Mit Pulverleimen Papier und Pappe nachhaltig kleben

Interview mit Rob Broere, Interim-CEO, Gesellschafter der Cordial Adhesives B.V.

„Früher haben die Kunden nur auf den Preis geschaut, heute gucken sie weiter“, beobachtet Rob Broere, Interim-CEO und Gesellschafter der Cordial Adhesives BV. „Heute ist es ihnen wichtig, dass die Produkte nachhaltig sind und in der Fabrik gut funktionieren. Das macht mittlerweile unseren Erfolg aus, denn die Qualität wird immer bedeutsamer.“ Und in puncto Qualität und Nachhaltigkeit sind die Kunden bei Cordial Adhesives genau an der richtigen Adresse, denn das Unternehmen entwickelt und fertigt Pulverleime und flüssige Leime nach den Vorgaben und Anwendungen seiner Auftraggeber.

Breites Portfolio

„Speziell unsere Pulverleime passen hervorragend in die heutige Zeit, denn wir fahren nicht unnötig Flüssigkeit durch die Gegend“, betont der Interim-CEO. „Erst beim Kunden kommt Wasser dazu und der Leim wird dort angerührt. Praktischerweise liefern wir die passenden Rührapparaturen gleich mit dazu.“ Eingesetzt werden die Leime unter anderem in der Kartonindustrie, zum Beispiel für Massivkartons, die laminiert werden.

Bei speziellen Dextrinleimen, die zum Kleben von Paperhülsen verwendet werden, sind wir sogar Marktführer.“ Beim Entwickeln der Leime achten die niederländischen Fachleute nicht nur auf die Beschaffenheit der Papiere, sondern auch auf die zur Verarbeitung eingesetzten Maschinen. Das Produktportfolio von Cordial Adhesives umfasst neben Hotmelts sowie Leimen zum Kleben von Massivpappen, gestrichenen Papieren, kaschierter Wellpappe und Wabenkartons auch besondere Lösungen für Umschlagetiketten, zum Verkleben von Folien und Geweben sowie zur Herstellung von Gipskartonplatten.

1992 gegründet

Tanne Bosker und Henk Rengers gründeten Cordial Adhesives 1992 in Groningen und spezialisierten sich auf industrielle Leime für die Papier- und Kartonindustrie. Drei Jahre später wurden am heutigen Standort in Groningen moderne und professionell ausgestattete Forschungs- und Produktionskapazitäten bezogen und auch eine erste Fertigungslinie für Pulverleime in Betrieb genommen. 1999 erfolgte ein weiterer Umzug innerhalb von Winschoten, wo neue Fertigungsanlagen für Pulverleime und flüssige Leime, ein professionelles Labor, Lager und Büroräume errichtet wurden.

2015 kam eine weitere Produktionsstätte in Indonesien hinzu, 2023 erfolgte der Verkauf an den Investor NewPort Capital. Der als Interim-CEO tätige Rob Broere ist ebenfalls Gesellschafter und macht den Platz frei, sobald der endgültige CEO gefunden ist. NewPort Capital verfolgt eine Buy-and-Build-Strategie, will neben Cordial Adhesives weitere Firmen hinzukaufen und eine schlagkräftige Unternehmensgruppe formen. Cordial Adhesives beschäftigt heute 45 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 50 Millionen EUR erwirtschaften.

Neue Vertriebsstrukturen

Während Cordial Adhesives seine Pulverleime weltweit vermarktet – unter anderem in Südamerika, Mexiko, Chile und Australien – werden die Flüssigleime wegen der hohen Transportkosten ausschließlich in den Niederlanden, Deutschland und Belgien verkauft. Insgesamt liegt der Exportanteil des Umsatzes bei rund 75%. Der Vertrieb wird gerade neu strukturiert und den Herausforderungen der Zukunft angepasst. Rob Broure: „Wir möchten unsere Kunden moderner ansprechen und bauen eine Verkaufsorganisation auf, die Kunden besucht und begleitet.“ Zur neuen Strategie gehört auch die verstärkte Nutzung von Social Media, wie etwa LinkedIn. Ende des Jahres will sich Cordial Adhesives auf einer Fachmesse in Skandinavien präsentieren, der Besuch weiterer Messen ist geplant.

Weitgehend automatisiert

„Wir sind weitestgehend automatisiert und auch unser Lagerbestand wird digital erfasst“, erläutert der Interim-CEO. „Wir nutzen ein CRM-System und unsere Produktion ist vollständig computergesteuert.“ Was die Nachhaltigkeit betrifft, so ist der Fokus auf Pulverleime ein wichtiger Faktor, denn auch die Kunden brauchen dadurch weniger Lagerkapazitäten vorzuhalten. Außerdem sind die Verantwortlichen von Cordial Adhesives kontinuierlich auf der Suche nach recycelten und nachhaltigen Rohstoffen.

