Industriepark mit Perspektive

Interview mit Peter Bartholomäus, Vorsitzender der Geschäftsführung der InfraServ GmbH & Co. Wiesbaden KG

Schon seit 1858 ist das am Rande der hessischen Landeshauptstadt gelegene Areal Standort für Industrieunternehmen. Damals siedelten sich mit Albert und Kalle zwei unabhängige Firmen für Düngemittel und Farben an.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie dann nach und nach von der Höchst AG aufgekauft und in den Konzern integriert“, erzählt Peter Bartholomäus. „Ende der 1990er-Jahre wurde Höchst dann aufgelöst und sämtliche Standorte in eigene, ständige Industrieparks umgewandelt. 1997 wurden wir so schließlich in die Unabhängigkeit entlassen.“

Seitdem hat sich in dem Industriepark, der 5.600 Arbeitsplätze und damit fast 5% aller Stellen in ganz Wiesbaden generiert, viel getan. Der Energieverbrauch entspricht dem einer Großstadt mit 300.000 Einwohnern.

Neben den Firmen ISW Technik und GES Systemhaus gehört die InfraServ GmbH & Co. Wiesbaden KG zur Muttergesellschaft InfraServ Wiesbaden Gruppe.

Hausmeister des Parks

„ISW Technik bietet seinen Kunden eine ganze Reihe industrieller Engineering- und Serviceleistungen in den Bereichen Hoch- und Tiefbau. Außerdem werden dort Produktionshallen gebaut, und auch Prüf-, Industrie-, Gebäude- und Fahrzeugtechnik gehören zum Portfolio. GES Systemhaus betreibt hier am Standort ein Rechenzentrum und stellt damit die IT-Infrastruktur für den Industriepark“, so der Geschäftsführer. „Wir bei Infraserv sind schließlich sozusagen der ‘Hausmeister des Industrieparks’. Als solcher sind wir für die gesamte Infrastruktur, das Abwasser, Sicherheitsdienstleistungen und die meisten Gebäude verantwortlich.“

Peter Bartholomäus selbst kam im Oktober 2012 zu InfraServ. „Vorher habe ich 24 Jahre bei BASF gearbeitet und davon viele Jahre im Ausland verbracht. Reisen, etwa nach Hongkong oder Shanghai, gehörten zum Tagesgeschäft“, erinnert er sich. „Dann hat mich ein Headhunter abgeworben, um den Industriepark in Wiesbaden aufzubauen. Hier bin ich nun praktisch der erste Hausmeister. Als solche sichern wir die Prozesse der Kunden und sorgen dafür, dass diese ihre Produkte jederzeit sicher herstellen können. Die meisten Unternehmen im Industriepark sind Chemiebetriebe. Für diese ist es unerlässlich, unter allen Umständen kontinuierlich mit Energie versorgt zu werden.“

Peter Bartholomäus, Vorsitzender der Geschäftsführung der InfraServ GmbH & Co. Wiesbaden KG
Wir sind für die gesamte Infrastruktur, das Abwasser, Sicherheitsdienstleistungen und die meisten Gebäude verantwortlich. Peter BartholomäusVorsitzender der Geschäftsführung

Eine wichtige Aufgabe sieht Peter Bartholomäus darin, den Industriepark auch für die Zukunft auf sichere Beine zu stellen. „Ich versuche, die Entwicklungen in der Industrie vorauszuahnen. Wir müssen langfristig gut aufgestellt sein, damit unsere Unternehmen auch noch in 20 Jahren wettbewerbsfähig sind. So haben wir beispielsweise ein Innovationslabor eingerichtet, in dem sich vier junge Leute um die Themenfelder IT und Technik kümmern.“

Ebenfalls zur Zukunftsgestaltung gehört für den Geschäftsführer die Ausbildung neuer Fachkräfte, die für ihn, wie er selbst sagt, eine Herzensangelegenheit ist. „Der Fachkräftemangel ist heute ein riesiges Problem. Wir haben hier ein großes Aus- und Weiterbildungszentrum für alle Unternehmen hier im Park sowie für die Nachbarunternehmen. Dort bilden wir aktuell fast 300 angehende Fachkräfte in 20 Berufen aus. Durch die Digitalisierung ist heute alles miteinander vernetzt. Das müssen wir auch entsprechend in die Ausbildung einbringen. Wir wollen eine hochqualitative Ausbildung nach dem aktuellsten Stand der Technik bieten.“

Auch die Unternehmenskultur ist für Peter Bartholomäus ein wichtiges Anliegen. „2014 haben wir sehr viel Arbeit in diesen Bereich gesteckt. Wir haben einen Trainer engagiert, der die Mitarbeiter und Führungskräfte zusammenführt. Gemeinsam haben wir Visionen, Leitlinien, Werte und unsere Strategie 2025 entwickelt.“

