Mehr als nur Glasscheiben

Interview mit Andreas Winter, Geschäftsführer der Arnold Zentralverwaltungsgesellschaft mbH

Wirtschaftsforum: Herr Winter, was ist heute das Kerngeschäft von Arnold?

Andreas Winter: Am wichtigsten sind heute für uns spezielle Beschichtungen für Glas, auf Basisglas, zum Beispiel zur Wärmedämmung, als Sonnenschutz oder Dekorativa. Darüber hinaus sind wir Marktführer im BereichVogelschutz. Hier verfügen wir bereits über 20 Jahre Erfahrung. Neu im Programm sind unser funktransparentes Glas sowie strukturierte Beschichtungen, zum Beispiel aus Kupfer oder Gold, die optisch eine tolle Wirkung haben. Wir sind also Partner der verarbeitenden Betriebe aus dem Fenster- und Fassadenbau. Dabei machen wir kaum Serien, sondern konzentrieren uns auf Losgröße eins. Der Markt für Serien wird von Anbietern aus China abgedeckt.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei Ihnen im Unternehmen und wie verändert sie die Anforderungen Ihrer Kunden?

Andreas Winter: Digitalisierung und Automatisierung werden immer wichtiger. Betriebe, die hier regelmäßig investieren, sind dem Wettbewerb immer einen Schritt voraus. Unsere Verarbeitung ist schon seit längerem hochautomatisiert. Auch der Datenaustausch mit den Kunden wird immer komplexer. Die Daten werden digital erfasst und die Anbindung an die Maschinen steht. Aber an den Schnittstellen von den Kunden zu uns wird noch viel manuell erfasst. Hier gibt es noch viel zu tun. Da wir mit Losgröße eins arbeiten, müssen sehr viele Positionen erfasst werden. Das ist eine Herausforderung. Aber die Digitalisierung ist die Zukunft. Deshalb gehen wir hier voran und investieren entsprechend.

Wirtschaftsforum: Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der exorbitant steigenden Energiepreise: Ist das Thema Nachhaltigkeit auf Ihrer Agenda?

Andreas Winter: Auf jeden Fall. Glas ist nicht nur grün, sondern ein grünes Produkt. Deshalb ist unser Slogan: Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Wir bringen Licht in Räume, sorgen für Sonnen- und Wärmeschutz, und nicht zuletzt lässt sich Glas gut recyceln. Wir nutzen für unsere Glasproduktion viel Altglas. Deshalb spielt das Thema Kreislaufwirtschaft bei uns eine große Rolle. Wir produzieren und dafür brauchen wir natürlich Energie. Aktuell suchen wir nach alternativen Stromversorgungsmöglichkeiten. Zum Beispiel haben wir an all unseren Produktionen bereits Photovoltaikanlagen installiert. Ein Forschungsthema bei uns ist der Einsatz von Wasserstoff.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre direkten Kunden, Ihre Zielbranchen?

Andreas Winter: Unsere Kunden sind Glasverarbeiter, Fassaden- und Fensterbauer, aber auch Interieurunternehmen, wie zum Beispiel Duscholux.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Arnold von anderen Anbietern am Markt?

Andreas Winter: Wir bieten qualitativ hochwertige Produkte, die der Wettbewerb oft nicht hat. Aufgrund unserer kurzen Wege und schnellen Entscheidungen sind wir flexibel und agil. Zudem sind wir nah an unseren Kunden, nicht nur räumlich, sondern auch fachlich. Unsere Mitarbeiter sind qualifiziert und können mit ihnen auf Augenhöhe sprechen.

Wirtschaftsforum: Sind sie auch über Deutschland hinaus tätig?

Andreas Winter: Unser Fokus liegt auf der DACH-Region, also auf den deutschsprachigen Ländern Europas. Das wird auch in der nächsten Zeit so bleiben. Wir sehen einen ganz klaren Trend, dass die Transportwelten aufgrund der steigenden Kosten und unterschiedlichster Unsicherheiten wieder regionaler werden. Deshalb sehen wir unser Kerngeschäft langfristig in Mitteleuropa. In den USA gibt es rund um das Thema Vogelschutz interessante Perspektiven, ebenfalls in Asien und im arabischen Raum mit speziell auf die Region abgestimmten Beschichtungen

Wirtschaftsforum: Arnold ist schon seit sehr vielen Jahren erfolgreich am Markt. Worauf führen Sie in letzter Konsequenz den Erfolg zurück?

Andreas Winter: Wir gehen mit dem Markt und bringen immer wieder neue Ideen und Innovationen, die die aktuellen Trends und den Zeitgeist treffen. Wir nehmen Herausforderungen an und es ist uns über die Jahre gelungen, uns unsere Innovationsstärke beizubehalten. Wir bieten unseren Kunden keine Produkte, sondern Lösungen. Nicht zuletzt sind wir motiviert und blicken immer positiv nach vorne.

Wirtschaftsforum: Um all dies zu realisieren, braucht man gute Leute. Wie sehr trifft der Fachkräftemangel Sie?