Freundlicher Umgang

„Bei uns gehen die Menschen freundlich miteinander um“, beschreibt Rob Broure die Atmosphäre innerhalb des Betriebes. „Wir haben eine flache Organisation und meine Tür ist für die Beschäftigten immer offen. Grundsätzlich stehen die Kunden im Mittelpunkt unseres Handelns und wir arbeiten auch am Wochenende für sie, wenn es nötig sein sollte.“ In den kommenden Jahren möchte der Interim-CEO neue Geschäftsfelder erschließen und die Akzeptanz von Pulverleimen deutlich erhöhen. Ein weiteres Anliegen ist ihm die größere Sichtbarkeit von Cordial Adhesives sowie der Ausbau der Aktivitäten in Südamerika. Rob Broure liebt es, Firmen weiterzuentwickeln und auf ein neues Level zu bringen. Außerdem ist es sein Anspruch, mit Menschen zusammenzuarbeiten sowie Mitarbeitern und Kunden einen Mehrwert zu bringen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Chemie

Chlordioxid aus Hannover für die Welt

Interview mit Boris Hinz, Geschäftsführer der Dr. Küke GmbH

Chlordioxid aus Hannover für die Welt

Die Dr. Küke GmbH aus Wedemark bei Hannover hat sich auf einen einzigen Wirkstoff fokussiert: Chlordioxid. Von Brauereien über Krankenhäuser bis zu Industriebetrieben – überall dort, wo desinfiziert werden muss,…

Brücken bauen mit Molekülen

Interview mit Dr. Oliver Seidelmann, Geschäftsführer der ChiroBlock GmbH

Brücken bauen mit Molekülen

Innovative Chemie ist der Schlüssel für viele Zukunftsfragen – von nachhaltigen Produktionsmethoden bis hin zu medizinischen Lösungen. Mitten im Chemiepark Wolfen hat sich die ChiroBlock GmbH seit 1999 zu einem…

Validiert. Sicher.

Interview mit Marc Plevschinksi, Geschäftsführer der Normec Valitech GmbH & Co. KG

Validiert. Sicher.

Validierung klingt technisch, ist aber im Gesundheitswesen ein zentraler Baustein für Sicherheit und Vertrauen. Die Normec Valitech GmbH & Co. KG in Falkensee sorgt mit unabhängigen Prüfverfahren dafür, dass die…

Spannendes aus der Region Winschoten

Recycling mitdenken

Interview mit Having Steenhuis, Inhaber der Steenhuis Recycling B.V.

Recycling mitdenken

Eine umweltfreundliche Verwertung von Eisen, Metallen, aber auch von Akkus und Computern sowie Kunstoffen ist heute wichtiger denn je, denn Umweltschutz und eine lebenswerte Zukunft sind in der Prioritätenliste ganz…

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Interview mit Dr. Bonna Newman, Chief Executive Officer der Lightyear Technologies B.V.

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Die Bedeutung nachhaltiger Mobilität ist in der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen. Der Erfolg dieser Transformation ist entscheidend, nicht nur als Maßnahme gegen den Klimawandel, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit…

Isotope gegen Krebs

Interview mit Dr. Linda Ashton, Leiterin Urenco Isotopes der Urenco Nederland B.V.

Isotope gegen Krebs

Europas Verwundbarkeiten in den Lieferketten reichen inzwischen über Energie und Rohstoffe hinaus und betreffen kritische Sektoren wie das Gesundheitswesen und fortschrittliche Technologien. Stabile Isotope, die für die Krebsdiagnostik unverzichtbar sind,…

Das könnte Sie auch interessieren

Resortkonzept mit System

Interview mit Susanne Adrian, General Manager der Marissa GmbH

Resortkonzept mit System

Urlaub im eigenen Land ist gefragter denn je – mit der steigenden Nachfrage wachsen auch die Erwartungen. Gäste wünschen sich mehr als nur eine Ferienunterkunft: Qualität, Flexibilität und ein echtes…

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

Handwerk mit Weitblick

Interview mit Ralf Rohwer, Geschäftsführer der ROHWER STAHL & METALLBAU GmbH

Handwerk mit Weitblick

Der Metallbau steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Steigende Anforderungen an Ergonomie, Fachkräftegewinnung und digitale Abläufe verändern die Arbeit auf der Baustelle und in der Werkstatt. Unternehmen, die diese Entwicklungen aktiv gestalten,…

TOP