Zellen verstehen, Leben verbessern
Interview mit Dr. Roman Zantl, Geschäftsführer und Dr. Valentin Kahl, Geschäftsführer der ibidi GmbH

Die ibidi GmbH entstand vor rund 25 Jahren aus der Technischen Universität München und der LMU München. Die Gründer arbeiteten damals selbst mit hochauflösender Mikroskopie und suchten nach besseren Lösungen für die Zellbeobachtung. „Wir sind eigentlich eine Ausgründung aus der TU München und der LMU München und haben die Idee im Rahmen unserer Doktorarbeiten entwickelt. Unser Ziel war es von Anfang an, bessere Trägersysteme für die hochauflösende Mikroskopie zu schaffen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Valentin Kahl. Aus einer ersten Idee zur DNA-Analyse entwickelte sich rasch ein klarer Fokus: innovative Träger für die Lebendzellmikroskopie. Statt klassischer Glaslösungen setzte ibidi früh auf spezielle Kunststoffe mit vergleichbarer optischer Qualität, die sich flexibler verarbeiten lassen. „Wir haben Kunststoffe identifiziert, die genauso dünn und optisch hochwertig sind wie Glas, aber wesentlich einfacher zu verarbeiten. So konnten wir aus der klassischen Petrischale einen Zell-Biochip entwickeln“, so Dr. Valentin Kahl. Dieser Schritt legte den Grundstein für das heutige Kerngeschäft.
Werkzeuge für die Forschung von morgen
Im Mittelpunkt stehen sogenannte Zell-Biochips sowie passende Peripheriegeräte. Sie ermöglichen es, lebende Zellen unter Bedingungen zu untersuchen, die dem menschlichen Körper möglichst nahekommen. Temperatur, CO2-Gehalt und Sauerstoffkonzentration werden präzise reguliert. Geschäftsführer Dr. Roman Zantl beschreibt den Ansatz so: „Wir haben sehr früh begonnen, Zellen nicht nur zweidimensional zu kultivieren, sondern in eine körperähnliche, physiologische Umgebung zu bringen. Wenn man Zellen in Kanäle setzt und Fluss anlegt, verhalten sie sich völlig anders als auf einer statischen Oberfläche.“ Damit war ibidi ein Vorreiter dessen, was heute unter 3D-Zellkultur und Organmodellen bekannt ist. Das Unternehmen versteht sich dabei als Technologiepartner der Forschung. „Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass man für einen komplexen Mikroskopie-Assay bei ibidi eine Lösung findet. Wir arbeiten selbst im Labor und entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden neue Anwendungen“, betont Dr. Roman Zantl. Rund drei Viertel des Umsatzes entfallen auf Verbrauchsprodukte, ein weiteres Viertel auf Geräte.
Die Forschung als Hauptkunde
Etwa 80% der Kunden stammen aus Universitäten, Forschungsinstituten und öffentlichen Einrichtungen, weitere 20% aus der Pharmaindustrie. „Unsere Produkte werden vor allem in der Grundlagenforschung eingesetzt, aber auch in hoch spezialisierten Assays der Pharmaindustrie. Es sind High-End-Anwendungen, die von qualifizierten Experten durchgeführt werden“, erläutert Dr. Valentin Kahl. ibidi ist international aufgestellt. Rund 30% des Umsatzes werden in Deutschland erzielt, 70% weltweit. Die USA spielen eine wichtige Rolle. „Wir sind noch in einer klaren Wachstumsphase. Gerade in den USA sehen wir großes Potenzial, weil dort noch viel Territorium nicht vollständig erschlossen ist“, sagt Dr. Roman Zantl. Insgesamt erwirtschaftet das Unternehmen im Endkundenbereich einen Umsatz von rund 20 bis 25 Millionen EUR.
Ersatz von Tierversuchen
Ein zentrales Zukunftsthema ist der Ersatz von Tierversuchen. „Tierversuche sind nicht immer gut geeignet, um menschliche Erkrankungen realitätsnah abzubilden. Deshalb entwickeln wir Systeme, mit denen man Organoide und Sphäroide stabil kultivieren und analysieren kann“, erklärt Dr. Roman Zantl. Dazu gehören Perfusionssysteme, spezielle Kammern und neue Materialien, die eine bessere Versorgung der Zellmodelle ermöglichen. Auch die Immunonkologie steht im Fokus. „Bei Krebserkrankungen geht es nicht nur darum, dass Zellen unkontrolliert wachsen, sondern auch darum, dass das Immunsystem sie nicht erkennt. Wir entwickeln Werkzeuge, mit denen sich die Wechselwirkung zwischen Immunzellen und Krebszellen gezielt untersuchen lässt“, beschreibt Dr. Valentin Kahl. Ziel sei es, Therapien präziser und schonender zu machen. Langfristig verfolgt ibidi ein klares Ziel. „Wir wollen Weltmarktführer für Systeme zur Analytik lebender Zellen außerhalb des Körpers werden. Immer wenn Zellen über längere Zeit kultiviert und mikroskopisch untersucht werden, sollen unsere Produkte im Spiel sein“, formuliert Valentin Kahl den Anspruch. Für Roman Zantl liegt der Antrieb auch in der Nähe zur Wissenschaft: „Es ist äußerst inspirirend, auf Konferenzen zu sehen, welche Fortschritte in der Krebsforschung oder Neurowissenschaft erzielt werden. Wenn wir mit unseren Technologien einen kleinen Beitrag dazu leisten können, ist das eine enorme Motivation.“