Um im Wettbewerb bestehen zu können, möchte der Geschäftsführer außerdem den Servicegedanken noch weiter stärken. „Unsere Besonderheit ist unser ‘Industrie-Service-Gedanke’. Wir betreiben einen Chemiepark und sind technischer Dienstleister. Das ist eine riesige Herausforderung, zumal natürlich auch wir im Wettbewerb stehen. Auch in unserem Bereich gibt es viele Dumping-Anbieter. Wir aber liefern Topqualität und wollen weg von der reinen Grundversorgung hin zu höherwertigen technischen Dienstleistungen. Unser Konzept ist es, für jedes Problem eine Lösung zu finden.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Interview mit Richard Steinbrecht, Geschäftsführer der iQLASE GmbH

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Aus Lessmüller und Blackbird, zwei etablierten Laserschweißunternehmen, wurde kürzlich iQLASE: eine Fusion, von der sich Geschäftsführer Richard Steinbrecht nicht nur eine stärkere Marktposition durch klare Synergieeffekte, sondern auch zusätzliche Innovationskraft…

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Interview mit Dr. Joern Woll, Geschäftsführer der Mundipharma GmbH

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Die Pharmaindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus medizinischem Fortschritt, regulatorischem Druck und steigenden Anforderungen an den Patientenzugang. Die Mundipharma GmbH hat darauf mit einer klaren Fokussierung ihres Portfolios reagiert:…

Textile Verlässlichkeit, die ­Generationen verbindet

Interview mit Jochen Geiger, Geschäftsführer der Geiger Textil GmbH

Textile Verlässlichkeit, die ­Generationen verbindet

Steigende Qualitätsanforderungen, Fachkräftemangel und der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit verändern die textile Dienstleistungsbranche. Gerade Unternehmen aus Industrie und Gesundheitswesen benötigen Partner, auf die sie sich jederzeit verlassen können. Die Geiger…

Spannendes aus der Region Wiesbaden

Wenn Sicherheit im Detail steckt

Interview mit Clas Schmitz, Geschäftsführer der Pfaudler interseal GmbH

Wenn Sicherheit im Detail steckt

Wo in der Industrie hochsensible Prozesse ablaufen, entscheidet oft ein unscheinbares Bauteil über Qualität, Sicherheit und Effizienz: die Dichtung. Die Pfaudler interseal GmbH mit Sitz in Hofheim-Wallau zählt hier zu…

Fertigung wieder regional gedacht

Interview mit Frank Caser, Geschäftsführer der C.F.K. CNC- Fertigungstechnik Kriftel GmbH

Fertigung wieder regional gedacht

Als viele Industrieunternehmen ihre Fertigung in den vergangenen Jahren international verzweigten, blieb die C.F.K. CNC-Fertigungstechnik Kriftel GmbH dem Standort Deutschland treu – und baute zugleich Kompetenzen aus, die heute wieder…

Führungslücke im Mittelstand: Was jetzt zählt

Interview mit Sebastian Reckers, Geschäftsführer der Reckers & Griesbach GmbH

Führungslücke im Mittelstand: Was jetzt zählt

Nachfolgeprozesse sind selten rein organisatorische Routinen. Sie berühren Identität, Kontrolle und die Zukunft eines Unternehmens. Für Sebastian Reckers, Geschäftsführer der Reckers & Griesbach GmbH aus Eschborn, steht fest: „Eine Nachfolge…

Das könnte Sie auch interessieren

Saubere Lösungen für komplexe Anforderungen

Interview mit Samuel Simon, Geschäftsführer der Schwarzwälder Service GmbH & Co. KG

Saubere Lösungen für komplexe Anforderungen

Die Gebäudereinigungsbranche befindet sich im Wandel. Digitalisierung, Automatisierung und steigende Qualitätsansprüche verändern das Geschäft ebenso wie der zunehmende Fachkräftemangel. Die Schwarzwälder Service GmbH & Co. KG begegnet diesen Herausforderungen mit…

Architektur zwischen Madrid und ­Berlin

Interview mit Anja Lunge, Architektin und Nanna Wülfing, Architektin bei Nieto Sobejano Arquitectos

Architektur zwischen Madrid und ­Berlin

Ursprünglich kamen die spanischen Architekten Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto für ein Projekt in Halle (Saale) nach Deutschland: Heute ist ihre Berliner Niederlassung größer als ihr ursprüngliches Madrider Büro. Warum…

Smart verkaufen im internationalen Onlinehandel

Interview mit Anton Hermann, CMO & Gründer der SPACEGOATS GmbH

Smart verkaufen im internationalen Onlinehandel

Mit Bambuszahnbürsten begann für Anton Hermann eine unternehmerische Reise, die zur Gründung der SPACEGOATS GmbH in Filderstadt führte. Was als Produkttest auf Amazon begann, entwickelte sich schnell zu der Erkenntnis:…

TOP