„Die Zukunft der Mobilität wird ambivalent sein!“

Interview mit Karl Heinz Beckers, Geschäftsführer der BBT Automotive Components GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Beckers, seit über 30 Jahren tritt Ihr Unternehmen als schlagkräftiger Partner für Zündungstechnik und Sensorik „made in Germany“ im Markt auf. Wo nahm diese Geschichte ihren Anfang? 

Karl Heinz Beckers: Begonnen haben wir als Personengesellschaft 1992 in Brandenburg an einem Standort, der fast einer Industriebrache gleichkam – das war wirklich der wilde Osten und gleichzeitig herrschte Gründerzeitstimmung, wenngleich man dort als aus dem Westen stammender Unternehmer doch auf einige Herausforderungen stieß. Wir bauten dort eine Fertigung für Zündkabelsätze und Zündkerzenstecker auf, die wir im Automotive-Segment weltweit vertrieben haben. Dazu konnte ich auf gewachsene Kontakte in die USA sowie nach Südostasien und ganz Europa zurückgreifen. 1997 folgte schließlich die Gründung der BBT Automotive Components GmbH in ihrer heutigen Form, als unsere zunehmend namhaften Kunden immer größere Aufträge bei uns platzierten und die hergestellten Stückzahlen immer weiter stiegen.

Wirtschaftsforum: Was waren seitdem die größten Wendepunkte in der Unternehmensgeschichte? 

Karl Heinz Beckers: In den späten 2000er-Jahren hielten wir das weitere Wachstumspotenzial im Zündkabelgeschäft für endlich, auch wenn wir da später eines Besseren belehrt wurden. Vor diesem Hintergrund bauten wir zunehmend Produktionskapazitäten und -Know-how für die Fertigung von Zündspulen und Sensorik auf, womit wir unsere Herstellerkompetenz made in Germany noch deutlicher unterstreichen konnten. Damit gingen viele Vorteile im Handel und eine nachhaltige Stärkung unserer partnerschaftlichen Beziehungen zu unseren Kunden einher, einschließlich zu einem großen Player im Aftermarket, den wir nun schon seit über 25 Jahren beliefern – das kam für uns einem Ritterschlag gleich. Darüber hinaus haben wir bereits vor etlichen Jahren umweltfreundliche Luftmassenmesser entwickelt – eine Technologie, die wir uns auch patentieren ließen.

Wirtschaftsforum: Worin liegen heute die zentralen Herausforderungen Ihres Produktportfolios made in Germany? 

Karl Heinz Beckers: Wir engagieren uns grundsätzlich im Aftermarket-Segment, wo der Preis und die Qualitätsansprüche maßgeblich von chinesischen Konkurrenzprodukten bestimmt werden. In diesem Zuge haben auch wir Teile unserer einfacheren Werkzeugproduktion nach Asien verlagert, von wo wir die fertigen Komponenten anschließend zurückkaufen – anders könnten wir heute kaum noch wettbewerbsfähig im Markt auftreten. Unsere zentralen Produkte sind jedoch weiterhin made in Germany, auch wenn ich die Breitenwirkung dieses Anspruchs angesichts des zunehmenden Preisdrucks nicht überbewerten möchte. 

Wirtschaftsforum: Worin sehen Sie derweil die größten Marktchancen? 

Karl Heinz Beckers: Im Zündkabelmarkt sind wir in den letzten Jahren – wider Erwarten – stark gewachsen: Denn während der Kuchen zwar insgesamt kleiner wurde, konnten wir unseren Marktanteil durch die konsequente Hinzugewinnung weiterer Industriekunden deutlich steigern. Zudem stellen wir inzwischen auch Komponenten für klassische Fahrzeuge her, die weder die Hersteller noch andere Wettbewerber bereithalten – oftmals weil sie ihr Sortiment aufgrund der kleineren Stückzahlen um entsprechende Artikel bereinigt haben. Als Nischenanbieter greifen wir diese Lücke gerne auf und haben die Produktion der entsprechenden Teile samt dem angelagerten Werkzeugbau inzwischen perfektioniert – denn gerade bei klassischen Fahrzeugen darf man niemals Kompromisse bei der Qualität eingehen. 

Wirtschaftsforum: Trotz eines gesamtwirtschaftlich schwierigen Marktumfelds konnten Sie Ihr Auftragsvolumen so im Vergleich zum letzten Jahr ausbauen. 

Karl Heinz Beckers: Die Saat dafür wurde jedoch schon vor längerer Zeit gesät. Gleichzeitig arbeiten wir weiterhin an wirksamen Digitalisierungs- und KI-Maßnahmen. So wird in unserer Produktion inzwischen jeder Schritt digital erfasst, und auch in unseren weiteren Arbeits- und Lenkungsprozessen wollen wir mithilfe der KI eine weitgehende Arbeitserleichterung herbeiführen. Nachhaltigkeit ist für uns derweil nicht nur ein wichtiges Zukunftsthema, sondern wird durch die Photovoltaikmodule auf unserem Dach, eine effiziente Wärmerückgewinnungsanlage sowie eine Abfallverwertungsquote von über 90% bereits heute mit Leben gefüllt. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft der Mobilität? 

Karl Heinz Beckers: Ich glaube, die Zukunft der Mobilität wird ambivalent sein – weshalb es umso wichtiger ist, sich dieser Frage technologieoffen zu nähern. Die oftmals von staatlicher Seite lancierten Hypes, gefolgt von herben Enttäuschungen, scheinen mir dabei eher kontraproduktiv – vor allem, wenn weiterhin fraglich bleibt, wo die Fahrzeughalter in dicht besiedelten Großstädten eine ausreichende Ladeinfrastruktur vorfinden sollen. Ich persönlich gehe deshalb davon aus, dass es auch in zehn Jahren noch Verbrenner geben wird, vielleicht aber durchaus in anderer, nämlich hybrider Form. 

Wirtschaftsforum: Worin sehen Sie die wichtigsten Erfolgsgrundlagen Ihres Unternehmens? 

Karl Heinz Beckers: Am Ende des Tages sind es, glaube ich, vor allem unsere familiären Werte: Für uns zählen alle Mitarbeitenden mit ihren Ideen, ihrer Erfahrung und ihrem Einsatz – nur so können wir uns unsere Flexibilität erhalten. Denn in zehn Jahren werden wir wahrscheinlich andere Teile verkaufen als heute. Dazu müssen sich auch unsere Mitarbeitenden fachlich und persönlich beständig weiterentwickeln.

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