Qualität und Nachhaltigkeit

Interview mit Guido Eggers, Managing Director und Dr. Thijs Willaert, Global Director Sustainability Services der DQS CFS GmbH

Die DQS wurde 1985, zeitgleich mit der Entwicklung der ISO 9001, der international anerkannten Norm für Qualitätsmanagement, gegründet. „Unsere Mission war es, die deutsche Wirtschaft zu fördern, indem wir als unabhängige Dritte und Zertifizierer die Einhaltung dieser Norm bestätigten“, erklärt Dr. Thijs Willaert, Global Director Sustainability Services. „Wir waren damals die Ersten überhaupt, die solch ein ISO 9001-Zertifikat in Deutschland ausgestellt haben. Den Kunden, den wir damals zertifizierten, betreuen wir heute immer noch.“

Breites Portfolio

Seitdem hat sich sehr viel verändert und weiterentwickelt. „Damals war der Treiber das Qualitätsmanagement“, erklärt Managing Director Guido Eggers weiter. „Inzwischen haben wir uns zum Audit-Partner in den verschiedensten Bereichen entwickelt. Dazu zählen unter anderem das Energie-, Umwelt- und Arbeitssicherheitsmanagement sowie das Risikomanagement. Dabei arbeiten wir immer mit international anerkannten Normen als Referenzpunkt.“

Keine Einheitsgröße für alle

Bei der Entwicklung einheitlicher Standards wird schnell klar, dass es keine Einheitsgröße für alle gibt. Inzwischen gibt es ein fast undurchschaubares Dickicht an unterschiedlichen Normen und Standards, die an die verschiedenen Branchen angepasst sind. Allein unter der Rubrik Nachhaltigkeit sind auf dem DQS-Internetauftritt 21 verschiedene Zertifizierungen gelistet. Obwohl die DQS als Auditgesellschaft keine Beratung anbietet, stehen ihre Experten zur Verfügung, um Kunden bei der Navigation durch den Zertifizierungsdschungel zu helfen. „Ganz klassisch geht es bei den Kundenanfragen darum, welches Regelwerk für sie infrage käme“, erklärt Guido Eggers. „Wir fragen sie wiederum, wofür sie die Zertifizierung benötigen und was am Ende dabei herauskommen soll. Dann können wir das passende Regelwerk empfehlen.“

Nachhaltigkeit als Thema

Ein wegweisender Meilenstein kam 2012, als die DQS sich noch intensiver mit den Themen Nachhaltigkeit und Verbrauchersicherheit auseinandersetzte. „Insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit sind glaubwürdige Daten und Standards notwendig, damit Investoren und Geschäftspartner, aber auch Endverbraucher eine Entscheidungsgrundlage haben, um die Nachhaltigkeit von Produkten, Dienstleistungen und Daten bewerten zu können“, so Dr. Thijs Willaert. „Dazu tragen wir bei, indem wir sowohl ESG-Daten verifizieren, als auch Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette evaluieren und Nachhaltigkeitsprozesse entlang der Wertschöpfungskette zertifizieren.“

Keine Worthülsen mehr

„Das Thema Nachhaltigkeit ist sehr stark im Kommen, heutzutage jedoch auf andere Weise“, weiß Guido Eggers. „Früher wurde über Konformitäten statt risikobasiert geprüft. Inzwischen hat die Landschaft sich verändert. Wir hatten vor ein paar Jahren keinen Krieg, keine Pandemie und keine Wetterkapriolen. Das Thema Nachhaltigkeit war zwar in aller Munde, aber eher als Lippenbekenntnis. Jetzt wird alles konkreter.“ Das bestätigt Dr. Thijs Willaert: „Die Zeiten, in denen Marketingbroschüren das Endergebnis einer Nachhaltigkeitsstrategie waren, sind definitiv vorbei. Heute benötigen wir belastbare, vergleichbare sowie verifizierbare Aussagen. Das gilt sowohl für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die in Richtung Investoren und Finanzmarktteilnehmer geht, aber auch für Aussagen und Produktsiegel, die in Richtung Endverbraucher gehen. Da kommt eine Welle an Regulierungen auf uns zu.“

Damit verbunden wird das Thema Zirkularität an Bedeutung gewinnen. „Nehmen wir das Beispiel einer Plastikflasche, die zukünftig einen bestimmten Anteil an Recyclingkunststoff beinhalten muss“, erklärt Dr. Thijs Willaert. „Damit der Endverbraucher diesen Anteil nachvollziehen kann, müssen die Warenströme bei der Herstellung dieser Flasche genau geprüft werden. Mit solchen Fragestellungen durften wir schon Erfahrung sammeln und bieten bereits heute Zertifizierungen an, die solche Claims glaubwürdig untermauern.“

Es geht um den guten Ruf

Absolute Glaubwürdigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. „Zertifikate können nur etwas bedeuten und Greenwashing entgegenwirken, wenn wir keinerlei Kompromisse eingehen“, betont Guido Eggers. „Deshalb werden wir selbst auditiert und kennen den Prozess auch von der anderen Seite.“

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