralph Höher: Ganz klar unsere Ehrlichkeit, Leidenschaft und Detailtiefe. Wir sind sehr perfektionistisch und wollen immer eine Lösung finden. Außerdem sind wir jederzeit erreichbar und scheuen uns nicht, Fehler einzugestehen. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass wir alle Berechnungen im eigenen Haus machen. Wir geben keine Rohrnetz- oder Anlagendimensionierungen nach außen, sondern wollen selbst das Gefühl haben: Das passt, die Anlage funktioniert.

Wirtschaftsforum: Leidenschaft ist ein großes Wort – was bedeutet das für Sie persönlich?

Ralph Höher: Für mich ist das die Begeisterung, an der Gestaltung der Stadt mitzuwirken. Haustechnik ist unsichtbar, aber ohne sie funktioniert kein Gebäude. Wir sorgen dafür, dass Architekten ihre Visionen verwirklichen können. Wenn ein Architekt am Ende sagt: „Super, das haben wir gelöst“, dann weiß ich, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Wirtschaftsforum: Welche Projekte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ralph Höher: Da gibt es einige. Im Wohnungsbau war es ein Terrassenprojekt in Köpenick mit 154 Einheiten, das technisch sehr anspruchsvoll war. Im öffentlichen Bereich denke ich an die Sanierung des Gerichtsgebäudes in der Turmstraße, bei der energetische Vorgaben umzusetzen waren. Ein Highlight war auch ein modernes Bürogebäude der Klingsöhr Unternehmensgruppe, bei dem wir eine hochkomplexe Dachzentrale mit Lüftung und Kälte realisieren konnten.

Wirtschaftsforum: Der Markt ist aktuell schwierig – wie gehen Sie damit um?

Ralph Höher: Das stimmt, die Zinspolitik und Baukosten belasten die private Bauwirtschaft. Gleichzeitig gibt es im öffentlichen Bereich eine hohe Nachfrage. Für uns war es immer ein Vorteil, auf zwei Standbeinen zu stehen. Wenn der Wohnungsbau schwächelt, trägt die öffentliche Hand und umgekehrt. Diese Ausrichtung hat uns wirtschaftliche Stabilität gegeben.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das konkret für die Unternehmensstrategie?

Ralph Höher: Wir spezialisieren unsere Mitarbeiter stärker. Früher haben wir gesagt: „Wir brauchen einen Planer“ – egal für welchen Bereich. Heute bauen wir Spezialisten auf: für Steuer- und Regelungstechnik, für Lüftung, Heizung, Klima und Sanitär. Damit stellen wir sicher, dass jeder weiß, wofür er verantwortlich ist. Parallel dazu wollen wir wachsen: Wir suchen neue Büroflächen und möchten auf etwa 25 Mitarbeiter erweitern.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Ihnen Sichtbarkeit am Markt?

Ralph Höher: Sehr wichtig. In den letzten Jahren haben wir das Thema Marketing etwas vernachlässigt und jetzt holen wir auf: neue Website, Broschüren, überarbeitete Bürovorstellung. Wir wollen uns klarer präsentieren, damit Projektentwickler frühzeitig auf uns zukommen. Der Markt wird sich wieder drehen, davon bin ich überzeugt. Und dann wollen wir bereitstehen.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie nach so vielen Jahren persönlich noch?

Ralph Höher: Ich habe einfach ein Faible für Technik. Schon als junger Handwerker hat es mich begeistert, wenn am Ende eines Projekts alles funktioniert. Diese Freude ist geblieben – und dafür stehe ich auch heute noch gern jeden Morgen um sechs Uhr auf. Natürlich gab es harte Zeiten, in denen wir uns selbst kein Gehalt zahlen konnten. Aber wir haben durchgehalten und sind heute ein gesundes Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Ein Erfolgsgeheimnis scheint auch die Partnerschaft mit Ihrem Mitgründer zu sein.

