Investitionen in die Zukunft

Interview

„Grundsätzlich investieren wir in Unternehmen, die in Entwicklungsländern Produkte und Dienstleistungen anbieten, die auf breite Bevölkerungsschichten ausgerichtet sind“, verdeutlicht Christian Etzensperger, Head Corporate Development & Strategy der responsAbility Investments AG. „Wichtig dabei ist die Skalierbarkeit durch Finanzierung: Je schneller die Unternehmen wachsen, umso mehr Menschen können sie bedienen – und damit steigt ihre Entwicklungswirkung.“

Grundbedarf erfüllen

Bei ihren Anlagen konzentriert sich die responsAbility Investments AG ganz bewusst auf Sektoren des Grundbedarfs, also auf Finanzen, Energie, Gesundheit und Bildung sowie Landwirtschaft.

„Die meisten Leute in diesen Ländern haben keinen Zugang zu vernünftigen Finanzdienstleistungen wie Krediten, Sparen oder Überweisungsmöglichkeiten“, weiß Christian Etzens-perger.

Erneuerbare Energien

Eine andere Sparte ist die Energie und hier vor allem der Bereich erneuerbare Energien. Christian Etzensperger: „Ein einfaches und robustes Solarsystem ersetzt zum Beispiel Kerosinlampen und die Produktion schmutziger Energie.“

Handlungsbedarf sieht der Manager noch bei Gesundheit und Bildung: „Durch die Bereitstellung von mobilen Toiletten sorgt ein indischer Investitionsnehmer für mehr Hygiene auf Baustellen – und damit für Gesundheit. Auf diesem Gebiet ist der Spielraum gewaltig.“

Christian Etzensperger, Head Corporate Development
Als Asset Manager sind wir in einer Nische tätig, die jedoch sehr schnell wächst. Christian EtzenspergerHead Corporate Development

Ganz ähnlich sieht es bei der Landwirtschaft aus. „Obwohl Agrikultur in diesen Ländern einen großen Teil der Wirtschaft ausmacht, wird sie meist vernachlässigt. Finanzierung und Marktzugang sind oft problematisch. Deshalb haben wir einen Fonds für die Landwirtschaft aufgesetzt, der zu den größten seiner Art zählt.“

Sympathisches Produkt

Die responsAbility Investments AG setzt auf Diversifizierung. Bislang hat sie in rund 530 Unternehmen in 93 Ländern investiert. Auch Kleinanleger werden angesprochen. Deshalb ist es wichtig, die Risiken der Anlage zu minimieren.

Der seit 2003 bestehende größte Mikrofinanz-Fonds ist in der Schweiz auch für den öffentlichen Vertrieb zugelassen und verwaltet inzwischen über eine Milliarde USD an Anlagevermögen.

Private Anleger machen rund die Hälfte der Investoren aus, die andere Hälfte sind institutionelle Anleger wie etwa Pensionskassen. Für letztere hat responsAbility eine ganze Reihe von Produkten entwickelt, etwa für Family Offices, Anlageberater neben festverzinslichen Anlagen auch im Bereich Private Equity.

„Wir vertreiben Anlageprodukte zu den Themen Mikrofinanz und nachhaltige Landwirtschaft über Banken“, erklärt Christian Etzens-perger. Institutionelle Investoren hingegen werden direkt angesprochen.

International ausgerichtet

Die Belegschaft ist international ausgerichtet. Von den mittlerweile 200 Beschäftigten sind mehr als 50 erst 2014 zum Unternehmen gekommen. Das Investitionsvolumen beträgt 2,6 Milliarden USD, das Wachstum liegt bei 28% jährlich.

CEO ist Klaus Tischhauser, der responsAbility Investments 2003 mit Gleichgesinnten gründete. Er hat eine Minderheitsbeteiligung. Gesellschafter sind die Mitarbeiter (30%), Privatinvestoren (20%), sowie namhafte Finanzinstitute wie Swiss Re, Vontobel, Bank Baumann & Cie und Raiffeisen.

Investmentteams

Neben dem Hauptsitz Zürich gibt es Investmentteams in Lima, Nairobi, Mumbai, Hongkong und Bangkok. Osteuropa und Zen-tralasien werden von Zürich und Paris aus bedient. Zudem gibt es Vertriebsbüros in Genf, Oslo und Luxemburg.

Die meisten Investoren stammen aus der Schweiz. Seit 2015 werden die Produkte auch in Skandinavien vertrieben. Außerdem gehören semiprofessionelle und professionelle Anleger in Deutschland zu den Kunden.

Langfristiger Trend

„Als Asset Manager sind wir in einer Nische tätig, die jedoch sehr schnell wächst“, erläutert Christian Etzens-perger. „Wir sind überzeugt davon, dass nachhaltig auf Entwicklung ausgerichtete Anlagen in Entwicklungsländern langfristige Trends sind.“

Der weltweite Marktführer in dieser Nische setzt – im Gegensatz zu Mitbewerbern – sehr stark auf private Investoren und versucht, weitestgehend ohne Zuschüsse und staatliche Hilfen auszukommen. Dabei ist responsAbility Investments jedoch nicht fundamentalistisch.

Christian Etzensperger: „Gerade bei Pionierprojekten kann die Zusammenarbeit mit einem öffentlichen Partner sinnvoll sein. So bauen wir zum Beispiel seit 2014 über eine Beteiligungsgesellschaft gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau Kleinwasserkraftwerke in Ostafrika.“

Zudem soll in naher Zukunft ein auf Indien ausgerichteter Fonds für Energie, Landwirtschaft und Gesundheit lanciert werden. In Indien bestehe riesiger Bedarf und ein entwickelter Private-Equity-Markt. Und es gibt einen weiteren Grund: „Wir haben dort ein Team mit Mitarbeitern, die das können.“

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