Gesundheit made in Germany

Interview mit Dr. Jürgen Ott (Dermapharm Holding SE) und Dr. Christoph Willers (Allergopharma GmbH & Co. KG)

Wirtschaftsforum: Vor Kurzem wurde die Allergopharma GmbH & Co. KG in die Dermapharm-Gruppe integriert. Was ist der Hintergrund?

Dr. Jürgen Ott: Dermapharm beschäftigt sich mit verschiedenen Bereichen der Gesundheit und neben der Haut sind allergische Erkrankungen ein strategischer Fokus unserer Unternehmensgruppe. Durch Allergopharma erweitern wir unsere Kompetenz in der Immuntherapie zur Behandlung von Allergien und bauen unser Therapiegebiet der Dermatologie weiter aus. Unsere Strategie ist es, in relevanten Nischen im Markt zu spielen und dort eine dominante Rolle einzunehmen. Dadurch sind wir sehr breit aufgestellt und das gibt uns wiederum sehr viele Möglichkeiten, Synergien zu heben und Dinge gemeinsam nach vorne zu bringen.

Dr. Christoph Willers: Allergopharma profitiert von der Dynamik der Gruppe und ihrer Bereitschaft, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Unser Fokus auf die Behandlung von Allergien passt gut zu übrigen Feldern der Derma-pharm AG. Gemeinsam können Dermapharm und Allergopharma Patienten mit Allergien sowohl symptomatische als auch kausale Therapien anbieten – das ist eine ideale Ergänzung.

Wirtschaftsforum: Wie ist die Strategie von Allergopharma? Welche Stärken bringt das Unternehmen in die Dermapharm-Gruppe mit ein?

Dr. Jürgen Ott: Was uns 2020 in einem COVID-Jahr positiv überrascht hat ist, dass es ein Markt ist, der seit Langem wächst, und dieses Wachstum ist auch im vergangenen Jahr nicht unterbrochen worden. Das zeigt, welchen Bedarf es für diese Therapien gibt. Dieses Potenzial wollen wir nutzen. Wir investieren weiter in die Therapie und wollen als Dermapharm-Gruppe mit der Allergopharma wachsen.

Dr. Christoph Willers: Allergopharma ist Spezialist für die subkutane Immuntherapie (SCIT) und in diesem Bereich Marktführer in Deutschland mit einer breiten Palette hochdosierter, hypoallergener Präparate. Die Immuntherapie wird immer besser und ausgereifter und daran arbeiten wir aktiv mit, indem wir in der Forschung und Entwicklung tätig sind. Ein wichtiges Ziel ist, die Compliance der Patienten zu erhöhen, damit möglichst viele die Immuntherapie, die drei Jahre dauert, auch beenden. Aus diesem Grund haben wir im vergangenen Jahr zum Beispiel eine Innovation für eine schnellere Aufdosierung zur Behandlung der Gräserpollenallergie auf den Markt gebracht, sodass die Therapie effektiver und damit erfolgreicher ist.

Wirtschaftsforum: Welche Themen beschäftigen Sie innerhalb der Dermapharm-Gruppe? Wie wirken sich diese auf Ihr Portfolio aus?

Dr. Jürgen Ott: Unser Kerngeschäft sind die Markenarzneimittel und andere Gesundheitsprodukte. In diesem Bereich sehen wir uns jedoch einem immer stärkeren Druck durch die Rabattverträge ausgesetzt. Über 90% unserer Produkte kommen aus Deutschland. Wir produzieren bewusst in Deutschland und uns ist es wichtig, diese Qualität made in Germany zu erhalten. Aus diesem Grund haben wir unser Portfolio auch sehr systematisch in Richtung OTC ergänzt, um nicht so abhängig von Rabattverträgen zu sein. Ein interessanter Bereich ist hier zum Beispiel die Hyperthermie. Unser Medizinprodukt bite away® lindert mit konzentrierter Wärme im Bereich um 51°C zuverlässig den durch Insektenstiche und -bisse ausgelösten Juckreiz und ist ein sehr erfolgreiches Produkt. Die gleiche Technologie nutzen wir auch beim Produkt Herpotherm® zur Behandlung von Lippenherpes.

Wirtschaftsforum: Die Pharmaindustrie ist stark umkämpft. Wie schaffen Sie es, sich im Wettbewerb zu behaupten?

Dr. Jürgen Ott: Wir positionieren uns zwischen den klassischen großen Pharmaplayern auf der einen und den Generikaherstellern auf der anderen Seite. Unsere Kernkompetenz liegt im Bereich der Produktion und Inhouse-Entwicklung sowie im genauen Verständnis der Kundenbedürfnisse. Wir haben eine hochintegrierte und sehr flexible Produktion. Über 90% der Produktion erfolgt im eigenen Haus, dadurch können wir sehr schnell auf Bedürfnisse im Markt reagieren und die Lieferketten sicherstellen. Darüber hinaus sind die langjährigen Beziehungen zu unseren Kunden ein weiterer Vorteil.

Wirtschaftsforum: In der Zukunft möchte die Dermapharm-Gruppe weiter wachsen. Wie möchten Sie dieses Wachstum realisieren?

