„Wir sorgen für Bewegung im Berliner Immobilienmarkt“
Interview mit Maik Schmidl, Vorstandsvorsitzender der FORTIS Real Estate Investment AG

Wirtschaftsforum: Herr Schmidl, mit FORTIS begleiten Sie Ihre Kunden mit Leidenschaft und Professionalität ins Wohneigentum. Wie unterstützen Sie sie dabei genau? Maik Schmidl: Im Kern sind wir Bestandshalter und Bestandsentwickler im Altbau, wobei etwas mehr als 1.000 Wohnungen in Berlin, Potsdam und in geringerem Umfang auch in Chemnitz zu unserem Portfolio gehören. Zu unseren Stakeholdern zählen dabei neben den Mietern natürlich auch die künftigen Eigentümer, die die entsprechenden Wohneinheiten zum weit überwiegenden Teil selbst nutzen wollen, oftmals nachdem sie diese ihren Bedürfnissen entsprechend umgestaltet und saniert haben. Wir bewegen uns also in einem vergleichsweise speziellen und eher kleinteiligen Geschäftsfeld, anders als im klassischen Neuwohnungs- oder Luxusimmobilienbau.
Deshalb arbeiten wir auch eng mit unseren Vertriebspartnern zusammen, die wiederum ihre Zielgruppen und das Produkt genau kennen. Denn im Gegensatz zum Neubausegment, wo ganze Häuserzeilen die gleiche Struktur aufweisen, sind unsere Objekte deutlich erklärungsbedürftiger.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf die aktuelle Marktlage?
Maik Schmidl: Seit etwa vier Jahren hat unsere gesamte Branche mit drei Flanken zu kämpfen, beginnend mit dem starken Nachfragerückgang bei unseren Kunden, der wiederum durch die Zinsanstiege der letzten Zeit sowie die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit bedingt ist, wodurch das Kaufinteresse deutlich abgenommen hat. Gleichzeitig sehen wir uns mit einem nachhaltigen Kostenanstieg konfrontiert – nicht nur bei den Zinsen, mit denen wir uns bei den Banken refinanzieren müssen, sondern auch bei den Baukosten, die sowohl bei unseren Sanierungsarbeiten als auch in unserer Neubautätigkeit durchschlagen. Hier fällt uns zudem auf, dass das Angebot an qualitätsbewussten Partnern – nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels – gerade in den Bereichen Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektroinstallationen eher rückläufig ist. Im Ergebnis kommt es häufiger zu Verzögerungen beim Baufortschritt und Mängeln bei der Ausführung. Drittens haben sich viele Banken spürbar aus dem Projektentwicklungsgeschäft zurückgezogen, was wiederum die Nachfrage drückt und unsere Finanzierungskonzepte weiterhin erschwert. Glücklicherweise können wir uns dabei auf einen eigenkapitalstarken Gesellschafter verlassen, der auch in diesem schwierigen Marktumfeld einen langen Atem beweist.
Wirtschaftsforum: Welcher Wohnraum wird in Berlin derweil am dringendsten benötigt?
Maik Schmidl: Die Anzahl der Singlehaushalte ist heute überdurchschnittlich hoch, was sich natürlich auch im Wohnungsbedarf niederschlägt. Gleichzeitig spielt die demografische Zusammensetzung des jeweiligen Stadtteils eine wichtige Rolle, weshalb es keine pauschale Antwort auf diese Frage gibt: Wo verstärkt junge Familien hinziehen, werden beispielsweise vielfach Objekte mit vier oder mehr Zimmern benötigt – auch diese Nachfrage wollen wir bei FORTIS bedienen und so weiterhin für Bewegung im Berliner Immobilienmarkt sorgen.
Wirtschaftsforum: Gerade geistern prominente Vergesellschaftungsbestrebungen durch den Wahlkampf – wie könnte die Politik Ihrer Einschätzung nach für Entspannung im heißen Mietmarkt der Hauptstadt sorgen?
Maik Schmidl: Der steigenden Nachfrage kann man aus meiner Sicht am besten begegnen, indem man das Angebot erhöht. Eine Vergesellschaftung wäre schon aus diesem Grunde kontraproduktiv, einfach weil kein Investor dann noch Immobilienwerte in Berlin erwerben würde. Das würde den Markt auf Jahre hinaus zerstören. Stattdessen könnte man privaten Investoren ein entsprechendes Engagement in der Hauptstadt attraktiver machen, denn die Wohnungsbaugesellschaften allein werden die Nachfrage kaum bedienen können. Schnellere Genehmigungsprozesse, um die sich die Bauämter bereits bemühen, oder ein Erlass der Grunderwerbsteuer für Erstimmobilienkäufer könnten hier wirksame Impulse darstellen. Gleichzeitig werden durchgreifende Sanierungsmaßnahmen im Bestand aufgrund des restriktiven Mietrechts bisweilen enorm erschwert, während die Vermieter einen großen Teil der Kosten für den CO2-Ausstoß tragen müssen – auch das dürfte vielen potenziellen Investoren wenig attraktiv erscheinen.










