„Der Schreibtisch allein reicht heute nicht mehr“
Interview mit Dominik Mock, Geschäftsführer der RaumFabrik Durlach

Wirtschaftsforum: Herr Mock, Sie leiten die RaumFabrik Durlach seit Februar 2020. Was hat sich seitdem verändert?
Dominik Mock: Mein Start fiel direkt in die Pandemie. Eine meiner ersten Amtshandlungen war, das Team kennenzulernen und alle wieder nach Hause zu schicken. Die RaumFabrik gibt es seit 2001, Ende 2026 feiern wir unser 25-jähriges Jubiläum. Als ich angefangen habe, hatten wir rund 65 Mieterunternehmen, heute sind es 113. Wir haben diese Zahl bei gleichbleibender Fläche fast verdoppelt, weil sich der Flächenbedarf pro Mietunternehmen in etwa halbiert hat. Kaum ein Unternehmen hat heute noch so viel Fläche wie vor der Pandemie.
Wirtschaftsforum: Wie ist die RaumFabrik heute aufgestellt?
Dominik Mock: Wir sind im Kernteam zu zehnt und managen rund 80.000 m2, auf denen über 3.000 Menschen täglich arbeiten. Dazu kommt ein großes Netz an Dienstleistern: Reinigungsfirmen, Architekten, Installateure und Handwerksbetriebe. Unser Portfolio besteht zu 85% aus Büroflächen, die restlichen 15% entfallen auf Gastronomie, Fitness, Praxen und sonstige Nutzungen.
Wirtschaftsforum: Was macht den Standort besonders?
Dominik Mock: Die RaumFabrik geht auf die 1872 gegründete PFAFF-Nähmaschinenfabrik zurück. Als das Unternehmen Ende der 1990er-Jahre insolvent wurde, übernahm eine Gruppe Karlsruher Unternehmer das Areal, um – so der damalige O-Ton – „ein Stück Heimat zu reparieren“. Die Fabrik liegt mitten in Durlach, dem ältesten und größten Stadtteil von Karlsruhe, nur fünf Minuten von der Altstadt entfernt. Das gibt es heute kaum noch: eine innerstädtische Industrieanlage inmitten von Wohngebieten. Auch unser Campus B hat eine besondere Geschichte:
Das Areal wurde damals von WEB.DE gekauft, einem der ersten Freemail-Anbieter in Deutschland. Die Gründer sind mit ihren Unternehmen noch heute bei uns ansässig.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen von einem „Work-Life-Campus“. Was steckt dahinter?
Dominik Mock: Das Büro allein reicht heute nicht mehr. Damit Mitarbeitende gern ins Büro kommen, braucht es einen Mehrwert über den Schreibtisch hinaus. Wir setzen auf drei Säulen: hochwertige, wenn auch kleinere Räume, eine Infrastruktur, die den Alltag erleichtert, sowie eine aktive Community. Zur Infrastruktur zählen E-Lademöglichkeiten, klimatisierte Räume, Gastronomie, Arztpraxen und Kinderbetreuung. Die Community fördern wir durch gemeinsame Events und Aktionen, Sportangebote, kulturelle Impulse oder soziale Initiativen wie unsere jährliche Blutspendeaktion. Im Sommer klappen unsere Hausmeister morgens die Liegestühle auf, fast wie im Hotel. Die Menschen sollen gern hierherkommen und nicht aufgrund einer ‘Stallorder’, wie manche Unternehmen das handhaben.
Wirtschaftsforum: Der Büromarkt hat sich seit 2020 gravierend verändert. Wie reagieren Sie darauf?
Dominik Mock: Der Trend geht klar zu kleineren Flächen. Durch Homeoffice und den zunehmenden KI-Einsatz ist der Flächenbedarf zurückgegangen. Viele Vermieter haben diese Trends nicht früh genug erkannt oder ihre Konzepte nicht angepasst. Wir haben früh gesagt: In jeder Veränderung steckt eine Chance. Wir vermieten kleinteilig, vom einzelnen Zimmer bis zu mehreren Tausend Quadratmetern für globale Tech-Unternehmen. Die Mieterstruktur ist breit: IT-Unternehmen, Ingenieurbüros, Anwaltskanzleien, Steuerberater, Kreativwirtschaft und Start-ups. Karlsruhe ist durch das KIT und die erste Informatikfakultät Deutschlands stark in den MINT-Berufen. Das spiegelt sich in unserem Mix wider.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Dominik Mock: Eine sehr konkrete. Wir haben 2018 begonnen, die RaumFabrik an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Karlsruhe anzuschließen – gemeinsam mit dm, dessen Unternehmenszentrale nur einen Kilometer entfernt liegt. Bei 80.000 m2 Fläche, die beheizt werden müssen, war das ein großer Meilenstein. Seit Oktober 2025 ist die RaumFabrik mit dem DGNB-Zertifikat in Gold für Quartiere im Bestand ausgezeichnet. Für Konzerne und internationale Unternehmen ist das heute eine Eintrittskarte: Sie müssen Nachhaltigkeitsberichte erstellen und mieten deshalb häufig nur noch Flächen in Green Buildings.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf die kommenden Jahre?
Dominik Mock: Das Büro ist nicht tot, es muss nur neu gedacht werden. Wir liegen bei einer Vermietungsquote von 98% und bauen den Standort weiter aus: Praxisflächen statt reiner Büronutzung, Gastronomie und Community-Angebote. Im September 2026 soll ein neuer asiatischer Gastronomiebetrieb eröffnen, nachdem das dortige Sternerestaurant 2025 Insolvenz angemeldet hatte. Wir wandeln Flächen je nach Bedarf um und wollen einen lebendigen Standort betreiben, keinen reinen Büropark. Beim Thema KI stecken wir noch in den Kinderschuhen, bauen diesen Bereich aber mit Unterstützung von Mietunternehmen aus, die sich genau darauf spezialisiert haben. Ich bin überzeugt, dass die RaumFabrik auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem die Menschen gerne zur Arbeit kommen, weil sie sich hier zu Hause fühlen. Und genau dafür lohnt es sich, jeden Tag an diesem Standort weiterzuarbeiten.













