Frischer Blick über den Tunnelrand hinaus

Interview mit Friedrich Neureiter, Geschäftsführer der BeMo Tunnelling GmbH

Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens beginnt im Jahr 1964. „Das Kerngeschäft war damals der Tunnelbau. Die BeMo Tunnelling GmbH war maßgeblich an der Entwicklung der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise – kurz NÖT – beteiligt“, erinnert sich Geschäftsführer Friedrich Neureiter.

Diese Art des Tunnelbaus setzt auf die Eigentragfähigkeit des Gebirges, mit dem gearbeitet wird und kombiniert so geologische Grundlagen mit speziellen Bauverfahren. „Eines der ersten Highlights in der Firmengeschichte war der Bau des Schwaikheimer Tunnels. Dieser wurde nach der NÖT gebaut.“

Ein weiterer Höhepunkt: Der U-Bahnbau 1970 in Frankfurt. Auch dort konnte BeMo mit dem innovativen Verfahren glänzen – und das Ganze zum ersten Mal innerstädtisch anwenden. Noch ein erstes Mal gab es in Großbritannien: Der erste Tunnel mit der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise wurde auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Dover-London umgesetzt. „Damit brachten wir die NÖT im Vereinten Königreich zum Einsatz“, so Friedrich Neureiter.

Seit damals hat sich beim Unternehmen jedoch einiges getan: „Seit Anfang der 2000er-Jahre haben wir in Schweden und Norwegen Niederlassungen. Auch in den Vereinigten Staaten und Kanada besitzen wir Tochtergesellschaften. Unsere Zentrale ist in Innsbruck; unser Hauptgeschäft läuft aber seit jeher in Deutschland.“

Seit einigen Jahren entwickelt sich die BeMo Tunnelling GmbH vom Experten in Sachen Tunnelbau schrittweise weiter in Richtung Komplettanbieter: „Wir bieten Tunnelbau, aber auch Ingenieurbau und Spezialtiefbau. Außerdem sind wir in der Bauwerksanierung und im Bergbau tätig. Somit sind wir ein breit aufgestelltes Unternehmen.“

Friedrich Neureiter
„Unser Portfolio ist groß – der Tunnelbau wird aber immer unser Steckenpferd bleiben.“ Friedrich NeureiterGeschäftsführer

Diese Vielfalt des Angebots erreicht BeMo vor allem mit kompetentem, motiviertem Personal. „Unsere Mitarbeiter sind sehr erfahren. Das stärkt die Flexibilität und Innovationskraft unseres Unternehmens.“ Auch die innerbetrieblichen Strukturen zeichnen BeMo aus: „Bei uns gibt es flache Hierarchien. Das macht die Kommunikation sicherlich einfacher. Die Mitarbeiter können immer mit ihren Anliegen kommen – wir haben eine Kultur der offenen Tür. Wenn man möchte, kann man bei uns auch zügig eigenverantwortliche Aufgaben übernehmen.“ Genau das tut Friedrich Neureiter selbst in seiner Position als Geschäftsführer.

„Ich bin ursprünglich durch ein Praktikum mit der Firma in Kontakt getreten. Dann wurde ich mit dem Tunnelbau-Virus infiziert. Das war der spezielle Antrieb in den jungen Jahren. Ich bin von der Technik und dem Tunnelbau generell fasziniert. Außerdem hatte ich die Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Und: Wir haben unsere Leistungspalette stetig erweitert. Das ist der spezielle Mix.“

Vielfältige Projekte

Mit diesem Mix fasziniert BeMo nicht nur seine Mitarbeiter, sondern auch seine Kunden – das Unternehmen ist bei vielen Projekten dabei, egal ob bei der Autobahn A100 in Berlin, beim Stadtbahntunnel in Karlsruhe oder bei Stuttgart 21. Aber nicht nur Aufträge in Deutschland oder Österreich gehen bei BeMo ein: „Wir sind und werden weiterhin in Großbritannien, den USA und Kanada aktiv sein. Wir sind sehr gefragt im Ausland.“

Die herausragende Arbeit von BeMo im In- und Ausland belegen auch diverse Auszeichnungen. 2016 gab es für das Unternehmen den Green Apple Award in der Kategorie ‘Environmental Best Practice’. 2015 gab es gleich zwei Preise. Den British Construction Industry Award für ein Projekt der Firma in England und den NCE Tunnelling Underground & Space Award in der Kategorie ‘Product/Equipment Innovation of the Year’.

Neben den Auszeichnungen stehen die Zertifikate des Unternehmens für kontinuierliche Weiterentwicklung und Optimierung: Das Gütezertifikat Beton, das Gütezertifikat für Instandsetzung sowie das Gütesiegel für den Bereich „Schutz und Instandsetzung von Betonbauwerken“ wurden BeMo im letzten Jahr durch die Gemeinschaft für Überwachung im Bauwesen überreicht – ein weiterer Qualitätsbeweis.

Auch in der Zukunft wird BeMo mit seiner Kompetenz und Innovationskraft Großes leisten können, wenn die Rahmenbedingungen mitspielen. „Projekte sind natürlich vorhanden. Die Staaten wollen und müssen in ihre Infrastruktur investieren. In Deutschland sehe ich dringenden Nachholbedarf, da die Infrastruktur veraltet ist“, beobachtet Friedrich Neureiter.

Und Ausschreibungen sind nicht immer leicht an Land zu ziehen. „Projekte müssen europaweit ausgeschrieben werden. Es herrscht leider das Billigstbieterprinzip. Das heißt: Der billigste Anbieter bekommt den Auftrag. Das ist nicht immer förderlich für die Qualität.“

Neben den Infrastrukturen diverser Länder ist auch die Digitalisierung ein Thema, das das Unternehmen beschäftigt. „In den Infrastrukturbau wird die Digitalisierung Einzug halten, damit die Bauherren die Planungstiefe erhöhen können. Auf diese Weise kann man Planungsfehler ausmerzen und ständigen Vertragsänderungen in der Ausführungsphase vorbeugen. Außerdem könnte es so mehr Transparenz geben. Ich habe die Hoffnung, dass die Digitalisierung einen Schub bringt. Aber alle Beteiligte müssen den Schalter im Kopf umlegen und ihre Herangehensweise ändern. Generell sehe ich darin Potenzial, jedoch ist einiges an Entwicklungsarbeit notwendig“, stellt Friedrich Neureiter fest.

Doch egal, ob zu verbessernde Infrastruktur, Billigstbieterprinzip oder fortschreitende Digitalisierung – BeMo wird weiterhin seine Stärken nutzen und ausbauen: „Wir wollen uns in allen Sparten weiterhin am Markt behaupten.“

Mit der bestehenden Innovationskraft, der Motivation der Mitarbeiter und der Entwicklung in Richtung Komplettanbieter wird BeMo auch weiter für die richtigen Verbindungen sorgen – mit frischem Blick über den Tunnelrand hinaus.

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