Ralph Höher: Absolut. Servet Topraksuyu und ich arbeiten seit 25 Jahren zusammen – ohne Streit, ohne finanzielle Konflikte. Das ist selten in unserer Branche. Wir haben uns immer ergänzt: Er ist der Normen- und Vorschriftenmensch, ich bin eher für Organisation und Strategie zuständig. Diese Aufteilung hat uns stark gemacht.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Wann lohnt sich Kauf statt Miete bei Kältelagerung?

Wann lohnt sich Kauf statt Miete bei Kältelagerung?

Bei der Lagerung temperaturempfindlicher Waren stellt sich die Frage: Kühlcontainer kaufen oder mieten? Die Antwort auf diese Frage hängt von zahlreichen betrieblichen Rahmenbedingungen ab, wozu insbesondere der geplante Nutzungszeitraum, das…

„Transparenz ist besser als jedes Zertifikat!“

Interview mit Marco Scheel, Gründer und Geschäftsführer der M.S. Nordwolle GmbH

„Transparenz ist besser als jedes Zertifikat!“

Wolle ist der beste Einfall, den die Natur je hatte, um ein gleichwarmes Säugetier vor Regen, Hitze und Kälte zu schützen – und gleichzeitig sind Schafe essenziell für die regenerative…

Klimaanlage und Fußbodenheizung effizient kombinieren

Klimaanlage und Fußbodenheizung effizient kombinieren

Wer im Neubau oder bei einer energetischen Sanierung auf eine Split Klimaanlage kaufen setzt und gleichzeitig eine Fußbodenheizung betreibt, hat zwei leistungsstarke Systeme unter einem Dach — doch ihr volles…

Spannendes aus der Region Berlin

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

Der Hammer fällt heute digital – aber er fällt von Menschenhand

Interview mit Oskar Kampik, Berater im Bereich Digitalisierung bei der Historia Auktionshaus GmbH & Co. KG

Der Hammer fällt heute digital – aber er fällt von Menschenhand

Der Kunstmarkt gilt vielen als verschlossenes Terrain: teuer, elitär, schwer zugänglich. Oskar Kampik sieht das anders. Im Gespräch erklärt der Digitalisierungsexperte der Historia Auktionshaus GmbH & Co. KG, warum Auktionen…

Die Digitalisierer der Energiewirtschaft

Interview mit Stefan Baasner, CEO der m2g-Consult GmbH

Die Digitalisierer der Energiewirtschaft

Die m2g-Consult GmbH aus Berlin blickt inzwischen auf über zehn Jahre Erfahrung im Smart Energy-Segment zurück: Ihre Projekte beschränken sich dabei nicht nur auf die technologische Transformation ihrer Kunden aus…

Das könnte Sie auch interessieren

Unsichtbare Leistung, die jedes Gebäude trägt

Interview mit Johannes Lang, geschäftsführender Gesellschafter der Lang Ingenieure GmbH + Co. KG

Unsichtbare Leistung, die jedes Gebäude trägt

Wer heute baut, braucht Partner, die Komplexität beherrschen – vom ersten Entwurf bis zur letzten Bewehrungszeichnung. Die Lang Ingenieure GmbH + Co. KG aus Ebermannstadt begleitet Bauherren, Projektentwickler und Architekten…

Integrierte Gebäudetechnik als Erfolgsmodell

Interview mit Thomas Liebisch, Geschäftsführer der TL Concept GmbH

Integrierte Gebäudetechnik als Erfolgsmodell

Wenn Märkte schwanken, zeigt sich, wie tragfähig ein Geschäftsmodell wirklich ist. Die TL Concept GmbH mit Sitz in Klipphausen bei Dresden setzt im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung seit Jahren auf…

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Interview mit M.Sc. Jonas Plenge, Geschäftsführer der Plenge & Plenge GmbH & Co. KG

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Die Plenge & Plenge GmbH & Co. KG steht für innovative Industriearchitektur und integrative Planung. Das Petershagener Büro verbindet Architektur und Ingenieurleistung, setzt auf digitale Tools und realisiert nachhaltige, effiziente…

TOP