Verpackungen, die mehr können

Interview mit Michael Deronja, Geschäftsführer der Karl Knauer KG

Karl Knauer ist ein klassischer Verpackungsspezialist, dessen Portfolio von Faltschachteln, Blisterkarten, Getränkeverpackungen, Versandverpackungen, Displays, Trays und Bag in Boxes geprägt ist. Und er ist anders. Mittelständisches Unternehmen, größter Arbeitgeber in Biberach, innovativ aufgestellt, europaweit tätig und in überdurchschnittlichem Maße sozial engagiert.

Diese Charakteristika haben auch Michael Deronja begeistert, der seit Anfang 2021 Geschäftsführer ist. „Als ich 2020 mit Frau Wieckenberg ins Gespräch kam, war ich direkt angetan“, sagt er. „Die Entscheidung für den Mittelstand habe ich sehr bewusst getroffen. Der Innovationsgeist und das umfassende Know-how auf der einen Seite, die Verbundenheit mit der Region und den Menschen auf der anderen haben mich sofort beeindruckt. Viele Mitarbeiter sind seit Jahren für Karl Knauer tätig, sie identifizieren sich mit dem Unternehmen und sind bereit, die Extrameile zu gehen. Das kann man sehr schnell spüren.“

Eine Philosophie, mehrere Standbeine

Die Karl Knauer KG wurde 1938 gegründet. Damit steht der Name seit mehr als 80 Jahren für Verpackungen, die unterschiedliche Kundenbedürfnisse befriedigen. Als einer der ersten deutschen Anbieter nahm Karl Knauer in den 1970er-Jahren Werbemittel sowie Präsentverpackungen in das Angebot auf und begann in den 1980er-Jahren, ein neues Feld zu erschließen – das des Maschinenbaus.

Auf Basis der langjährigen Erfahrungen fertigte Karl Knauer kundenspezifische Verpackungsmaschinen – eine weitsichtige Entscheidung, schließlich konnte man so „die Brücke zu den Kunden bauen und unsere Verpackungen später gut einsetzen“, wie Michael Deronja erklärt.

Heute geht es bei den Verpackungen vor allem um Nachhaltigkeit. „Kunststoff wird immer häufiger durch Karton ersetzt“, sagt Michael Deronja. „Wir arbeiten intensiv an Produktalternativen, konzentrieren uns dabei aber nicht nur auf eine Branche, sondern versuchen in verschiedenen Bereichen nachhaltigere Alternativen umzusetzen.“

Karl Knauer orientiert sich an der in Europa geltenden Verpackungsrichtlinie und entwickelt gemeinsam mit Lieferanten Lösungen. „Mit LitePac Top, einer Sekundärverpackung aus Karton für die Getränkeindustrie, die wir mit dem Systemlieferanten Krones AG entwickelt haben, und der plastikfreien Zahnbürstenverpackung für Dr.BEST und Aquafresh, die durch ein innovatives Sichtfenster aus Cellulosefolie auf Plastik verzichtet, haben wir zwei Produkte umgesetzt, die das Müllvolumen im Handel drastisch verringern“, erläutert Michael Deronja.

Innovativ aus Erfahrung

Heute liegt die Verantwortung des Unternehmens in den Händen der dritten Generation der Familie. Karl Knauer produziert an zwei Standorten – Biberach und Pniewy in Polen, hat je circa 400 Mitarbeiter in Biberach und in Polen und setzt knapp 65 Millionen EUR jährlich um.

Produziert werden Verpackungen für Segmente wie Kosmetik/Pflege, Home/Industrie, Pharma/Gesundheit, Umwelt/Natur, Food/Agrar und Getränke. „Wir haben von Beginn an auf Karton gesetzt, die Entwicklung des Marktes spielte uns hier in die Hände“, so Michael Deronja. „Momentan haben wir allerdings ein massives Beschaffungsproblem. Preisentwicklung und Verfügbarkeit sind extrem schwierig. Durch die frühzeitige Planung von Projekten versuchen wir diesen Problemen entgegenzuwirken.“

Von dezent bis spektakulär

Expertise und Innovationskraft sind für Karl Knauer das Fundament, um auch in herausfordernden Zeiten ein zuverlässiger Partner zu sein und anspruchsvolle, individuelle Bedürfnisse zu erfüllen. Für den Wäschehersteller Mey begann man vor rund einem Jahr, komplett neue Verpackungen zu entwickeln.

„Wir hatten die Aufgabe, eine Verpackung zu entwickeln, die sehr haptisch und nachhaltig wirkt, gleichzeitig das Produkt sicher und zuverlässig schützt“, so Michael Deronja. „Das Ergebnis waren Faltschachteln mit einem neuen Design, das in seiner Klarheit überzeugt.“

Karl Knauer orientiert sich bei der Entwicklung seiner Produkte an den Ideen der Kunden, aber auch an Branchentrends. „Bei der Gestaltung gibt es von dezent bis spektakulär unzählige Möglichkeiten“, sagt Michael Deronja. „Auf der einen Seite haben wir den Minimalismus mit weniger Materialeinsatz, weniger Farbeinsatz und Bedruckung, auf der anderen den Maximalismus mit vielen hervorstechenden Elementen, durch die die Verpackung im Regal direkt ins Auge fällt. Das können zum Beispiel Verpackungen für Kosmetikartikel sein, die im Regal leuchten, Eyecatcher am Point of Sale. Verpackungen sind im besten Fall ein intensives Kundenerlebnis. Wir können so flexibel und individuell arbeiten, weil wir maschinell entsprechend aufgestellt und kein Massenhersteller mit großen Volumina sind. Deshalb kommen Kunden zu uns, die eine etwas andere Verpackung haben möchten.“

Ausdruck findet dieses ʻAndersseinʼ im Slogan ʻbeeindruckend andersʼ. Den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, gehört genauso zum Selbstverständnis des Unternehmens wie sich sozial und ökologisch zu engagieren. „Unser Wertesystem ist geprägt durch Offenheit, Ehrlichkeit, Toleranz, soziales Engagement den Mitarbeitern und der Region gegenüber“, betont Michael Deronja. „Karl Knauer hat eine Kindertagesstätte mitgegründet, 1995 eine Stiftung ins Leben gerufen, die seit der Gründung Sportvereine, Bildungszentren und andere Einrichtungen in der Region durch Spenden unterstützt, und hat die umweltorientierte Initiative ʻKarl Knauer-Bienenweideʼ etabliert, die von den eigenen Auszubildenden betreut wird und den Arten- und Naturschutz in der Region unterstützt. Karl Knauer ist außerdem ein anerkannter und ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb und bietet zwölf Ausbildungsberufe sowie zwei duale Studiengänge. Nicht zuletzt engagieren wir uns seit zehn Jahren für den Klimaschutz und arbeiten CO2-neutral, der Großteil des benötigten Stroms wird über die eigene Photovoltaikanlage produziert.“

Nachhaltig zu agieren wird auch künftig eine zentrale Herausforderung sein. Zudem wird sich der Markt zunehmend konsolidieren; Mittelständler wie Karl Knauer freuen sich dann auf strategische Allianzen.

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