Viele gute Ideen, aber kaum Kapital für Gründer in Deutschland

Interview mit David Rhotert und Tamo Zwinge, Gründer und Geschäftsführer der Companisto GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Rhotert, Herr Zwinge, wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Firma zu gründen, bei der jeder auch mit kleinen Beträgen in Start-ups investieren kann und was ist der Unterschied zu Aktienfonds und Crowdfunding?

David Rhotert: Tamo und ich kennen uns schon lange – wir sind auf einer Schule gewesen, haben zusammen gewohnt und Jura studiert. Zu der Zeit haben wir dann auch unsere erste Start-up-Idee entwickelt. Gemeinsam haben wir Partycard gegründet, eine Vorteilskarte für Berlins Clubgänger. Die Umsetzung war jedoch alles andere als einfach: Keine Bank war bereit, uns einen Kredit als Startkapital zu gewähren.

Tamo Zwinge
„Es gibt so viele gute Ideen in Deutschland – doch haben es Gründer schwer, Start- und Wachstumskapital zu erhalten.“ Tamo ZwingeGründer und Geschäftsführer der Companisto GmbH

Tamo Zwinge: Und genau aus dieser Erfahrung heraus haben wir Companisto gegründet. Das was wir bei unserer Existenzgründung erlebt haben, hat uns nicht mehr losgelassen. Es gibt so viele gute Ideen in Deutschland – doch haben es Gründer schwer, Start- und Wachstumskapital zu erhalten. Umgekehrt können Privatanleger nicht an einem Start-up teilhaben. Also musste eine Lösung her: Companisto.

Der Unterschied zu klassischen Aktienfonds ist die Art, wie sich Crowdinvestoren an dem Unternehmen beteiligen. Bei einer Finanzierungsrunde über eine Crowdinvesting-Plattform beteiligen sich die Investoren selbst, jeder entscheidet selbst wo er investiert. Bei einem Aktienfond verwaltet das Fondsmanagement das Kapital und kauft dann für dieses eingesammelte Kapital interessante Aktien. Weiterhin sind die Unternehmen noch nicht an der Börse gelistet, also werden bei Companisto keine Aktien sondern etwas andere Unternehmensbeteiligungen vergeben. Wegen des frühen Zeitpunktes einer Investition besteht die Möglichkeit auf attraktive Renditen.

„Wir beschäftigen uns lange im Voraus mit den Unternehmen, um uns ein authentisches Bild des Geschäftsfeldes und des Gründerteams zu machen.“ David RhotertGründer und Geschäftsführer der Companisto GmbH
David Rhotert

Wirtschaftsforum: Treffen Sie eine Vorauswahl der Start-ups, in die man über Ihre Plattform investieren kann und nach welchen Kriterien wählen Sie diese aus?

David Rhotert: Die Vorauswahl hier bei unserem Team von Companisto ist recht umfangreich. Wir beschäftigen uns lange im Voraus mit den Unternehmen, um uns ein authentisches Bild des Geschäftsfeldes und des Gründerteams zu machen. Diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst, denn wir möchten den Investoren das bestmögliche Portfolio zum Anlegen bieten. Wir

Tamo Zwinge
„Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass gerade das Gründerteam für den Erfolg des Start-ups maßgeblich entscheidend ist.“ Tamo ZwingeGründer und Geschäftsführer der Companisto GmbH

Tamo Zwinge: Die Entscheidung, welches Start-up über Companisto finanziert wird, entscheidet sich einerseits durch externe Faktoren wie Marktvolumen, Business Modell, erreichte Meilensteine wie Nutzerzahlen, Kunden et cetera, die Liquidität des Unternehmens und andererseits durch interne Faktoren wie den Eigenschaften und Fähigkeiten des Gründerteams. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass gerade das Gründerteam für den Erfolg des Start-ups maßgeblich entscheidend ist. Daher lernen wir das Team kennen und führen viele Gespräche mit den Gründern.

Wirtschaftsforum: Hohe Renditen klingen sehr verlockend, aber wie steht es um die Risiken?

