Wie Agenturstrukturen Leistungsfähigkeit sichern
Interview mit Philipp Hannemann, Geschäftsführer der MAI Marketing Automation Intelligence GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hannemann, wie ist Ihr Unternehmen entstanden und welche Entwicklungsschritte waren besonders prägend?
Philipp Hannemann: Die MAI Marketing Automation Intelligence GmbH ist 2022 als Private Equity-finanzierte Gruppenstruktur entstanden, unter deren Dach spezialisierte Digitalagenturen zusammengeführt wurden. Gestartet sind wir mit sieben Agenturen, ergänzt um zwei Zukäufe in den Jahren 2023 und 2024, sodass heute neun Agenturen Teil dieser Struktur sind.
Wirtschaftsforum: Treten die Agenturen unter einer gemeinsamen Marke auf?
Philipp Hannemann: Wir haben die Positionierung und Markenwelt bewusst neu geschärft. MAI steht für Marketing Automation Intelligence und bildet die verbindende Dachmarke. Gleichzeitig behalten spezialisierte Agenturmarken ihre Sichtbarkeit, wenn es inhaltlich sinnvoll ist. So kombinieren wir klare Markenführung mit fachlicher Tiefe.
Wirtschaftsforum: Wie ist die Organisation innerhalb der Gruppe aufgebaut und wie lässt sich das Unternehmen in Zahlen beschreiben?
Philipp Hannemann: Zentrale Funktionen wie HR, Finance, IT, Governance, Zielsysteme und Incentivierung sind in der Gruppe gebündelt. Ich bin dabei hands-on eingebunden – von operativen Themen über Pricing bis hin zu KPIs, Tools und Incentives. Nach zehn Jahren im Banking bin ich 2018 in die Agenturbranche gewechselt, unter anderem zu Dentsu, was meinen zahlen- und performanceorientierten Führungsansatz prägt. Insgesamt beschäftigen wir – abhängig von Auftragslage und Konjunktur – zwischen 350 und 400 Mitarbeitende.
Wirtschaftsforum: Welche Zielkunden, Branchen und Leistungen stehen im Fokus?
Philipp Hannemann: Wir arbeiten vor allem für Mid-to-Large-Cap-Unternehmen. Branchenmäßig sind wir stark im Handel, bei digitalen Geschäftsmodellen, im öffentlichen Sektor sowie bei Banken, Versicherungen und in der Energiewirtschaft. Inhaltlich gliedert sich unser Leistungsspektrum in drei Bereiche: Strategy & Experience mit Research, Strategie und Experience Design, Technology & Data mit CRM-, CMS- und Plattformlösungen inklusive KI sowie Growth & Activation mit Fokus auf Neukunden- und Bestandskundenaktivierung.
Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie die aktuelle Marktsituation, und was macht Ihr Unternehmen in diesem Umfeld besonders leistungsfähig?
Philipp Hannemann: Die Konjunkturflaute der vergangenen Jahre hat das Agenturgeschäft spürbar belastet, gleichzeitig beobachten wir ein deutliches Agentursterben. In diesem Umfeld haben wir uns gut behauptet – auch dank hoher operativer Intensität. Entscheidend ist unsere Geschwindigkeit: Entscheidungen werden häufig in wenigen Stunden getroffen und umgesetzt. Grundlage dafür ist ein konsequenter People-Business-Ansatz.
Alle Agenturen wurden von Unternehmern gegründet, die heute Teil der Gruppe sind, und sämtliche Geschäftsführer konnten langfristig gebunden werden. Dieses Ownership steht für unternehmerisches Denken und hohe Leistungsfähigkeit.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Produktisierung, KI und Marketing?
Philipp Hannemann: Kunden erwarten heute klaren Return on Investment. Wir setzen dafür zunehmend auf Produktisierung und ergebnisabhängige Abrechnung unserer Leistungen. Wir helfen unseren Kunden beispielsweise, ihre Marketingausgaben durch unsere Expertise im Bereich Loyalty und Hyperpersonalisierung noch effizienter einzusetzen und verringern Kosten für Inhalte durch unsere KI Content Factory deutlich. Neue KI-Ansätze testen wir bewusst pilotartig gemeinsam mit unseren Kunden. In der Kommunikation nutzen wir eigene Events, Webinare, Whitepaper und E-Mail-Marketing. LinkedIn und Instagram sind ebenfalls zentrale Kanäle für uns. Insgesamt sind wir an sieben Standorten vertreten.
Wirtschaftsforum: Wie führen Sie unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammen?
Philipp Hannemann: Jede Agentur behält ihre eigene Kultur. Natürlich bringt die Gruppe mehr Regeln mit sich, etwa bei Prozessen oder Urlaubsmodellen. Entscheidend ist, dass dem neue Möglichkeiten gegenüberstehen – mehr Mobilität, größere Projekte und breitere Perspektiven. Es geht um ein verbindendes Element, nicht um Vereinheitlichung.
Wirtschaftsforum: Welche Vision verfolgen Sie – und was treibt Sie persönlich an?
Philipp Hannemann: Wir wollen die Bekanntheit der MAI Gruppe im deutschsprachigen Raum weiter steigern und gezielt wachsen, auch über größere Zukäufe, etwa zur Erweiterung unseres Technologieportfolios im Umfeld von Plattformen wie Braze. Persönlich treibt mich an, positiv auf Menschen zu wirken. Intellektuell war ich in meiner Laufbahn noch nie so gefordert wie im Agenturgeschäft – genau das macht diese Aufgabe für mich besonders reizvoll.









