Komplexe Medizin. Klare Botschaften.
Interview mit Yvonne Preller, Geschäftsführerin der Havas Life Berlin GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Preller, Havas Life Berlin feiert 2026 10-jähriges Jubiläum. Wie hat sich die Agentur entwickelt?
Yvonne Preller: Ich bin Ende 2016 dazugekommen – damals war das Berliner Team noch sehr klein. Seitdem sind wir ‘gesund’ gewachsen, ohne große Dramen. Das klingt fast langweilig, ist aber heute ein echter Wert: Stabilität und Verlässlichkeit spüren auch die Mitarbeitenden. Inzwischen arbeiten rund 50 Menschen für uns.
Wirtschaftsforum: Was ist Ihr Kerngeschäft?
Yvonne Preller: Wir sind eine 100% Healthcare-Agentur und machen Marketing für die Pharmaindustrie – häufig im RX-Bereich, also für verschreibungspflichtige Medikamente. Organisiert sind wir in drei Kernbereiche: Account Management, Kreation und als Herzstück die Medical-Abteilung. Dort arbeiten inzwischen mehrere Medical Manager; die Kombination aus Beratung, Kreativität und medizinischem Know-how ist entscheidend.
Wirtschaftsforum: Sie betonen den naturwissenschaftlichen Hintergrund im Team. Warum ist das so wichtig?
Yvonne Preller: Weil wir über Wirkmechanismen, Indikationen und komplexe Erkrankungen sprechen – und das oft für Fachärzte. Bei uns haben auch rund 70% der Mitarbeitenden im Account einen naturwissenschaftlichen Background. Dadurch können wir mit Kundenteams auf Augenhöhe arbeiten und Inhalte tiefer verstehen.
Wirtschaftsforum: Welche Kanäle und Formate gewinnen an Bedeutung?
Yvonne Preller: Die Außendienstkommunikation bleibt wichtig, aber digitale Kanäle sind stark gewachsen: Newsletter, digitale Hubs für Ärzte, digitale Kongresse oder auch Social Media Touchpoints. Unser Anspruch ist intelligenter, spannender Content – fachlich korrekt und gleichzeitig merkfähig.
Wirtschaftsforum: Können Sie Beispiele nennen, die diese Bandbreite greifbar machen?
Yvonne Preller: Mit einer prämierten Kampagne zur Dengue-Impfprävention machte Havas Life Berlin im Auftrag von Takeda das Thema Dengue-Fieber sichtbar, denn Dengue wird oft unterschätzt. Besonders im Fokus stand die Zielgruppe der Reisenden, die mit einer nahbaren und emotionalen Kampagne an verschiedenen Touchpoints, wie zum Beispiel am Flughafen in München, erreicht werden konnte. Dafür haben wir 2024 einen Gold Award erhalten. Und ganz aktuell: Wir durften in diesem Jahr den Launch einer digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) begleiten – also einer ‘App auf Rezept’ – zum Thema ADHS. Solche Anwendungen können eine Versorgungslücke schließen, etwa zwischen Diagnose und Therapiebeginn, und in dieser Zeit bereits unterstützen. Dieser Auftrag passt sehr gut, weil Digitalisierung für uns ohnehin ein wichtiges Thema ist.
Wirtschaftsforum: 2024 gab es einen Rebrand – von Health4Brands zu Havas Life. Wie lief das?
Yvonne Preller: Das war zunächst eine Herausforderung, weil Kunden uns über Jahre unter dem alten Namen kannten. Am Ende hat es sehr gut funktioniert – „New Name, Same Game“ war unsere Leitidee. Inhaltlich hat sich ja nichts verändert: Wir stehen weiterhin für starke Pharmakommunikation.
Wirtschaftsforum: Wie verändert KI Ihre Arbeit?
Yvonne Preller: KI kann Prozesse beschleunigen – etwa bei Varianten, Visuals oder ersten Textentwürfen. Aber echte Kreation speist sich aus Intuition, Empathie und Erfahrung. Und gerade in der Wissenschaftskommunikation gilt: Wir müssen extrem sauber arbeiten; man kann sich nicht blind auf Tools verlassen.
Wirtschaftsforum: Was sind Ihre nächsten strategischen Schritte?
Yvonne Preller: Wir bauen strategische Beratung weiter aus. Wenn Umsetzungen effizienter werden, gewinnt die Frage an Gewicht, wie Botschaften klug geführt werden: über welche Kanäle, mit welcher Story, in welcher Taktung. Außerdem haben wir in den letzten anderthalb Jahren das Thema PR in Berlin stärker integriert und erweitern das fortlaufend.










