Webcode:

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.

https://www.getdigital.de - Gadgets und mehr für Computerfreaks

Von der Straße auf die Schiene

Interview mit Ralf Dahlinger, Geschäftsführer der KTL Kombi-Terminal Ludwigshafen GmbH

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Ein starker Partner ist immer eine gute Voraussetzung für Erfolg – so auch bei KTL. In der im Jahr 1999 beginnenden Unternehmensgeschichte spielt der weltweit größte Chemiekonzern BASF SE eine nicht unwesentliche Rolle. Als einer von fünf Gesellschaftern hält er 40% der Anteile und ist zudem Eigentümer des Terminals in Ludwigshafen. Auch die anderen Gesellschafter, Kombiverkehr (20%), Hupac (15%) sowie Hoyer und Bertschi (jeweils 12,5%), sind wichtige Akteure im Kombinierten Verkehr und nutzen das Terminal intensiv.

Ralf Dahlinger, Geschäftsführer von KTL, kennt das Unternehmen schon lange. „Von 2001 bis 2005 war ich als BASF-Terminalbeauftragter mit der Projektleitung für den Ausbau des Terminals betraut“, berichtet er. Als 2015 ein Nachfolger für die Geschäftsführung gesucht wurde, nahm er diese Aufgabe gern an. Seitdem ist er nicht nur für den laufenden Betrieb, sondern auch für die Zukunftsausrichtung des Unternehmens sowie in weiten Teilen für die Außendarstellung verantwortlich.

Ein führendes Umschlagterminal Strasse / Schiene in Europa

„Eigentlich gab es von Beginn an nur eine Richtung: steil nach oben“, sagt der Geschäftsführer. Nachdem 2000 der Betrieb aufgenommen worden war, folgte bereits Anfang 2005 die erste Erweiterung – und im Jahr 2012 die zweite. In den letzten Jahren sei eine gewisse Sättigung eingetreten, erklärt er. „Wir werden als das größte Binnenterminal in Deutschland gehandelt. In Europa sind wir unter den Top 3.“

Mit 180 Mitarbeitern bewältigte KTL 2018 den Umschlag von 354.000 Ladeeinheiten. Der Jahresumsatz liegt bei 22 Millionen EUR, verteilt auf fünf Geschäftsfelder. Schwerpunkt ist der europäische Landverkehr auf Straße und Schiene.

„Unsere Gesellschafter decken drei Stufen der Prozesskette des Kombinierten Verkehrs ab“, erläutert Ralf Dahlinger und betont: „Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir uns so gut entwickeln konnten.“

Weitere Gründe sieht er im richtigen Standort mit der räumlichen Nähe zu BASF SE als einen der zentralen Verlader, der modernen Anlage und einem von Beginn an guten Konzept. Als öffentliches Terminal darf jeder, der ein berechtigtes Interesse hat, dieses nutzen.

„Absender und Empfänger aus der ganzen Metropolregion sind Kunden des Terminals. Unsere Leistung ist regional beschränkt; wir haben ein Einzugsgebiet von etwa 100 km.“ Dabei arbeitet KTL systembedingt mit vielen anderen Terminals in Europa eng zusammen. 25 Relationen in Europa werden täglich angefahren.

Ralf Dahlinger, Geschäftsführer der KTL Kombi-Terminal Ludwigshafen GmbH
„Wir werden als das größte Binnenterminal in Deutschland gehandelt. In Europa sind wir unter den Top 3.“ Ralf DahlingerGeschäftsführer

Engpass Abstellfläche

Das Geschäft erstreckt sich auf fünf Bereiche: Den Terminalbetrieb, das Trucking mit einem eigenen LKW-Fuhrpark, der die „erste und letzte Meile“ abdeckt, die Agentur, die die Buchungen entgegennimmt und die Papierabfertigung für alle Operateure übernimmt, das Gefahrstofflager sowie die Werkstatt, die technische Serviceleistungen in Form von Kleinreparaturen an Ladeeinheiten durchführt. Die Herausforderung besteht für Ralf Dahlinger darin, sich an die Veränderungen auf dem Markt anzupassen.

„Der Ladeeinheitenmix hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, Sattelauflieger sind stark im Kommen. Seit unserer Gründung ist der Anteil von 6% auf etwa 20% gestiegen.“ Das Problem an dieser Entwicklung: Trailer sind nicht stapelfähig. „Ein Trailer belegt bei der Stapelhöhe von drei den gleichen Platz wie etwa neun Container“, macht der Geschäftsführer deutlich. Auch das Abstellverhalten der Kunden habe sich verändert. „Unser Engpass sind deshalb derzeit die Abstellflächen.“

Digitales Potenzial

„Im digitalen Bereich gibt es bereits gute Lösungen und erfolgsversprechende Ansätze, insgesamt hat der Kombinierte Verkehr aber noch deutliches Entwicklungspotenzial“, meint Ralf Dahlinger und erklärt: „Tracking und Tracing funktionieren noch nicht flächendeckend. Das heißt, dem jeweiligen Kunden wird noch nicht automatisch mitgeteilt, wo sich der Container gerade befindet.“ Doch das soll sich ändern. In einem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Forschungsinitiative Modernitätsfond (mFUND) geförderten Projekt entwickelt KTL zusammen mit anderen großen Playern des Kombinierten Verkehrs Lösungen für diese Thematik.

Das Ziel des Projekts ist, den jeweiligen Kunden ‘door to door’ lückenlose Informationen zur Verfügung zu stellen. „Die Teilnahme an diesem Projekt ist eine große Ehre, aber auch Herausforderung für uns“, betont der Geschäftsführer.

Um die Abfertigung für die Kunden zu beschleunigen, wird zudem derzeit ein Pilotprojekt gestartet. „Wenn wir von unseren Kunden vorab vollständige und valide Buchungsdaten bekommen, werden die Fahrzeuge direkt auf einer Express-Spur auf dem Parkplatz abgefertigt, ohne dass die Fahrer in die Agentur kommen müssen. In die Infrastruktur haben wir entsprechend investiert.“

Die persönliche Betreuung in der Agentur wird daneben weiterhin angeboten. Ralf Dahlinger sieht im Kombinierten Verkehr ein riesengroßes Potenzial. „Dazu muss aber die Verlässlichkeit des Angebots deutlich besser werden, Zugverspätungen und Zugausfälle müssen reduziert werden.“

Mithilfe seiner modernen und sehr funktionell auf Service und Sicherheit ausgerichteten Anlage sowie der kompetenten und verschworenen Mannschaft soll das Unternehmen weiter wachsen. Die Zukunft wird in jedem Fall digitaler und automatisierter: „Automatikkrane, fahrerlose LKW und die stärkere Vernetzung von intelligenten Systemen ist teilweise schon Gegenwart.“

TOP