Schlag auf Schlag zum Erfolg

Interview mit Anthony Douglas, CEO von Hole19 Golf

Wirtschaftsforum: Herr Douglas, was war für Sie die ‘Initialzündung’, Ihr persönlicher Antrieb für Ihre Unternehmensgründung?

Anthony Douglas: Für mich als Durschschnittsgolfer war mein persönlicher Antrieb der Wille, mein Golfspiel (durch mehr Datenanalyse) zu verbessern. Es gab zwar andere Plattformen, aber von der User-Experience her schienen diese veraltet – mit Hole19 wollte ich eine moderne User-Experience mit einfacher Dateneingabe in die Golfindustrie bringen. Hole19 hilft Golfspielern, sich selbst zu übertreffen und die beste Version von sich selbst zu werden.

Wirtschaftsforum: Die drei allgemeinen Definitionen für Start-ups – innovatives Geschäftsmodell, weniger als zehn Jahre am Markt, signifikantes Mitarbeiter- beziehungsweise Umsatzwachstum – treffen auch auf Ihr Unternehmen zu. Worin unterscheiden Sie beziehungsweise Ihr Unternehmen sich vom Rest der Gründerszene?

Anthony Douglas: Ein Start-up wird allgemein als eine Organisation definiert, die ein funktionierendes und skalierbares Geschäftsmodell aufbaut. Wir haben mit Hole19 in knappen dreieinhalb Jahren über 1,2 Millionen Nutzer in über 180 Ländern, und das alles per Knopfdruck und mit einem gratis verfügbaren Produkt. Seit Kurzem sind wir jedoch dabei, unser Geschäftsmodell auszubauen. Im Zuge dessen haben wir unsere Nutzerbase über Europa hinaus ausgeweitet, ebenso wie auch unsere Umsätze.

Wirtschaftsforum: Welche für Sie entscheidenden und/oder auch überraschenden Ereignisse haben Ihre bisherige Unternehmensentwicklung begleitet und geprägt?

Anthony Douglas: Zum einen war das für mich als Solo-Gründer das Einstellen der ersten Teammitglieder, da diese auch die Grundlage unserer Firmenkultur definiert haben. Eine Idee ist nichts ohne Umsetzung, und für die Umsetzung braucht man ein Team. Das andere war die erste Finanzierungsrunde: Da wir mit Hole19 zuerst nur ein Gratisprodukt hatten, war das ein entscheidendes Ereignis. So gaben uns unter anderem Frank Thelen, Marc Sieberger und Alex Koch als unsere ersten Investoren die notwendige Unterstützung, damit wir unsere Nutzerzahlen erhöhen konnten.

Wirtschaftsforum: Welche Werte sind Ihnen in Bezug auf Ihre Unternehmenskultur besonders wichtig?

Anthony Douglas: Unsere Unternehmenswerte sind Rücksichtnahme (Be caring), Freude (Enjoy the ride), Lösungsorientiertheit (Be solution driven), Ehrgeiz (Be ambitious), Strebsamkeit (Keep growing) und schließlich anderen vertrauen, sie inspirieren und sie motivieren (Do it, own it, share it). Diese Werte sind für uns wie ein Leuchtturm, der uns Orientierung und Fokus bietet. Gleichzeitig helfen sie uns auch bei der Auswahl neuer Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Sie hatten in Ihrer bisherigen Laufbahn als Unternehmer und Firmengründer Erfolge und Misserfolge. Wie haben Letztere Sie als Gründer persönlich geprägt und was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?

Anthony Douglas: In einem Start-up ist es oftmals wie in einer Achterbahn. Es geht rauf und runter. Es werden viele Fehler gemacht und das Wichtigste ist, schnell aus diesen Fehlern zu lernen. Misserfolge, die mich persönlich geprägt haben, waren das Einstellen von Team-Mitgliedern, die nicht zu uns gepasst haben, oder vielleicht auch, sich nicht schnell genug von ihnen getrennt zu haben. In den ersten Tagen eines Unternehmens ist eine positive Unternehmenskultur sehr wichtig und eine Person, die auf Papier einen tollen Eindruck macht, muss nicht immer die richtige für ein junges Unternehmen sein. Oftmals wiegt Motivation mehr als Erfahrung, und das habe ich am Anfang oft vergessen. Heute integrieren wir bei der Auswahl neuer Mitarbeiter unsere Unternehmenskultur und unsere Werte in unseren Interviewprozess, um Fehler zukünftig zu vermeiden.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie den wichtigsten Erfolg in Ihrer bisherigen unternehmerischen Entwicklung und an welchen kleinen ‘Stellschrauben’ würden Sie zukünftig gern noch drehen, um Ihr Geschäftsmodell weiterhin auszubauen?

