Globale Vernetzung und autonomes Fahren – eine Revolution in der Autovermietung

Interview mit Martin Gruber, Managing Director der Avis Budget Group für Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen und die Tschechische Republik

Wirtschaftsforum: Sie arbeiten in einer Branche, die derzeit einem starken Wandel unterliegt. Wo sehen Sie die Zukunft der Autovermietung? Und wird es diese in einigen Jahren überhaupt noch geben?

Martin Gruber: Die Industrie der Autovermietung entwickelt sich konstant weiter, zum einen durch Neueinsteiger, die jeden Tag neue Mobilitätsmodelle auf den Markt bringen, zum anderen durch die voranschreitende Digitalisierung. Das ist es, was unsere Industrie aufregend und schnelllebig macht. Bereits heute setzen Kunden für ihre Reisen zunehmend auf On-demand-Dienste. Wir, als Avis Budget Group, gehen davon aus, dass die Mobilität schon sehr bald vollständig vernetzt, integriert und auf Abruf verfügbar sein wird – und sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen als Dienstleistung angeboten wird. Wir verwalten derzeit rund 600.000 Fahrzeuge und haben im Jahr 2017 weltweit mehr als 39 Millionen Transaktionen an über 11.000 Standorten in 180 Ländern durchgeführt. Kurzum: Wir agieren auf weltweiter Ebene. Das Know-how entstammt aus den 70 Jahren unserer Arbeit in der Industrie. Dank dieser Erfahrungen ist die Avis Budget Group für die Mobilität der Zukunft gut gerüstet.

Um den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden, wird das Service-Angebot sowohl in die Breite als auch in die Tiefe aktiv ausgebaut.

Wirtschaftsforum: Das klingt nach großen Veränderungen. Was genau wird den Kunden erwarten?

Martin Gruber: Die nächsten fünf Jahre werden für die Autovermietungsbranche spannend. Technische Innovationen werden den Markt verändern. In einer Welt, in der sich die Konnektivität ständig weiterentwickelt, erfinden wir die Vermietung neu und digitalisieren unser Geschäft. So stellt die Avis Budget Group auch in Zukunft sicher, dass der Service bequem, personalisiert und automatisiert ist. Dafür wird aktuell unter anderem ein Update der Avis App in ausgewählten europäischen Ländern eingeführt. Auch durch erfolgreiche Partnerschaften mit Unternehmen wie Waymo positioniert sich das Unternehmen aktiv, um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.

Wirtschaftsforum: Der technische Fortschritt der letzten Jahre war enorm, Connected Cars ermöglichen neue wirtschaftliche Möglichkeiten für Autovermieter. Wie wirken sich diese Technologien auf Ihr Geschäft aus und nutzen Sie diese bereits?

Martin Gruber: Das steigende Aufkommen von Connected Cars gibt der Avis Budget Group die einzigartige Möglichkeit, unsere Prozesse mithilfe digitaler Tools enorm zu optimieren. Daher haben wir das Ziel, die Flotte zukünftig komplett vernetzt, integriert und auf Abruf zugänglich zu machen. Bis Ende 2018 möchten wir eine Flotte mit weltweit 100.000 vernetzten Fahrzeugen zur Verfügung stellen. Bis 2020 soll die globale Flotte sogar vollständig vernetzt sein. Dieser Prozess wurde Anfang des Jahres mit der Installation von 50.000 Geräten der Unified Telematics Platform eingeleitet.

Wirtschaftsforum: Stichwort autonomes Fahren: Auch wenn autonomes Fahren noch nicht zu unserem Alltag gehört, schreitet die Entwicklung rasant fort. Was bedeutet das für Ihre Branche und Ihre Kunden?

Martin Gruber: Langfristig sehen wir eine große Chance, das Mieterlebnis zu revolutionieren. Heute wählen die Kunden ihre Mietfahrzeuge nach der Fahrzeugklasse. In Zukunft, wenn autonome Autos zur Verfügung stehen, wählen sie es entsprechend ihrer bevorzugten Tätigkeit während der Reise: Brauchen sie die technische Ausstattung für Telefonkonferenzen und einen Arbeitsplatz? Oder lieber Liegesitze und Verdunklungsglas zum Schlafen? Wir prüfen kontinuierlich, wie wir mit diesen neuen Möglichkeiten das Kundenerlebnis weiter verbessern können.

Wirtschaftsforum: Worin sehen Sie die größte Herausforderung der nächsten Jahre?

