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Erfahrung geht über Handbuch

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„Was wir herstellen, sind komplette Vorbrechanlagen, einschließlich Kettenförderer, Plattenbänder, Rollenroste, Brecher und Fingerrollenroste“, zählt Berit Müller, Geschäftsführerin der August Müller GmbH & Co. KG, auf. „Seit den 1950er-Jahren bauen wir Rollenroste ohne Verstellung, aber unsere besondere Stärke sind jetzt unsere patentierten individuell einstellbaren Rollenroste für die Abreinigung von Materialen. Wir haben auch Fingerrollenroste entwickelt, die als Siebmaschinen für die Reinigung von Materialien dienen. Die haben wir nicht patentiert, das kann aber trotzdem keiner außer uns.“

Das Familienunternehmen deckt jeden Schritt ab, von der Planung über die Konstruktion und Montage bis hin zur Wartung. „Unsere Erfahrungswerte verbessern wir ständig“, betont Berit Müller. „Man kann so etwas nicht aus dem Buch lernen. Anlagenbau ist knifflig, deswegen haben wir langjährige Mitarbeiter dabei.“

Und deswegen achtet die Firma auch darauf, dass ihre 65 Angestellten individuell gefördert werden. „Wir starten Parallelprojekte“, erläutert Berit Müller. „Wenn jemand bei uns in Rente geht, lernen wir einen neuen Mitarbeiter parallel dazu für drei Jahre an, damit er die Chance hat, auf das Erfahrungsniveau zu kommen. Es ist zwar kostenintensiv, drei Jahre lang zwei Gehälter zu bezahlen, aber bei uns kann man das nicht aus den Handbüchern lernen.“

Lernen durch Praxis

Auch Berit Müller hat durch praktische Erfahrung gelernt. „Es war eigentlich nie mein Plan, die Firma zu übernehmen“, offenbart sie. „Aber dann ist mein Bruder bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Ich habe dann als Angestellte hier angefangen um zu sehen, ob es etwas für mich ist. Seit 2002 bin ich die offizielle Geschäftsführerin, gemeinsam mit meinem Lebensgefährten, der für den Vertrieb zuständig ist. Er deckt den englischsprachigen Raum ab.“

Seit 2007 verfügt die Firma zusätzlich zu den zwei Werken in Rottweil über ein Vertriebsbüro in Hanweiler nahe der französischen Grenze. Aber auch Polen ist ein wichtiger Markt.

„Polen bestellt allerdings nur bei EU-Subventionen“, stellt Berit Müller fest. „Sonst ist das Umfeld dort eher schwierig.“ Entsprechend schwanken auch die Zahlen für das Auslandsgeschäft. „Dieses Jahr hatten wir 60%, ansonsten haben sich 30 bis 40% eingespielt“, schätzt Berit Müller. „Es ist unterschiedlich, aber wenn ein Kunde eine Anlage für zwei Millionen EUR kauft, dann sind es schon 20%.“

Dennoch steigt der Umsatz, der zurzeit bei zehn Millionen EUR liegt, stetig. „Es macht Spaß zu sehen, wie sich die Firma entwickelt“, meint Berit Müller. „Als ich sie übernommen habe, hat kein einziger Mitarbeiter die Firma verlassen. Sie glaubten an die Firma und auch an mich, dass ich als Frau das kann. Das Team, die Kunden, das funktioniert alles rundherum. Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen.“

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