David Rhotert: Das ist richtig, beim Investieren in Wagniskapital sollte man immer beide Seiten der Medaille betrachten. Es bietet tolle Chancen für Gründer und auch für Investoren, es ist aber auch – wie bei jeder Form von Investment – wichtig, sich vorher zu informieren um eine sichere Entscheidung treffen zu können. Mit Crowdinvesting können junge Gründer ihre Ideen verwirklichen und gemeinsam mit Investoren am Markt platzieren. Crowdinvesting ermöglicht Teilhabe an Innovation und gibt Investoren die Chance, in einer frühen Phase mit Wagniskapital in Start-ups „einzusteigen“.

„Mit Crowdinvesting können junge Gründer ihre Ideen verwirklichen und gemeinsam mit Investoren am Markt platzieren.“ David RhotertGründer und Geschäftsführer der Companisto GmbH
David Rhotert

Tamo Zwinge: Wie David schon erwähnte, ist es wichtig, in jeder Art von Investment eine Entscheidung zu treffen, die auf der bestmöglichen Informationsgrundlage basiert. Daher ist es eines unser erklärten Ziele, die Investoren mit sehr umfangreichem Material rund um jedes Start-up zu versorgen. Durch die Analyse der unterschiedlichen Faktoren, die den Erfolg eines Start-ups beeinflussen können, unterstützen wir nicht nur Investoren, sondern auch Gründer bestätigen uns immer wieder, dass die Fragen der Crowd und die Einschätzung durch uns Ihnen hilft, ihr Geschäftsmodell immer wieder zu optimieren und zu überdenken

Wirtschaftsforum: Gibt es einen Mindestbetrag, den man in ein Start-up investieren sollte, um eine gute Rendite zu erhalten?

David Rhotert: Eine Investition in Start-ups und Wachstumsunternehmen findet in Form eines partiarischen Darlehens statt. Der Investor gewährt dem Start-up ein Darlehen, damit dieses seine Geschäftsidee umsetzen kann. Anleger haben beim Crowdinvesting zwei Möglichkeiten Rendite zu erzielen: Entweder über eine jährliche Festverzinsung (bei Wachstumsunternehmen) oder über eine Gewinn- und Exit-Beteiligung (bei Start-ups).

Tamo Zwinge: Wir haben bei Companisto im letzten Jahr den Mindestwert für die Investition auf 100 EUR festgelegt. Unsere Investorenumfrage im April 2017 hat ergeben, dass über 60% der Investoren bei Companisto sich einen Mindestinvestmentbetrag über 100 EUR wünschen. Generell kann man sagen, dass bei jeder Investmentsumme eine erfolgreiche Rendite erzielt werden kann, wie viel man investiert hängt von den individuellen Zielen und dem eigenen Portfolio ab. Unsere aktivsten Investoren investieren knapp über 1.000 EUR in ein Start-up.

Tamo Zwinge
„Wenn man als Investor mit Leidenschaft dabei ist, erkennt man auch immer schneller das Marktpotenzial von guten Ideen.“ Tamo ZwingeGründer und Geschäftsführer der Companisto GmbH

Wirtschaftsforum: In welches Projekt auf Companisto haben Sie selbst schon investiert und was hat Sie dabei überzeugt?

David Rhotert: Ja, ich habe natürlich auch in einige Start-ups investiert. Wenn man sich, wie wir hier bei Companisto, seit fünf Jahren mit vielen herausragenden Gründerideen beschäftigt, so unter anderem Doxter, Ameria und MeineSpielzeugkiste, ist es fast natürlich, selbst ein Teil der Investoren zu werden und Start-ups auf ihrem Weg zu unterstützen. Dazu kommt: Wir von Companisto haben uns bei unserer Gründung auch über die Crowd finanzieren lassen – wir kennen dieses Geschäftsfeld also von beiden Seiten.

Tamo Zwinge: Wenn wir uns für die Finanzierung eines Start-ups entscheiden, legen wir viel Wert auf das Gründerteam. Wir hinterfragen immer – wie ist das Team aufgestellt, wie ist das Know-how und wie sind die Aufgaben verteilt? Das Team ist ein zentraler Bestandteil der Entscheidung, denn letztendlich sind es die Menschen, die die Ideen umsetzen. Wenn man als Investor mit Leidenschaft dabei ist, erkennt man auch immer schneller das Marktpotenzial von guten Ideen.

Interview: Sarah Urquhart
Fotos: Max Threlfall, Profund Innovation und Max Jurisch

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