Fest im Fundament, offen für Neues

Interview mit Kurt Mayer, Geschäftsführer der Goldbeck Rhomberg AG

Wirtschaftsforum: Herr Mayer, Goldbeck Rhomberg ist aus einer ungewöhnlichen Partnerschaft entstanden. Wie kam es zu diesem Joint Venture?

Kurt Mayer: Goldbeck wollte den österreichischen Markt erschließen und suchte nach einem geeigneten Partner. Fündig wurde man schließlich bei Rhomberg, einem Traditionsbauunternehmen aus Bregenz. Nach einem gemeinsamen Testprojekt für den Seilbahnhersteller Doppelmayr war schnell klar: Hier passt nicht nur die Arbeit zusammen, sondern auch die Haltung. Gleiche Seniorität, ein ähnlicher Generationswechsel in beiden Häusern, und vor allem dieselben Werte im Umgang mit Menschen. Das war 2001 die Grundlage für die Gründung der Goldbeck Rhomberg GmbH. Ich war der 12. Mitarbeiter; das ist jetzt mehr als 20 Jahre her. 
Wir sind das einzige echte Joint Venture in der gesamten Goldbeck-Gruppe, alle anderen Regionalgesellschaften gehören zu 100% Goldbeck. 

Wirtschaftsforum: Wo setzt Goldbeck Rhomberg für den Kunden an?

Kurt Mayer: Idealerweise von der grünen Wiese an, also mit dem, was wir Design and Build nennen. Wir begleiten den Kunden von der ersten Idee bis zur Übergabe. Das funktioniert, weil wir fast alle Fachplanungsdisziplinen im eigenen Haus haben: Architektur, Statik, Geologie, Nachhaltigkeit, Haustechnik, Elektrotechnik. Rund ein Drittel unserer Mitarbeiter sind Planer. Das ist ein echtes Differenzierungsmerkmal am Markt. Dazu kommen die Eigenleistungen aus den Goldbeck-Werken: Betonfertigteile, Stahlbau, Alubau, produziert in eigenen Werken quer durch Europa, montiert von unseren eigenen Kolonnen. Den Rest — lokale Gewerke wie Haustechnik oder Erdbau — schreiben wir aus, vergeben und steuern ins Gesamtprojekt. Wir nennen das intern manchmal ‘Lego für Große’. 

Wirtschaftsforum: Wohngebäude, Datencenter, Feuerwehrwachen: Das Portfolio wächst rasant. Woher kommt dieser Impuls?

Kurt Mayer: Meist vom Kunden selbst. Wenn uns ein Stammkunde dreimal fragt, ob wir in einer neuen Region oder mit einem neuen Gebäudetyp für ihn bauen können und wir dreimal absagen müssen, dann schmerzt das. Dann versteht man die Botschaft. Gleichzeitig profitieren wir enorm von der Innovationskraft der Goldbeck-Gruppe mit ihren rund 14.000 Mitarbeitern. Wenn dort ein System erprobt ist, passen wir es länderspezifisch an und bringen es in den Markt. Der Systemgedanke aus dem Bürobau lässt sich übertragen, wenn man weiß, wo die Unterschiede liegen. 2025 folgte der erste große Auftragseingang im Bereich Datencenter, der aktuell in der Nähe von Zürich in Umsetzung ist. Und beim Thema Feuerwehrwachen stehen wir kurz vor dem ersten Auftragseingang. Auch hier liegt die Grundstruktur nahe an dem, was wir kennen: eine Halle mit Büroeinschub. Das ist kein Zufall, sondern Methode.

Wirtschaftsforum: In der Schweiz wächst Goldbeck Rhomberg besonders stark. Wie sieht der Fahrplan aus?

Kurt Mayer: Wir entwickeln uns konsequent von Osten nach Westen. Nach St. Gallen, Schenkon bei Luzern und der gerade neu eröffneten Einheit in Zürich ist Bern der nächste Schritt, danach die Romandie und Basel. Das versuchen wir in einem Rhythmus von ein bis zwei Jahren: Eine neue Region, ein neues Produkt. Wachstum ja, aber gesundes Wachstum. Man braucht die richtigen Menschen dafür, und die wachsen nicht auf Bäumen. Wobei ich sagen muss: Gute ziehen Gute an. Wer sieht, dass ein Unternehmen wirklich Chancen bietet und nicht nur davon redet, der kommt und bleibt.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von Partnerschaft. Was meinen Sie damit konkret?

Kurt Mayer: Dieses Thema ist mir wirklich wichtig. Was ich meine, zeigt sich am besten in schwierigen Momenten. In den vergangenen Jahren hatten wir Lieferengpässe, Materialpreise, die sich innerhalb von 14 Tagen verdreifacht haben, Zollfragen in der Schweiz. In solchen Situationen kann man dem Kunden sagen: Problem, nichts geht. Oder man setzt sich hin und sagt: Ich habe Lösung A und Lösung B. Was passt für uns beide? Das ist unsere Haltung. Wir hatten Projekte, eineinhalb Jahre intensivste Zusammenarbeit, enge Terminpläne, harte Diskussionen und am Ende sagte der Kunde: Schade, dass es vorbei ist. Es gibt kein schöneres Lob auf einer Baustelle. Unser Anspruch ist: Wenn der Kunde das nächste Mal baut, soll er das mit uns wollen. 

Wirtschaftsforum: Goldbeck setzt auf Beton, während der Markt zunehmend nachhaltigeres Holz propagiert. Wie sehen Sie das?

Kurt Mayer: Da möchte ich ehrlich sein, auch wenn es unbequem klingt: Holz ist nicht automatisch nachhaltiger. Das ist leider eine zu oberflächliche Betrachtung. Stahl lässt sich zu 100% recyceln, Holz häufig nicht. Es gibt Situationen, wo Holzbau ökologisch überlegen ist, aber viele, wo das nicht so ist. Was wir brauchen, ist eine faire, nüchterne Diskussion ohne Lobbyinteressen. Wir setzen Holz ein, wo es wirklich Sinn ergibt, zum Beispiel bei Aufstockungen oder im Bregenzerwald, wo es zur Region und zur Architektur passt. Wir verschließen uns dem Thema nicht, werden Holz aber nicht nur einsetzen, weil es gerade gut verkauft wird. Was Goldbeck beim Thema Beton leistet, ist beeindruckend: Mit dem sogenannten Blue Concrete wurde der CO2-Ausstoß bereits um 35% reduziert, das Ziel ist CO2-neutraler Beton bis 2030. Und der nächste Schritt ist, CO2 aktiv im Beton zu binden. Dafür gibt es ein eigenes Labor. Das kostet heute Geld. Aber CO2 ist die Währung der Zukunft.

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