Swiss Engineering für globale Märkte

Interview mit Pascal Moritz, Geschäftsführer der Glatt Maschinen- und Apparatebau AG

Wirtschaftsforum: Herr Moritz, wie kam es zur Gründung der Schweizer Tochtergesellschaft der Glatt Gruppe?

Pascal Moritz: Die Firma Glatt wurde in den 1950er-Jahren im südbadischen Binzen gegründet. Unser Schweizer Standort existiert seit 1971. Damals starteten wir noch in Muttenz, wenige Kilometer von unserem heutigen Sitz in Pratteln entfernt. Schon früh zeichnete sich ab, dass unsere besondere Kompetenz im Bereich der Trommelcoater-Technologie liegt – eine Spezialisierung, die wir seitdem kontinuierlich ausgebaut haben.

Wirtschaftsforum: Was genau macht Ihre Technologie so besonders?

Pascal Moritz: Fast jede Tablette ist mit einem Coating versehen – sei es aus Gründen der Wirkstofffreisetzung, Haltbarkeit oder einfach zur

besseren Handhabung, für bessere Optik oder Geschmack. Unser Anspruch ist es, jede Tablette mit einer absolut gleichmäßigen Beschichtung zu versehen. Das klingt banal, ist technologisch aber herausfordernd und essenziell beim funktionalen Coating. Aus diesem Grund haben wir als weltweit erster Anbieter einen vollautomatisch lasergesteuerten Sprüharm entwickelt. Wir bieten Lösungen für Batch-Größen von 100 g bis 1,1 t. Die He­rausforderung liegt darin, bei jeder Chargengröße dieselbe Qualität zu gewährleisten – darin sind wir Marktführer. Ausserdem bieten wir Coater an, die hermetisch geschlossen sind, um das Produkt, das Bedienpersonal sowie auch die Umwelt beim Coating hochwirksamer Wirkstoffe zu schonen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es aktuell mit Ihrer Marktstellung und den Zielgruppen aus?

Pascal Moritz: Unser Hauptfokus liegt klar auf der Pharmaindustrie. Nur vereinzelt bedienen wir andere Sektoren wie Spezialchemikalien oder Lebensmittel. Aufgrund der strengen pharmazeutischen Standards und unserer Spezialisierung ist ein branchenübergreifender Einsatz wirtschaftlich kaum sinnvoll. International sind wir breit aufgestellt – mit temporären Schwerpunkten: Mal dominiert Asien, mal Südamerika, derzeit ist Europa wieder ein sehr starker Markt für uns.

Wirtschaftsforum: Gab es in jüngerer Zeit besondere Entwicklungen?

Pascal Moritz: Die Jahre während und nach der Coronapandemie waren außergewöhnlich erfolgreich. Wir hatten eine Flut an Aufträgen und mussten teilweise Projekte parallel stemmen, was uns vor enorme logistische Herausforderungen stellte – auch wegen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten. Inzwischen hat sich die Nachfrage wieder auf einem normalen, aber stabilen Niveau eingependelt.

Wirtschaftsforum: Welche technischen Neuerungen treiben Sie derzeit voran?

Pascal Moritz: Eine unserer wichtigsten Entwicklungen ist, dass unsere Coater mit einer einzigen Trommel arbeiten können – unabhängig davon, ob sie zu 5% oder zu 100% beladen sind. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, bietet größtmögliche Flexibilität und spart unseren Kunden Kosten für eine weitere Anlage für Kleinstmengen. Hinzu kommt die Integration der Laserschweißtechnologie, die wir seit über zwei Jahren erfolgreich einsetzen. Dadurch konnten wir die Qualität steigern, die Kosten senken und die Fertigungszeiten verkürzen.

Wirtschaftsforum: Wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit?

Pascal Moritz: Nachhaltigkeit ist bei uns kein Trend, sondern fest in der Entwicklung verankert. Unsere Anlagen verbrauchen durch optimierte Reinigungsprozesse deutlich weniger Wasser und Reinigungsmittel als der Wettbewerb. Dadurch ergibt sich auch weniger Abwasser. Auch die Energieeffizienz wurde durch intelligente Steuerungssysteme verbessert – unter anderem sparen unsere Anlagen heute bis zu 50% der früher benötigten Zuluft­energie. So senken wir nicht nur unsere eigenen Emissionen, sondern helfen auch unseren Kunden, ihre Umweltziele zu erreichen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt der Standort Schweiz in Ihrer Strategie?

Pascal Moritz: Die Schweiz ist ein Hochlohn- und Hochkostenland, gleichzeitig haben wir hier erstklassig ausgebildete Fachkräfte. Das zwingt uns zu ständiger Effizienzsteigerung und technischer Exzellenz. Der starke Franken stellt zwar eine Herausforderung dar, aber genau dieser Druck treibt unsere Innovationskraft. Unsere Anlagen werden komplett in der Schweiz entwickelt und gefertigt – von der Konstruktion über die Automatisierung bis hin zum Aftersales-Service.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre Vision für die kommenden Jahre?

Pascal Moritz: Unser Ziel ist es, unsere führende Stellung im Bereich der Trommelcoater-Technologie konsequent weiter auszubauen und dabei nicht nur technologische Maßstäbe zu setzen, sondern auch in puncto Service und Kundenorientierung neue Wege zu gehen. Wir investieren kontinuierlich in Forschung und Entwicklung, setzen auf eine hohe Fertigungstiefe und pflegen langfristige, partnerschaftliche Beziehungen mit unseren Kunden weltweit. Dabei verstehen wir uns nicht nur als Maschinenbauer, sondern auch auch als Systemintegrator und als Lösungsanbieter, der auf individuelle Anforderungen eingeht.

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