Nachhaltigkeit ist fest in unserer DNA verankert

Interview mit Nicolas Lindner, Geschäftsführer und Mitinhaber der Börlind GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lindner, bevor wir uns Ihre aktuelle Strategie anschauen, werfen wir doch gemeinsam einen Blick in die Vergangenheit. Wie ist Börlind entstanden?

Nicolas Lindner: Wir sind ein Familienunternehmen, geführt in dritter Generation von meiner Schwester Alicia und mir. Gegründet wurde das Unternehmen von meinen Großeltern, Annemarie und Walter Lindner, damals noch in Ostdeutschland. „Was ich nicht essen kann, gebe ich nicht auf meine Haut“ war schon damals in den 1950er-Jahren der Qualitätsanspruch meiner Großmutter Annemarie und sie war damit ihrer Zeit weit voraus. Kurz vor der dritten Enteignung haben sie sich entschieden, nach Westdeutschland zu fliehen und haben hier einen Farbrikanten namens Hermann Börner kennengelernt. Meine Großeltern brachten das Naturkosmetik-Know-how mit, Herr Börner als Fabrikant von Nahrungsergänzungsmitteln die Produktionsstätte. So ist 1959 die Firma BÖRLIND entstanden.

Wirtschaftsforum: Seitdem ist viel passiert. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine in der Unternehmensgeschichte?

Nicolas Lindner: Ein wichtiger Meilenstein war die neuform-Zertifizierung, die es Börlind erlaubt hat, in den sehr interessanten Markt der Reformhäuser einzutreten und dort die Produkte auch anzubieten. In diesem geschützten Markt ist Börlind gut gewachsen und wir konnten 1972 das erste richtige Firmengebäude bauen, inklusive Personal, Maschinenpark und Logistik. Bei dem Neubau hatte mein Großvater damals den siebten Sinn, denn er hat einen Wünschelrutengänger geordert, um nach Wasserquellen zu schauen. Und wir haben tatsächlich eine Wasserquelle gefunden, eine Tiefenquelle in 166 m Tiefe. Seither stellen wir all unsere Produkte mit diesem Wasser her.

1974 erfolgte die Einführung der Serie LL REGENERATION. Sie zählt bis heute zu unseren Bestsellern. Sie war auch einer der Meilensteine im Bereich der Systempflegeserien für innovative Naturkosmetik mit einer sehr guten Wirkung. Sie wurde von meiner Großmutter entwickelt und war damals schon so gut, dass sie bis heute noch eine Fangruppe hat, die immer weiter wächst.

1987 hat mein Vater Michael Lindner mit DADO SENS eine weitere Marke und damit das Tochterunternehmen Dado-cosmed GmbH gegründet. Der Fokus dieser Marke sind dermatologisch pflegende Produkte auf Naturbasis. DADO SENS hat schon damals auf das Thema Clean Beauty gesetzt, was heute ein Trend ist.

2003 konnte mein Vater die Firmenanteile von Familie Börner erwerben und seitdem ist das Unternehmen zu 100% in Familienhand. Im Jahr 2006 haben wir uns für neue Vertriebskanäle entschieden und sind nun, neben dem Reformhaus, auch in der Parfümerie, im Bioladen, der Apotheke sowie in Kauf- und Warenhäusern vertreten. Dieser Schritt war wichtig, um unsere Bekanntheit und damit unseren Umsatz zu steigern.

Wirtschaftsforum: Aktuell haben Sie ein neues Ziel vor Augen. Was steckt hinter der Mission 2025?

Nicolas Lindner: Nachhaltigkeit hat aufgrund der Tatsache, dass wir Naturkosmetik herstellen, schon immer eine Rolle für uns gespielt. Sie ist Teil unserer DNA und unserer Überzeugung und kein Trendthema, mit dem wir uns erst seit einigen Jahren beschäftigen. 2012 haben wir uns mit dem CSE-Siegel zertifizieren lassen, welches alle Bereiche eines Unternehmens und auch die Unternehmensführung auf nachhaltiges Handeln überprüft. Schon damals waren wir absoluter Vorreiter. Jetzt merken wir, dass immer mehr Wettbewerber auf das Thema setzen. Deshalb reicht uns dieses Label nicht mehr aus. Aus diesem Grund haben wir unsere Mission 2025 ins Leben gerufen, um eine neue Benchmark im Bereich der Nachhaltigkeit zu setzen.

Dafür haben wir zunächst mithilfe einer Stakeholder-Analyse alle relevanten Aspekte identifiziert. Als Ergebnis kamen folgende vier Themen heraus: die Reduktion von CO2, die Reduktion von Müll und Verpackungen, der Schutz von Menschen sowie der Schutz der Natur. Daran haben wir uns orientiert und uns hohe Ziele für die nächsten fünf Jahre gesetzt. Diese Ziele sind geprägt durch unser Selbstverständnis. Wir wollen nicht auf Kosten anderer – also Mensch und Natur – erfolgreich sein.

Wirtschaftsforum: Der Erfolg gibt Ihnen seit vielen Jahren recht. Was ist Ihre besondere Kompetenz und welche Produkte sind besonders erfolgreich?

Nicolas Lindner: Unser Portfolio umfasst heute unterschiedliche Sortimente: Gesichtspflege, Haarpflege, Körperpflege, natürliche dekorative Kosmetik und Sonnenschutzprodukte. Die Gesichtspflege ist jedoch unsere Kernkompetenz. Zusammen mit der natürlichen dekorativen Kosmetik sind das unsere Umsatztreiber und aktuell die Bereiche mit den meisten Zuwächsen. Ein Evergreen ist nach wie vor unsere Systempflegeserie LL REGENERATION, aber auch die Augenfältchencreme, die noch von meiner Großmutter entwickelt wurde, funktioniert nach wie vor sehr gut in Deutschland und explodiert gerade in Asien. Darüber hinaus sind wir sehr stolz auf unsere vielen Neuentwicklungen, die in den letzten Jahren auf den Markt kamen. Sie alle vereint das Thema Nachhaltigkeit.

Mit nachhaltigen Packmitteln aus Biokunststoff oder Rezyklat basieren alle auf natürlichen Rohstoffen. Inhaltsstoffe stammen überwiegend aus kontrolliert biologischem Anbau, aus Wildsammlungen oder aus unseren sozialen und ökologischen Projekten. Außerdem freut mich eine weitere Tatsache ganz besonders: In der Vergangenheit mussten wir hart dafür kämpfen, die Konsumenten davon zu überzeugen, dass Naturkosmetik nicht nur natürlich, sondern gleichzeitig auch wirksam ist. Mit unseren Produktneuheiten haben wir sogar wissenschaftlich bestätigt, dass sie noch wirksamer sind als viele konventionelle Produkte. Beispielsweise sind wir der erste Naturkosmetik-Hersteller, der natürliches Kollagen einsetzt. Dieses hat noch bessere feuchtigkeitsspeichernde Wirkung als tierisches Kollagen. Damit geht Naturkosmetik immer mehr in die Vorreiterrolle und hier wollen wir natürlich weiter einen wichtigen Platz einnehmen.

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