„Ein gutes Gefühl“ für Kapitalanleger und Eigenheimbesitzer
Interview mit Robert Eknigk, Geschäftsführer der Strenger Hamburg GmbH und Dr. Daniel Hannemann, CEO der Strenger Gruppe

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Hannemann, Ihr Unternehmen will inspirierte Orte schaffen, an denen Menschen „einfach besser leben“ können. Wodurch zeichnen sich diese Lebenswelten genau aus?
Dr. Daniel Hannemann: Wir realisieren grundsätzlich sehr verschiedenartige Projekte, unter anderem unsere Arkadien-Quartiere, die wir seit etwa 25 Jahren konsequent weiterentwickeln. Ein Ansatz, bei dem wir uns unter anderem in den USA inspirieren ließen, wo in der Stadt attraktive Lebensräume für unterschiedlichste Zielgruppen entstehen. Mit unserem Konzept wollten wir diesen Community-Gedanken auch nach Deutschland tragen, damit sich Menschen in allen Altersstufen und mit diversen Lebenshintergründen nicht nur in ihrer eigenen Wohnung, sondern auch in ihrer örtlichen Gemeinschaft nachhaltig wohlfühlen. Das erreichen wir durch organische Begegnungsformen wie Quartiersplätze mit einer angenehmen Aufenthaltsqualität oder mit kleinen Wasserflächen und Spielplätzen.
Wirtschaftsforum: Daneben ist Strenger auch für seine Reihenhausprojekte bekannt. Worauf liegt dabei der Fokus, Herr Eknigk?
Robert Eknigk: Dort wäre ein eigener See sicherlich überdimensioniert, aber auch hier geht es neben einem gewissen Designanspruch und bezahlbaren Wohnlösungen um ein attraktives Landschaftsbild: Wo stört der Individualverkehr am wenigsten? Soll das Quartier möglichst autoarm ausgestaltet sein? Und wie lässt sich für möglichst viel Grün sorgen? Die meisten unserer Kunden sind Immobilienerstkäufer: junge Familien mit einem Kind oder vielleicht auch schon etwas mehr Nachwuchs und auf der Suche nach einem sicheren, schönen Ort für die nächsten Lebensjahrzehnte. Die Ansprüche dieser Zielgruppe haben sich dabei in der jüngeren Generation durchaus verändert: Wo der Autostellplatz für einen möglichst kurzen Weg ins Haus früher am besten direkt vor dem Küchenfenster vorgesehen war, liegt er heute
lieber etwas abseits und auch für eine möglichst geringe Flächenversiegelung, eine extensive Begrünung oder eine klimagerechte Beschattung durch Bäume sind diese Kunden inzwischen stark sensibilisiert.
Wirtschaftsforum: Vor Ihrer Tätigkeit bei Strenger Hamburg waren Sie viele Jahre als Diplom-Betriebswirt im großflächigen Einzelhandel tätig gewesen. Was hat Sie an einem Wechsel in den Wohnungsbau gereizt?
Robert Eknigk: Ich finde, es gibt fast kein schöneres Geschäftsfeld. Wir stecken viel Zeit, Energie und Kraft in die Entwicklung unserer Grundstücke. Ein paar Jahre später ziehen dort dann Menschen ihre Kinder groß und feiern an den Orten, die wir geschaffen haben, unvergessliche Lebensereignisse. Ich glaube, wer selbst Familienvater ist, weiß, wie sich das anfühlt.
Wirtschaftsforum: Herr Dr. Hannemann, Sie waren vor Ihrem Engagement bei Strenger lange Jahre als Wirtschaftsingenieur und Partner bei McKinsey tätig.
Dr. Daniel Hannemann: Wohnen ist auch für mich ein sehr emotionales Thema und zwar nicht nur, wenn die Kunden die Kataloge durchblättern und bei der Notarin den Kaufvertrag unterschreiben, sondern gerade wenn sie über Jahrzehnte in unseren Objekten wohnen. Gleichzeitig ist der Wohnungsbau ein hochkomplexes Geschäftsfeld mit sehr vielen Beteiligten. Auch wir haben uns mit den Jahrzehnten ein starkes Netzwerk mit verschiedensten Stakeholdern aufgebaut, womit für uns auch eine hohe Verantwortung einhergeht: Denn für viele ausführende Betriebe ist Strenger der größte Partner.