Dr. Jürgen Ott: Wir haben drei Säulen, auf denen unser Wachstum aufbaut. Die erste Säule sind die eigenen Produktentwicklungen. Ein zweiter, wichtiger Bereich ist die Erweiterung unseres internationalen Footprints. Ein hoher Anteil des Umsatzes kommt aus Deutschland, aber inzwischen sind wir auch in Großbritannien, Italien, Spanien und in den USA präsent. Ebenso betreiben wir unser Geschäft seit vielen Jahren in Österreich, der Schweiz, Kroatien, Polen und der Ukraine. Ausgewählte Produkte aus dem bestehenden deutschen Produktportfolio sowie neue Produktentwicklungen werden wir in diesen europäischen Märkten sowie außerhalb Europas einführen. Über ein Tochterunternehmen expandieren wir auch erfolgreich via Cross-Border E-Commerce nach China. Die dritte Säule ist der Bereich M&A. Grundsätzlich wollen wir jedes Jahr organisch wachsen, hauptsächlich durch Wachstum in unseren Kernbereichen. Dieses Wachstum ergänzen wir durch Akquisen, die dann auch zu unseren Kernbereichen passen oder diese ergänzen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Gesundheit, Medizin & Pharma

Wo jeder Tropfen zählt

Interview mit Dipl.-Ing. Mirko Ebeling, Geschäftsführer und Gründer der Ebetech GmbH

Wo jeder Tropfen zählt

Die globale Pharmaindustrie wächst rasant: Neue Therapieformen, eine alternde Weltbevölkerung und der verbesserte Zugang zu Medikamenten in Schwellenländern sorgen für anhaltend hohe Nachfrage. Wer in diesem anspruchsvollen Umfeld liefern will,…

Das Herz der digitalen,­­ ­vernetzten Zahnarztpraxis

Interview mit Wilhelm Baumeister, Produktmanager der solutio GmbH & Co. KG

Das Herz der digitalen,­­ ­vernetzten Zahnarztpraxis

Schon seit Jahrzehnten vertrauen viele Zahnarztpraxen auf charly, das schlagkräftige Praxisverwaltungssystem von solutio. Nicht nur durch die vielfältigen Möglichkeiten der KI konnte das Unternehmen seine Lösungen in letzter Zeit deutlich…

Evidenzbasierte Lösungen gegen Allergien

Interview mit Mag. Heidelinde Schopper, Geschäftsführerin der ALK-Abelló Allergie-Service GmbH

Evidenzbasierte Lösungen gegen Allergien

Die kausale Behandlung von Allergien hat in den letzten Jahren vielfältige Fortschritte erfahren – unter anderem getrieben durch die zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des Unternehmens ALK-Abelló, das sich seit einem…

Spannendes aus der Region Kreis Stormarn

Die gesamte Wertschöpfung in der Windkraft

Interview mit Mika Lange, General Manager der neowa GmbH

Die gesamte Wertschöpfung in der Windkraft

Die Neuerrichtung einer Windkraftanlage ist nur ein anfänglicher Teil der Wertschöpfungskette. Denn irgendwann werden ihr Rückbau und die Verwertung ihrer Komponenten beziehungsweise möglicherweise auch eine Zweitverwendung an einem anderen Standort…

Wohlfühlwelten für Mensch und Pferd

Interview mit Detmar Wiltfang, Geschäftsführer der Viebrockreithallen GmbH & Co. Betrieb KG

Wohlfühlwelten für Mensch und Pferd

Pferdehaltung und Reitsport haben eine lange Tradition und sind für viele Menschen Ausdruck von Lebensfreude, Freiheit und Nähe zur Natur. Die Viebrockreithallen GmbH & Co. Betrieb KG in Harsefeld verbindet…

„Unser Ziel ist, Mobilität und Lebensqualität langfristig zu erhalten“

Interview mit Meike Buchholz, Geschäftsführerin der PKB Praxis-Klinik Bergedorf GmbH

„Unser Ziel ist, Mobilität und Lebensqualität langfristig zu erhalten“

Rückenschmerzen, Gelenkverschleiß und Bewegungseinschränkungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Gefragt sind Versorgungskonzepte, die Prävention, Therapie, Operation und Rehabilitation verbinden. Die PKB Praxis-Klinik Bergedorf in Hamburg verfolgt diesen…

Das könnte Sie auch interessieren

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Interview mit Ciril Faia, CEO Curium International

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich knapp 80.000 Männer neu daran. Bei einer Früherkennung sind die Heilungschancen sehr gut. In Deutschland hat Curium…

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Interview mit Dr. Michael Kickuth, Geschäftsführer DACH der Recordati Rare Diseases Germany GmbH

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Seltene Erkrankungen gelten als Nischen – medizinisch komplex, wirtschaftlich herausfordernd, politisch unterbelichtet. Doch gerade hier entscheidet Tempo über Lebensqualität. Die Recordati Rare Diseases Germany GmbH positioniert sich bewusst jenseits klassischer…

Die Kunst der feinen Drähte

Interview mit Sebastian Ablas, Geschäftsführer der Heinrich Stamm GmbH

Die Kunst der feinen Drähte

Präzision im Mikrometerbereich, jahrhundertealte Erfahrung und ein klarer Fokus auf Innovation: Die Heinrich Stamm GmbH aus Iserlohn zählt zu den Spezialisten der internationalen Drahtindustrie. Das traditionsreiche Unternehmen entwickelt und produziert…

TOP