Gemeinsam die Energiewende gestalten
Interview mit Raphael Noack, Geschäftsführer der Energieforen Leipzig GmbH

2010 gegründet, haben sich die Energieforen von einem siebenköpfigen Team zu einem Unternehmen mit rund 65 Mitarbeitenden entwickelt. Ausgangspunkt waren interaktive Arbeitskreise, die Unternehmen der Energiewirtschaft miteinander und mit der Wissenschaft vernetzen. Heute bestehen über 45 solcher User Groups mit mehr als 1.100 Mitgliedschaften und über 500 Versorgern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hinzu kamen Beratung und Forschung sowie zunehmend kollaborative Projekte.
Der Bedarf ist groß. Für Raphael Noack bleibt die Dekarbonisierung die zentrale Aufgabe der Branche. Gleichzeitig müssen Versorger Investitionen in Strom- und Wärmewende, Verkehr, Wasserinfrastruktur und weitere kommunale Aufgaben stemmen. Neben Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit sei deshalb auch die gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend. Wie eng diese Herausforderungen miteinander verknüpft sind, gehört zu den wesentlichen Erkenntnissen der kürzlich veröffentlichten dritten Auflage der Expertenstudie „Stadtwerk der Zukunft“, welche die Perspektiven von über 40 Geschäftsführenden aus der Branche bündelt. Zugleich verändern sich traditionelle Geschäftsmodelle. Neue Geschäftsfelder, regulatorische Anforderungen, KI und Digitalisierung verlangen flexiblere Organisationen. Genau hier sehen sich die Energieforen als Begleiter. „Wir verstehen uns im Grundsatz als Zukunftsgestalter“, sagt Raphael Noack. Dabei gehe es nicht darum, Unternehmen eine fertige Blaupause vorzulegen. „Wir entwickeln das mit dir“, beschreibt er den Ansatz. Denn die Voraussetzungen seien bei jedem Stadtwerk andere, von der regionalen Struktur bis zu den konkreten Anforderungen der Energiewende.
Kooperation statt Alleingang
Eine immer größere Rolle spielt deshalb die Zusammenarbeit zwischen Versorgern. Die Energieforen initiieren Gemeinschaftsanalysen, entwickeln Kooperationsnetzwerke und bringen Unternehmen zusammen, um neue Technologien und Geschäftsmodelle gemeinsam zu erproben. So wurden etwa regulatorische Anforderungen für dynamische Tarife gemeinsam analysiert; in einer weiteren Brancheninitiative arbeiteten sieben Netzbetreiber neun Monate lang an Einsatzmöglichkeiten von KI. Auch lokale Netzwerke mehrerer Stadtwerke entstehen, um Aufgaben zu bündeln, die einzelne Stadtwerke angesichts der wachsenden Komplexität kaum noch allein bewältigen können. Bis 2030 wollen sich die Energieforen noch stärker als Ansprechpartner für Zukunftsfragen der Versorgungswirtschaft positionieren – als Impulsgeber, Kollaborationsmanager und Transformationsbegleiter. Grundlage dafür ist ein über Jahre gewachsenes Ökosystem aus Versorgern, Dienstleistern und weiteren Partnern. Bei aller Technologie stellt Raphael Noack jedoch einen Faktor bewusst ins Zentrum: die Menschen. „Am Ende sind es die Menschen, die die Energiewende und die Unternehmen gestalten.“ Auch die eigene Organisation müsse deshalb lernfähig bleiben und Strukturen immer wieder hinterfragen. Für Raphael Noack liegt darin eine wesentliche Voraussetzung, um Veränderung erfolgreich zu gestalten, in den Energieforen ebenso wie bei ihren Kunden.








