Strukturen der Zukunft: Mit jeder Faser überzeugend

Interview mit Marc Fette, COO der CTC GmbH

Marc Fette, COO von CTC, beschreibt das Verhältnis zur Muttergesellschaft so: „Wir sind ein Innovationszentrum für Airbus. Als Tochter sind wir stark an die Luftfahrtbranche geknüpft, aber auch in anderen Branchen tätig. Das hat uns in der Corona-Krise geholfen.“

20% betrug der Anteil des externen Business in den vergangenen Jahren, etwa 35 bis 40% werden es voraussichtlich im nächsten Jahr werden. Neben der Automobilbranche werden die Kompetenzen aus Stade auch im Maschinenbau, der Windkraftindustrie oder dem Military und Space benötigt.

„Als Industrialisierungs- und Digitalisierungsspezialisten sind wir im Strukturbereich von Flugzeugen wie auch in der Kabine tätig und decken die gesamte Wertschöpfungskette bis zur Betrachtung von Reuse und Recycling von Kohlenstofffasern ab“, so Marc Fette. Das CTC ist ein Inkubator für Innovationen, insbesondere für Technologien zur schnelleren und effizienteren Faserverbundverarbeitung.

„Zusammen mit VW und Audi haben wir den ersten industriellen Standard aus Faserverbundwerkstoffen in der Automobilproduktion entwickelt, ein ein modulares Produktions- und Greifersystem, dass das Gewicht an Robotern reduziert“, so der COO.

Bislang und heute nutzt man als Greifersysteme an den Robotern in der Fahrzeugmontage metallische Komponenten. Er erklärt: „Ich benötige das Wissen über die Materialien und Prozesse bis hin zur späteren Montage der Gesamtkomponente sowie über Bauweisen und die entsprechenden Entwicklungsmethoden.“

So ist CTC nicht nur im Manufactuoring Engineering, sondern auch im Engineering-Bereich tätig. Neu entwickelte Technologien werden bis zur technologischen Reife gebracht, so dass sie von CTC im Werk des Kunden implementiert werden können.

„Überall, wo ich bewegte Massen habe, ist der Leichtbau sinnvoll.“ Marc FetteCOO
Marc Fette

Wissenschaftliche Allianzen

In einem eigenen Technologiezentrum mit einer gekühlten Fläche von 2.500 m² werden kleine Testkomponenten bis hin zu großen Faser- und Hybridstrukturen gefertigt. „Wir sind stark mit der Wissenschaft verlinkt. Zurzeit finanzieren wir zehn Doktoranden und sind in ganz Europa mit den führenden Universitäten vernetzt“, erzählt Marc Fette.

Die Arbeit in interdisziplinären Teams bringt innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse, die normalerweise zwei- bis dreimal so viel Zeit in Anspruch nehmen würden. „Diesen Mehrwert wollen wir dem Konzern zurückgeben“, sagt er. 50 Mitarbeiter sind bei CTC fest angestellt, weitere 50 zählen zum Partnernetzwerk am Standort. Daneben sind 15 bis 20 Studenten sowie Mitarbeiter kooperierender Firmen vor Ort eingebunden. CTC erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund elf Millionen EUR.

Nachhaltigkeit im Fokus

Leichtbau ist nicht nur bei Flugzeugstrukturen in der Zukunft gefragt. Auch Military, Space, Sonderfahrzeuge oder das Bahnwesen profitieren von der Verwendung von Faserverbundwerkstoffen. „Meist geht es um mobilitätsgetriebene Systeme. Überall, wo ich bewegte Massen habe, ist der Leichtbau sinnvoll, um eine höhere Performance zu haben oder weniger Energie zu verbrauchen sowie Schadstoffemissionen zu senken“, macht Marc Fette deutlich.

Der Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanke spielt bei CTC auch in anderer Hinsicht eine große Rolle: „Die Produktionseffizienz und ökologische Bilanzierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette und des Lebenszyklus eines Luftfahrzeugs stehen bei uns seit vielen Jahren im Fokus. In der Luftfahrt sind wir ein relativ starker Vorreiter. Seit zehn Jahren verfolgen wir Ansätze der Wiederverwertung, um Materialien wieder in den Kreislauf zurückzuführen“, betont der COO.

Wissenstransfer zu Airbus

Marc Fette war ursprünglich luftfahrzeugtechnischer Offizier bei der Bundeswehr und hat Maschinenbau und zusätzlich Business Administration (MBA) studiert. Seine Abschlussarbeit hat er bei CTC und Airbus geschrieben, wo ihn seine Leidenschaft für Technik festgehalten hat. Zunächst arbeitete er dort nebenberuflich an Projekten; Mitte letzten Jahres wurde er COO. Themen wie Ökoeffizienz und wasserstoffbetriebenes Fliegen, aber auch die Leichtbau-Digitalforschung sieht er als Treiber der Zukunft.

„Wissen können wir uns u.a. in anderen Branchen und in übergreifenden Projekten aneignen, um es nun zunehmend in die Luftfahrt zu übertragen.“ Der große Querschnitt an Themen im Luftfahrt- und Leichtbaubereich soll weiterhin beibehalten werden. Am Ende steht ein großes Ziel: „Wir wollen das führende Leichtbau-Technologiezentrum für Luftfahrt nicht nur in Deutschland, sondern in Europa werden.“

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