„Mich reizt die Kombination aus Tradition und Zukunft!“
Interview mit Uwe Wiest, Geschäftsführer der IDENTA Ausweissysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wiest, Sie sind seit dem 1. März 2026 Geschäftsführer von Identa. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?
Uwe Wiest: Mich reizt die Kombination aus Tradition und Zukunft. Identa gibt es seit 1967, wir stehen also kurz vor dem 60-jährigen Jubiläum. Heute verbinden wir gewachsene Substanz mit dem klaren Ziel, physische Sicherheit und digitale Identitäten zusammenzudenken. Ich bin für diese Aufgabe geholt worden, um das Unternehmen in die nächste Entwicklungsphase zu führen – mit Respekt vor der Geschichte und dem Anspruch, neue Märkte und neue Technologien anzugehen.
Wirtschaftsforum: Was für ein Unternehmen haben Sie genau übernommen?
Uwe Wiest: Identa kommt aus einer langen Tradition rund um sichere Ausweise, Karten und Zutrittsmedien. Die Wurzeln reichen in die Welt der Zeiterfassung und Sicherheitstechnik zurück. Heute stehen wir für sichere Identitäts- und Zutrittslösungen aus einer Hand. Wir kommen klassisch aus dem Bereich RFID-, NFC- und Chipkarten, sind aber längst viel mehr als ein Kartenhersteller. Wir entwickeln Lösungen von Ausweisen und Zutrittsmedien über Kreditkarten bis zu Software, Self-Service-Kiosken und biometrischen Verfahren.
Wirtschaftsforum: Was heißt das konkret für Ihre Kunden?
Uwe Wiest: Vor allem weniger Schnittstellen und mehr Verantwortung bei einem Partner. Unternehmen wollen keine Insellösungen mehr, sondern Systeme, die zuverlässig ineinandergreifen. Wir produzieren Karten, integrieren mobile Anwendungen, bilden Zwei-Faktor-Authentifizierung ab und können biometrische Komponenten wie Handvenen- oder Fingerabdrucksysteme einbinden. Genau diese Verbindung aus physischer und digitaler Sicherheit wird immer stärker nachgefragt. Der Markt will nicht mehr nur einzelne Produkte, sondern funktionierende Ökosysteme.
Wirtschaftsforum: Wie verändert die Digitalisierung Ihr Geschäft?
Uwe Wiest: Massiv. Früher war eine Karte ein Datenträger mit einigen hinterlegten Schlüsseln. Heute laufen darauf komplexe Software-Applets, die nicht nur funktional, sondern auch fälschungs- und angriffssicher sein müssen. Gleichzeitig wird Identität mobiler gedacht. Das Smartphone gewinnt an Bedeutung, aber ohne physisches Medium geht es in vielen sicherheitskritischen Bereichen noch nicht. Die Zukunft liegt deshalb nicht im Entweder-Oder, sondern in der intelligenten Verbindung beider Welten. Genau dort entsteht aus meiner Sicht ein großer Mehrwert für unsere Kunden.
Wirtschaftsforum: Welche Branchen und Anwendungen stehen dabei besonders im Fokus?
Uwe Wiest: Im Grunde fast alle. Unsere Lösungen finden sich in der Automobilindustrie, im Gesundheitswesen, in öffentlichen Einrichtungen, bei Polizei, Feuerwehr und Militär, in Rechenzentren, an Flughäfen und in der Industrie. Dazu kommen Anwendungen im Zahlungsverkehr und in der modernen Authentifizierung. Viele Menschen nutzen unsere Produkte täglich, ohne unseren Namen zu kennen, weil wir oft als Partner im Hintergrund agieren. Das zeigt, wie tief sichere Identitäten in Geschäftsprozesse eingebettet sind.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen von einem One-Stop-Shop. Ist das auch eine strategische Antwort auf veränderte Kundenerwartungen?
Uwe Wiest: Ganz klar. Die Kunden wollen heute keine einzelnen Ansprechpartner mehr für Hardware, Software, Personalisierung und Integration. Sie brauchen einen Partner, der Verantwortung übernimmt und das Gesamtsystem versteht. Genau deshalb bauen wir unsere Kompetenzen aus. Mit neuen Softwarebausteinen und Self-Service-Kiosken schaffen wir zusätzliche Möglichkeiten, Mitarbeiter, Besucher oder Nutzer sicher zu identifizieren, zu verwalten und vor Ort mit den passenden Ausweisen oder Berechtigungen zu versorgen.
Wirtschaftsforum: Was macht Identa in diesem Markt besonders glaubwürdig?
Uwe Wiest: Zum einen unsere Erfahrung, zum anderen unsere Konsequenz. Wir erfüllen die relevanten Zertifizierungen, erneuern diese regelmäßig und trennen Kundendaten strikt. Gerade im Sicherheitsbereich ist Vertrauen die eigentliche Währung. Viele Kunden arbeiten seit mehr als 20 Jahren mit uns zusammen. Das schafft man nur, wenn Qualität, Verlässlichkeit und Beratung stimmen und wenn man Probleme nicht schönredet, sondern löst. Hinzu kommt, dass wir für zahlreiche Kunden sensible Prozesse absichern und diese Verantwortung ernst nehmen.
Wirtschaftsforum: Warum sind Ihnen Firmenkultur und Standort so wichtig?
Uwe Wiest: Beides gehört zusammen. Wir sitzen mit rund 120 Mitarbeitenden in Villingen-Schwenningen und ich sage gern: nicht nur Made in Germany, sondern Made in Black Forest. Dieser Ursprung steht für Verlässlichkeit. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Stimmung im Unternehmen zu verbessern. Mir ist wichtig, dass wir fair und respektvoll zusammenarbeiten. Leistung entsteht nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen. Wenn Mitarbeiter gern zur Arbeit kommen, spüren das auch die Kunden.
Wirtschaftsforum: Wohin wollen Sie Identa in den kommenden Jahren führen?
Uwe Wiest: Wir wollen unser Profil als One-Stop-Shop für sichere Identitäten weiter schärfen. Dazu gehört, unsere Softwarekompetenz auszubauen, Self-Service-Kioske stärker in den Markt zu bringen und digitale wie physische Sicherheit noch enger zusammenzuführen. Gleichzeitig investieren wir in Nachhaltigkeit, etwa bei Verpackungen oder am Standort. Mein Ziel: Identa soll auch im nächsten Kapitel seiner Geschichte als verlässlicher Partner wahrgenommen werden: modern, sicher und bodenständig. Und wir wollen zeigen, dass ein traditionsreicher Mittelständler aus dem Schwarzwald vorn mitspielen kann.