Anthony Douglas: Unser Plan war es immer gewesen, zuerst unsere Community aufzubauen. Erst nachdem wir eine Million Nutzer hatten, haben wir unser Geschäftsmodell ausgearbeitet. In der Golfwelt gibt es insgesamt 70 Millionen Golfspieler – wir sind wirklich zufrieden mit dem, was wir mit wenig Geld bisher geschafft haben. Jetzt wollen wir unser Geschäftsmodell weiter ausbauen. Die Golfindustrie ist über 70 Milliarden USD wert – wir denken, dass wir ein ernsthafter Player mit einem Riesenpotenzial in diesem Markt sind.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte beziehungsweise Dienstleistungen stehen aktuell bei Hole19 besonders im Fokus?

Anthony Douglas: Bei uns sind die Schwerpunkte momentan Media Sales, unser Premium-Produkt und unsere Online-Buchungsfunktion. Im Media Sales-Bereich arbeiten wir schon mit namhaften Marken wie beispielsweise FootJoy, Casio oder Sheraton und haben auch langfristige Deals mit etlichen Tourismusverbänden und Golfresorts abgeschlossen. An unserem Premiumprodukt arbeiten wir täglich, um unseren Nutzern neue Funktionen anzubieten. Beim Thema Online-Booking ist momentan nur eins wichtig – das Leben für Golfspieler in mehreren Ländern zu erleichtern. Aktuell kann man via Hole19 auf über 3.100 Golfplätzen in der Welt online seine Startzeit buchen (USA, Portugal, Spanien). Wir wollen natürlich diese Funktion in mehr Ländern verfügbar machen.

Wirtschaftsforum: Ihre Branche ist in stetigem Wandel. Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf bis zehn Jahren?

Anthony Douglas: Hole19 wird in fünf bis zehn Jahren die größte Golf-Community der Welt sein.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Interview mit Dr. Michael Kickuth, Geschäftsführer DACH der Recordati Rare Diseases Germany GmbH

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Seltene Erkrankungen gelten als Nischen – medizinisch komplex, wirtschaftlich herausfordernd, politisch unterbelichtet. Doch gerade hier entscheidet Tempo über Lebensqualität. Die Recordati Rare Diseases Germany GmbH positioniert sich bewusst jenseits klassischer…

Mit starken Partnern  Zukunftsprojekte entwickeln

Interview mit Bernd Gemmel, Geschäftsführer der WDM Deutenberg GmbH

Mit starken Partnern Zukunftsprojekte entwickeln

Die Stärke und Vielseitigkeit von Drähten ist bereits seit Jahrhunderten bekannt – und trotzdem werden in den einzelnen Produktspektren weiterhin wichtige Innovationen umgesetzt: etwa bei der Stärkung nachhaltiger Fertigungsverfahren in…

Die Kunst der perfekten Zustellung

Interview mit Kris Van Humbeeck, CEO der DHL Express (Austria) GmbH

Die Kunst der perfekten Zustellung

Wenn Waren innerhalb weniger Stunden rund um den Globus transportiert werden müssen, zählt vor allem eines: Verlässlichkeit. Genau darauf hat sich die DHL Express (Austria) GmbH spezialisiert. Das Unternehmen, das…

Das könnte Sie auch interessieren

Transformation auf Augenhöhe

Interview mit Thomas Blöchl, CEO der T.CON GmbH & Co. KG

Transformation auf Augenhöhe

Wer die digitale Transformation in der produzierenden Industrie voranbringen will, braucht mehr als technologische Expertise. Gefragt sind Partner, die Prozesse verstehen, Veränderungen begleiten und Unternehmen langfristig durch den Wandel führen.…

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Interview mit Mario Geuß, Geschäftsführer der Geuß Werbung GmbH

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Gedruckte Haushaltswerbung gilt vielen als Relikt aus analogen Zeiten: teuer, wenig nachhaltig und verdrängt durch digitale Kanäle. Doch Woche für Woche landen Millionen Prospektpakete in deutschen Briefkästen. Mario Geuß, Geschäftsführer…

Anders denken und überzeugen

Interview mit Anke Tennigkeit, Vorstand der innovIT AG

Anders denken und überzeugen

Die Bedeutung von Rechenzen­tren wächst kontinuierlich, da sie die Grundlage für digitale Infrastrukturen und datengetriebene Anwendungen bilden. Besonders modulare Rechenzentren, die eine flexible, skalierbare und schnelle Bereitstellung von IT-Kapazitäten ermöglichen,…

TOP