Andreas Winter: Der Talentmangel hat sich in der letzten Zeit extrem zugespitzt. Vor allem in der Produktion fehlen Leute und es ist kaum noch möglich, im Dreischichtbetrieb zu arbeiten. Uns ist es sehr wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter bei uns wohlfühlen. Wir bieten deshalb flexible Arbeitsmöglichkeiten und -zeiten an sowie attraktive Verdienstperspektiven. Darüber hinaus gibt es Extras wie ein Dienstrad, eine zusätzliche Rentenversicherung und eine Shopping-Card. Vor allem aber sind wir ein gutes Team. Wir helfen uns gegenseitig und sprechen auf Augenhöhe miteinander. Unsere Wege sind kurz und die Hierarchien flach.

Wirtschaftsforum: Inwieweit beeinflussen die Pandemie und der Ukraine-Russland Konflikt das Geschäft?

Andreas Winter: Die Pandemie selbst hat eigentlich keine gravierenden Auswirkungen auf das Geschäft und auf unseren Markt gehabt. Selbstverständlich haben wir alle Vorschriften und Regeln zum Schutz unserer Mitarbeiter, und damit auch zur Sicherung unserer Produktion, eingehalten. 2021 wurde die Verfügbarkeit von Rohglas ein Problem, aber wir konnten unsere Mengen halten. Nicht zuletzt ist uns das gelungen, weil wir grundsätzlich sehr langfristig planen. Jetzt allerdings hat die Situation eine neue Dynamik angenommen. Die Entwicklung der Energiepreise ist dramatisch und insgesamt herrscht große Planungsunsicherheit. Das Bestellverhalten geht deshalb zurück. Bislang gelingt es uns, auch in dieser angespannten Situation mit unserer schlanken und effektiven Aufstellung, mit unserer Flexiblität und nicht zuletzt mit unseren langen Partnerschaften mit Lieferanten, zuverlässig liefern zu können.

Wirtschaftsforum: Was sind für das zweite Halbjahr 2022 die Themen auf Ihrer Agenda?

Andreas Winter: Wir möchten unsere Produktionen optimieren, damit wir noch flexibler auf den Markt reagieren können. Das Thema Personal ist und bleibt ein großes Thema und eine Herausforderung. Unsere größeren Investitionen stellen wir aufgrund der allgemeinen Planungsunsicherheit etwas zurück. Langfristig möchten wir gesund wachsen und unsere Bekanntheit und Relevanz am Markt steigern.

Arnold Zentralverwaltungsgesellschaft mbH
Alfred-Klingele-Str. 15
73630 Remshalden
Deutschland
+49 7151 7096-0
+49 7151 7096-90
info@arnold-glas.de
www.arnold-glas.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wachstum mit Nebenwirkungen: Welche Risiken Familienunternehmen in guten Jahren übersehen

Wachstum mit Nebenwirkungen: Welche Risiken Familienunternehmen in guten Jahren übersehen

Volle Auftragsbücher, steigende Umsätze, neue Standorte: Erfolgreiche Jahre fühlen sich an wie Rückenwind. Doch gerade in dieser vermeintlich sorglosen Phase entstehen oft jene folgenschweren Weichenstellungen, die einem inhabergeführten Betrieb Jahre…

Wenn aus komplexen Produktionsaufgaben individuelle Sondermaschinen werden

Wenn aus komplexen Produktionsaufgaben individuelle Sondermaschinen werden

Nicht jede Fertigungsaufgabe lässt sich mit einer Standardmaschine wirtschaftlich automatisieren. Gerade bei komplexen Produktionsprozessen, begrenztem Bauraum oder wechselnden Produktvarianten sind individuelle Lösungen gefragt. Darauf hat sich die ZARIAN Bewegungs-Systeme GmbH…

Makler Service AG: Makler-Ausbildung als Faktor für Branchenvertrauen

Makler Service AG: Makler-Ausbildung als Faktor für Branchenvertrauen

Die Frage nach Vertrauen beschäftigt die Immobilienbranche seit Jahrzehnten. In Deutschland ist der Zugang zum Maklerberuf erstaunlich niedrigschwellig; formale Abschlüsse sind keine Pflicht. Das hat Folgen: Immer wieder entstehen Vorbehalte,…

Aktuellste Interviews

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Interview mit Dennis Meyer-Philippi, Co-Founder der tantum sana® GmbH

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Als seine Großmutter pflegebedürftig wurde, erlebte Dennis Meyer-Philippi aus nächster Nähe, wie schnell die Medikamentenversorgung zu Hause zur Belastungsprobe wird. Daraus entstand maja sana®: ein digitaler Tablettenspender, der die häusliche…

Weltweit erfolgreich.  Nah an den Menschen.

Interview mit Daniela Rehm, Geschäftsführerin der Vorwerk Austria GmbH & Co. KG

Weltweit erfolgreich. Nah an den Menschen.

Persönliche Beziehungen sind in einer zunehmend digitalen Welt wertvoller denn je. Vorwerk baut seit mehr als 140 Jahren auf dieses Prinzip und verbindet die Stärke des Direktvertriebs mit kontinuierlicher technologischer…

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

Interview mit Charalampos Perezidis, Geschäftsführer der Polster Aktuell Essen GmbH & Co. KG

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

An 14 Standorten von Lübeck bis Hanau vertreibt Polster Aktuell in mehreren einzelnen Gesellschaften hochwertige Sitz- und Schlaflösungen. Der Schlüssel zum langjährigen Unternehmenserfolg liegt dabei laut Geschäftsführer Charalampos Perezidis nicht…

TOP