Martin Gruber: Eine der Herausforderung für uns bei der Avis Budget Group wird es sein, die Kundenwahrnehmung zu verändern und ihnen zu zeigen, welche Chancen vernetzte und digitale Dienstleistungen bieten. Kunden sollen uns nicht mehr nur als zuverlässigen Mobilitätsservice sehen, den sie ein paar Mal im Jahr nutzen, sondern als solchen, den sie ein paar Mal pro Woche in Anspruch nehmen. Durch die Vielzahl unserer angebotenen Mobilitätsdienstleistungen sind wir schon heute in der Lage, unterschiedlichste Bedürfnisse zu erfüllen. Zukünftig möchten wir die Chance unseres weltweit etablierten Netzwerks noch intensiver nutzen, um die Mobilität der Zukunft aktiv zu gestalten und unseren Kunden so umfassende Mobilitäts-Services zu bieten wie möglich.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Mobilität

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Interview mit Dr. Bonna Newman, Chief Executive Officer der Lightyear Technologies B.V.

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Die Bedeutung nachhaltiger Mobilität ist in der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen. Der Erfolg dieser Transformation ist entscheidend, nicht nur als Maßnahme gegen den Klimawandel, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit…

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Interview mit PD Dr. Peter Kuhlang, Geschäftsführer der MTM SOLUTIONS GmbH

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Das MTM-Verfahren, das auf der zentralen Größe Leistung, also Arbeit pro Zeiteinheit basiert, findet in der Industrie weite Verbreitung. Seine Umsetzung ist im Detail jedoch nicht trivial. Die MTM SOLUTIONS…

Logistik, die begeistert

Interview mit Alexander Hewel, Geschäftsführer der KELLERGROUP

Logistik, die begeistert

Hidden Champion, Logistik-Versteher, Familienunternehmen: Für die ­KELLERGROUP aus Ditzingen gibt es viele Umschreibungen. Das Unternehmen selbst sieht sich vor allem als inhabergeführtes, mittelständisches Familienunternehmen aus Baden-Württemberg, das nah am Kunden…

Spannendes aus der Region Oberursel

Vom Projekt-Dschungel zur klaren Roadmap

Interview mit Christian Rawcliffe, Geschäftsführer der Assure Consulting GmbH

Vom Projekt-Dschungel zur klaren Roadmap

Wer in unsicheren Zeiten handlungsfähig bleiben will, braucht mehr als gute Absichten: Es geht um Klarheit, Prioritäten – und um konsequente Umsetzung. Genau hier setzt die Assure Consulting GmbH an.…

Bauen unter rollendem Rad

Interview mit Sebastian Glöckner, Geschäftsführer der eba-consult GmbH

Bauen unter rollendem Rad

Der Investitionsbedarf im deutschen Schienennetz ist immens, und nicht zuletzt durch das Sondervermögen der Bundesregierung sollen in Bälde umfangreiche Ertüchtigungsmaßnahmen umgesetzt werden. Dazu wird auch die Kompetenz einschlägig spezialisierter Bauüberwacher…

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Interview mit Alexander Kuhn, General Manager der Brother Sewing Machines Europe GmbH

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Nähen ist längst mehr als Handarbeit – es ist ein Zusammenspiel aus Kreativität, Technologie und Community. Moderne Haushaltsnähmaschinen sind vernetzt, softwaregestützt und Teil wachsender digitaler Plattformen. Wie sich ein traditionsreiches…

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr als Masse

Interview mit Martin Bauer, Geschäftsführer der terraplastik Spritzguss­technik GmbH

Mehr als Masse

Wer einen Spritzguss-Dienstleister sucht, findet schnell viele Angebote und doch selten einen wie diesen. terraplastik Spritzgusstechnik aus Merzig verbindet technische Kompetenz mit klaren Werten: Preistransparenz, Partnerschaft auf Augenhöhe und echte…

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Interview mit M.Sc. Jonas Plenge, Geschäftsführer der Plenge & Plenge GmbH & Co. KG

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Die Plenge & Plenge GmbH & Co. KG steht für innovative Industriearchitektur und integrative Planung. Das Petershagener Büro verbindet Architektur und Ingenieurleistung, setzt auf digitale Tools und realisiert nachhaltige, effiziente…

Wo Qualität sich im Ernstfall zeigt

Interview mit Hendrik Arlt, Geschäftsführer der ARLT Wach-, Schließ- und Schutzdienst GmbH

Wo Qualität sich im Ernstfall zeigt

In der Sicherheitsbranche zeigt sich Qualität oft erst dann, wenn es darauf ankommt. Solange nichts passiert, bleibt gute Arbeit meist unsichtbar; im Ernstfall jedoch zählen Verlässlichkeit, eingespielte Abläufe und ein…

TOP