Von München über China in die Welt

Interview mit Dimitrios Bachadakis, CEO der CIP Holding AG

Wirtschaftsforum: Herr Bachadakis, wie sind Sie zur CIP Holding AG gekommen?

Dimitrios Bachadakis: Im Jahr 2000 habe ich ein internationales Management-Trainee-Programm bei Siemens begonnen. In dieser Zeit war ich knapp ein Jahr in Asien und in den USA. Danach bin ich in der Siemens-Zentrale für Einkauf und Logistik ins Berufsleben gestartet. Innerhalb der Zentralabteilung des Konzerns gab es eine Unterabteilung, die sich intensiv mit dem Thema China Business beschäftigte. Leiterin dort war meine heutige Mitgesellschafterin Yao Wen. Mit ihr ergab sich 2004 die Chance für einen gemeinsamen Management-Buy-out. So entstand CIP als Nachfolgeorganisation der damaligen Zentraleinheit.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Gruppe seitdem entwickelt?

Dimitrios Bachadakis: Mittlerweile sind weitere Geschäftsbereiche hinzugekommen. Wir haben eine Holding als Dachgesellschaft gegründet, um in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen Businessmodelle zu entwickeln und operativ zu skalieren.

Wirtschaftsforum: Welche Geschäftsbereiche sind das?

Dimitrios Bachadakis: Unsere Holding fußt auf drei Geschäftssäulen: Da sind zunächst unsere Supply Chain-Dienste. Dabei geht es um die Lieferung von Industrieteilen an Kundenwerke in aller Welt. Dieses Feld haben wir in den letzten 16 Jahren stetig ausgebaut und immer komplexere Supply Chain-Dienstleistungen entwickelt. Daneben beschäftigen wir uns intensiv seit circa fünf Jahren mit dem Thema e-Mobility. Gerade die Entwicklung der städtischen Mobilität ist ein hochaktuelles Thema – jetzt und in der Zukunft. Mit unserem Team und externen Partnern haben wir eine innovative Flotte ein- und mehrspuriger Vehikel für urbane Lastenszenarien entwickelt. Wir stehen kurz vor der Industrialisierung der ersten Generation. Unser drittes Standbein sind Transaktionen, insbesondere im M&A-Bereich und primär zwischen dem chinesischen und dem europäischen Raum.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie von Mitbewerbern?

Dimitrios Bachadakis: Vor allem unsere langjährige Erfahrung mit dem chinesischen Markt. Wir kennen die Player und deren Mentalität, haben selbst eine starke Einheit vor Ort und sind damit sehr nah an den lokalen Partnern. Darüber hinaus waren wir stets im Geschäftskunden-Segment aktiv und haben uns hier einen Namen gemacht. Erkennen und anstoßen von Innovationen und ihre partnerschaftliche Gestaltung auf globalem Level sind dabei zentrale Bestandteile unserer Philosophie. Wir sind stolz auf unsere Herkunft und haben unser Angebot immer dynamisch weiterentwickelt.

Wirtschaftsforum: Gibt es hierfür Beispiele?

Dimitrios Bachadakis: Ein wichtiges Schlagwort ist das Vendor-Managed Inventory. So erbringen wir logistische, technische und kaufmännische Dienstleistungen für komplexe Geschäftsprozesse entlang der Supply Chain im B2B- und B2C-Umfeld für großindustrielle Kunden. Bereits während der Produktionsplanung sind wir digital an die Systeme unserer Kunden und Lieferanten angeschlossen. So erkennen wir schon früh Bedarfsschwankungen und wissen somit, welche Komponenten wann an welchem Ort gebraucht werden. Wir können diese in China beschaffen und in alle Kontinente liefern – oft tagesgenau in die Fertigungslinien unserer Kunden.

Wirtschaftsforum: Am Thema Corona kommt heute niemand vorbei. Was bedeutet die Pandemie für Ihr Unternehmen?

Dimitrios Bachadakis: Durch unser Know-how in Sachen China haben wir hier einige Vorteile. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und vermehrt Masken aus China in großer Stückzahl vorrangig an Kunden in Bayern verlässlich geliefert. Aber natürlich stehen auch wir vor großen Herausforderungen, denen wir uns aktiv stellen. Wir durchlaufen eine Phase des Wachstums im Unternehmen, in der wir Neueinstellungen vornehmen. Zudem sind wir froh, ohne Kurzarbeit durch die Corona-Krise zu kommen. Stabile Kerngeschäftsprozesse helfen uns dabei, auch in der Krise ein starker und verlässlicher Partner für unsere Kunden und Lieferanten zu bleiben.

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