Frank Thelen: Interview im Wirtschaftsforum
Interview mit Frank Thelen, Unternehmer, Gründer und Skateboarder

Ideen brauchen echte Gründer und keine Erfinder

Er kennt die Höhen und Tiefen in der Laufbahn eines Unternehmers aus eigener Erfahrung und scheut sich nicht, seine Erkenntnisse daraus mit anderen zu teilen – Frank Thelen. Der 41-Jährige ist Unternehmer mit Profil und wird für seine Expertise verpackt in klaren Aussagen geschätzt. Letztere gibt es auch im Interview mit Wirtschaftsforum. Frank Thelen spricht dabei über die Zukunft von Industrie und Wirtschaft, was eine richtig gute Idee ausmacht und wann er sich selbst auf einem Hoverboard abheben sieht.

Wirtschaftsforum: Herr Thelen, in einem Ihrer jüngsten Interviews behaupten Sie, dass der Krieg in jeder Industrie kommt. Was genau meinen Sie damit?

Frank Thelen: Die revolutionären Basis-Technologien wie Cloud-Computing, 3D-Druck, Künstliche-Intelligenz, 5G und viele weitere erlauben es, Produkte zehnmal so schnell, effizient, effektiv oder auch günstiger zu gestalten. Auf der einen Seite ist das eine wunderbare Nachricht für Konsumenten oder Firmen, die diese Produkte einsetzen. Auf der anderen Seite wird es jedoch die jeweiligen Hersteller vor große Herausforderungen stellen. Nehmen wir mal als Beispiel die Automobilindustrie: Auf einmal ist nach dem neuen Porsche 911er Turbo keine allzu große Nachfrage mehr, weil der Tesla Family-Van ihn an der Ampel stehen lässt. Und dieser Effekt, das 10x-Phänomen, wird in den nächsten 10 Jahren alle Industrien radikal verändern.

Wirtschaftsforum: Sie hatten in Ihrer Laufbahn als Unternehmer Erfolge und Misserfolge. Wie haben letztere Sie geprägt und was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?

„Ich bin jedes Mal wieder aufgestanden und trotzdem ein positiver und vor allem neugieriger Mensch geblieben“

Frank Thelen

Frank Thelen: Ich habe in der Vergangenheit viele harte Niederlagen verarbeiten müssen. Doch durch diese Rückschläge habe ich für mich das Wichtigste gelernt. Ich bin jedes Mal wieder aufgestanden und trotzdem ein positiver und vor allem neugieriger Mensch geblieben. Hinzu kommt noch, dass ich heutzutage mehr Erfahrung und Respekt vor neuen Herausforderungen habe. Auf mein gutes Gespür für Dinge, die bald sehr böse wehtun könnten, kann ich mich heute verlassen.

Wirtschaftsforum: Experten sehen Defizite in der deutschen Wirtschaft insbesondere beim Thema E-Mobilität und Digitalisierung. Was muss Ihrer Meinung getan werden, damit der Standort Deutschland in der Zukunft wettbewerbsfähig bleiben kann?

Frank Thelen: Das hängt von einigen Faktoren ab, die enormes Optimierungspotenzial bergen. Es fängt bei unserer Bildung an. Frontalunterricht oder auch Fächer wie Latein bringen sicher keine kreativen Software-Genies hervor. Wir benötigen mehr Universitäten wie beispielsweise die Code University oder ein deutsches MIT. Des Weiteren scheitern auch viele Unternehmensgründungen an unserer Bürokratie. Deshalb wäre ein Abbau der Bürokratie mehr als empfehlenswert, damit man schnell gründen kann und effizient wachsen kann. Ein weiterer Faktor ist das Kapital – wir benötigen mehr Venture-Capital. In den USA ist das Volumen in etwa einhundert Mal größer. Und auch in unseren Konzernen muss ein Wandel vollzogen werden. Wir brauchen mehr junge Vorstände die ähnlich ticken wie ein Elon Musk oder Jeff Bezos.

„Wir brauchen mehr junge Vorstände die ähnlich ticken wie ein Elon Musk oder Jeff Bezos.“

Frank Thelen

Wirtschaftsforum: Was braucht eine Idee, um damit ein Unternehmen gründen zu können?

Frank Thelen: Man braucht einen echten Gründer und keinen Erfinder. Das macht den großen und wichtigen Unterschied aus. Ein Gründer setzt seine Idee um, baut ein Team auf und begeistert auch andere für die Idee. Ein Erfinder hingegen kann oftmals nicht diese Passion vermitteln. Er hat eine gute Idee, aber dabei bleibt es dann meistens.

Wirtschaftsforum: Abschließend eine persönliche Frage: Sie sind passionierter Skateboarder. Ab wann glauben Sie auf dem fliegenden Hoverboard abheben zu können?

Frank Thelen: Im Grunde genommen gibt das bereits: Es ist nur sehr aufwendig und viel zu teuer. Man benötigt einen starken und neuen Jet-Ski und das Hoverboard. Das Board ist mit einem Schlauch mit dem Jetski verbunden und kann damit wirklich fliegen. Es ist halt nur viel zu teuer und umständlich. Aus den USA kommt unter anderem das Onewheel, das um die 1.000 EUR kostet und jeder alleine fahren kann. Aber es fliegt noch nicht, sondern gleitet elegant mit Gewichtsverlagerung. In den nächsten 4 bis 6 Jahren wird es ein Hoverboard geben, das wahrscheinlich “nur” 5.000 EUR kosten und ohne Begleitung fliegen wird.

Quelle Fotos: www.frank.io

Frank Thelen Portraitfoto

Unternehmer im Fokus

Frank Thelen

CV in Zahlen

Geboren: 1975, Bonn

Unternehmer: Schon mit 18 Jahren gründete Frank Thelen mit der Softer Solutions GmbH sein erstes Unternehmen. Seit 2009 ist er Geschäftsführer der von ihm gegründeten e42 GmbH, die 2017 in Freigeist Capital umbenannt wurde. Managementdenker Hermann Simon zählte ihn 2011 zu den Hidden Champions. 2012 erhielt Frank Thelen den „Innovate 4 Society Award“.

Löwe: Frank Thelen gehört seit 2014 zu der Jury der VOX-TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Er ist aktuell auch in der 4. Staffel zu sehen.

Skateboarder: Frank Thelen ist leidenschaftlicher Skateboarder. In seiner Jugend war er unter anderem in den Bau der größten Halfpipe Europas in Bonn involviert.

Link: www.frank.io, www.freigeist.com

Wie hat Ihnen dieses Interview gefallen?
Bitte bewerten Sie!

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
41 Bewertungen
61 %
1
5
3.05
 

Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Empfehlen Sie eine Firma

Um sofort informiert zu werden wenn wir das empfohlene Unternehmen online stellen, abonnieren Sie auf der nächsten Seite unseren Newsletter.


Wirtschaftsforum
Q3/2017

Unter anderem in dieser Ausgabe: NH Hotel Group - Essen oder gegessen werden / Heilbad Krumbad GmbH - Sagenhaftes Heilbad / Ed. Wüsthof Dreizackwerk - Die Marke für Messer / SIGMA - Das Auge des Künstlers

Als PDF herunterladen


Wirtschaftsforum ePaper Q1/2017
Wirtschaftsforum ePaper Q4/2016
Wirtschaftsforum ePaper Schweiz 2016

Webcode

Webcode

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.

- X