Wirtschaftsforum: Wie erlebt Strenger die aktuelle Baukrise?
Dr. Daniel Hannemann: Die Wohnungsnot in den Metropolregionen ist ungebrochen – das gilt mit Hamburg, Frankfurt, München, Stuttgart und Berlin für alle Städte, in denen wir aktiv sind. Gleichzeitig hat die Zinswende den Immobilienerwerb zusätzlich zu den ohnehin massiv gestiegenen Material- und Planungskosten noch einmal verteuert. Unsere Unternehmensgruppe agiert jedoch grundsätzlich mit einer sehr langfristigen Orientierung im Markt, was für uns in der Boom-Phase vor der aktuellen Krise bedeutete, bisweilen auch auf zu aggressive Wachstumschancen zu verzichten. Der eine oder andere Wettbewerber, der uns damals überboten hat, musste den Markt inzwischen verlassen – und das sagen wir in aller Demut, denn die Insolvenzwelle, von der unsere Branche derzeit erfasst wird, geht uns auch menschlich sehr nah.
Wirtschaftsforum: Wo sieht Strenger derzeit Chancen?
Robert Eknigk: Wir verfolgen gerade mehrere neue Projekte, unter anderem in Hasloh im Nordwesten von Hamburg mit exzellenter Verkehrsanbindung in die Hansestadt und einer hervorragenden Infrastruktur samt einem breiten Angebot an Schulen und Kindertagesstätten vor Ort, bei gleichzeitig gut vertretbaren Kostenstrukturen, die vielen Menschen den Schritt in das Eigenheim eröffnen können, beziehungsweise interessante Möglichkeiten für Kapitalanleger bereithalten. Diese haben sich in den letzten Jahren durch die degressive Abschreibung mit 5% p.a. sowie weitere Sonderabschreibungen ab Effizienzhausstandard 40 mit QNG-Siegel ohnehin deutlich verbessert, sodass auch für den Mietwohnungsmarkt wichtige neue Impulse verfolgt werden können.
Wirtschaftsforum: Wie wichtig bleibt Nachhaltigkeit auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten für die Bauindustrie?
Robert Eknigk: Heute kann kein Projekt mehr wirtschaftlich sein, wenn es nicht gleichzeitig auch nachhaltig ist, dafür hat die Politik zuverlässig gesorgt. Wir halten diesen Ansatz aber für richtig und sehen uns in der Wohnungswirtschaft auch mit in der Verantwortung, der nächsten Generation eine nachhaltige Zukunft zu hinterlassen. Deswegen sind wir schon vor etlichen Jahren stark in den Holz-Hybridbau eingestiegen, während wir zudem möglichst weite Teile der Bauleistungen in einer geschützten Werkshalle vorfertigen lassen, was nicht nur effizienter und somit nachhaltiger ist, sondern unseren Mitarbeitern auch ein möglichst angenehmes Arbeiten unter kontrollierten Bedingungen ermöglicht. Inzwischen können wir auch hochwertigste Badezimmer und sogar Massivhauselemente mit weitreichendem Vorfertigungsgrad herstellen.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt der Fachkräftemangel heute für Ihr Tagesgeschäft?
Dr. Daniel Hannemann: Wir spüren ihn weiterhin massiv. Gleichzeitig ist es uns über die Jahrzehnte gelungen, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen und in dieser bisher stark männlich dominierten Branche auch ambitionierte, engagierte und kompetente Mitarbeiterinnen auf sämtlichen Hierarchieebenen für uns zu gewinnen. So ist etwa meine Ehefrau Dr. Lis Hannemann-Strenger nicht nur Mitinhaberin unserer Unternehmensgruppe, sondern füllt ihre Führungsposition gleichsam im operativen Tagesgeschäft aus. Auch in nahezu sämtlichen anderen Funktionen von der Bauleitung bis zum Vertrieb konnten wir Stellen mit starken Kolleginnen besetzen, was uns sehr freut – genauso wie unsere Auszeichnung als Familienunternehmer des Jahres, die uns 2025 verliehen wurde.












