Fünf Generationen Leidenschaft für Fisch und Feinkost

H. Köser GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Köser, Feinkost ist ja nicht gleich Feinkost – das Spektrum ist sehr breit. Was für Produkte stellen Sie her und was macht dabei für Sie den Unterschied hinsichtlich der Qualität?

Philippe Köser: Als Anbieter von Feinkost und Delikatessen haben wir ein breites Sortiment von gut 300 Artikeln, wobei unser Schwerpunkt traditionsgemäß auf Fisch und Krustentieren liegt. Wir kaufen nur erstklassige Rohstoffe ein, die wir dann von Hand nach Rezepten veredeln, die teilweise 30, 40 oder 50 Jahre alt sind. Nach der Zubereitung werden die Produkte schockgefroren. So bleiben alle Nährstoffe in vollem Umfang erhalten und Konservierungsstoffe sind nicht notwendig. Das Ergebnis sind Fertiggerichte, die hinsichtlich Qualität und Geschmack einfach besonders sind – man schmeckt den Unterschied. Neben den bereits zubereiteten Produkten können Kunden bei uns Fisch auch roh als Filet kaufen und selbst zubereiten. Ob nun als Fertiggericht oder Rohprodukt, die Qualität macht den Unterschied. Bei uns wird nichts industriell gefertigt, es ist alles buchstäblich Handarbeit, also etwas wirklich Besonderes. Zusätzlich bieten wir auch Zubereitungsanleitungen, Ideen zu passenden Beilagen und Empfehlungen zu Weinen. Auch das machen wir schon lange und heben uns dadurch von unseren Wettbewerbern ab.

Wirtschaftsforum: Stichwort ‘lange’: Die H. Köser GmbH gibt es seit mehr als 150 Jahren. Ihre Firmengeschichte ist ein Paradebeispiel für frühe Weitsicht, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Erzählen Sie uns davon.

Philippe Köser: Gern. Das Unternehmen ist seit der Gründung in Familienhand, inzwischen in fünfter Generation. Der Gründer Johann Hinrich Köser wanderte nach England aus und begründete dort ein Importgeschäft für Obst und Gemüse, das er später, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, in Hamburg weiterführte. Dort kam der Verkauf von Fisch als neues Geschäftsfeld hinzu: Er eröffnete dort die erste Fischauktion, ein Verkaufssystem, das er in England kennengelernt hatte. Damit wurde er so erfolgreich, dass das Obstgeschäft immer weiter in den Hintergrund trat und schließlich ganz aufgegeben wurde. Die Fischauktionen wurden gut 60 Jahre weitergeführt, ehe sie nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht wurden. Dem Fisch blieb Köser jedoch treu: Die dritte Generation ließ sich in Bremerhaven nieder, weil der Fischhandel dort einen großen Aufschwung genommen hatte. Das Exportgeschäft erstreckte sich zu diesem Zeitpunkt bereits bis in die USA; man arbeitete hauptsächlich mit Großabnehmern zusammen. Ende der 1960er-Jahre entschied sich die vierte Generation dafür, die Abhängigkeit von nur wenigen großen Kunden aufzugeben und stattdessen an viele kleine Kunden zu verkaufen. So wurde zunächst verstärkt die Gastronomie beliefert und später auch an Endkunden verkauft – die Grundlage unseres heutigen Geschäftes.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Philippe Köser: Einerseits haben wir viele Geschäftskunden, die unsere Produkte ihrerseits als Geschenke für ihre Kunden beziehen. Hier kommt zum Beispiel unser Räucherlachs sehr gut an. Weiterhin haben wir viele private Endkunden, die bei uns bestellen. Diese machen unsere größte Kundengruppe aus. Unsere dritte Kundengruppe ist die Gastronomie.

Wirtschaftsforum: Wie erreichen Sie Ihre Kunden und wie gewinnen sie neue hinzu?

Philippe Köser: Auch im digitalen Zeitalter setzen wir einerseits auf unseren 180 Seiten starken Katalog, der ein ganzes Jahr gültig ist. Das bedeutet: Auch unsere Preise sind über diesen Zeitraum stabil, was in gewisser Hinsicht natürlich für uns auch eine Herausforderung in der Preisgestaltung bedeutet. Zusätzlich erreichen wir unsere Kunden digital über unsere Website sowie über Newsletter und Mailings. Doch ordern kann man bei uns ebenfalls immer noch übers Telefon, Fax oder sogar per Brief – alle Möglichkeiten sind offen.

Wirtschaftsforum: Sie erzählten im Hinblick auf die Firmengeschichte gerade vom ausgedehnten Exportgeschäft des Unternehmens in früheren Zeiten. Exportieren Sie auch heute noch so viel?

Philippe Köser: Unser Schwerpunkt ist sicherlich Deutschland. Dennoch vertreiben wir auch in ganz Europa. Doch anders als früher ist unser Exportanteil außerhalb Europas mit 5 bis 10% recht gering und wir liefern auch nicht in die USA.

Wirtschaftsforum: Im Zusammenhang mit Fischerei und Fischprodukten stellt sich zunehmend die Frage der Nachhaltigkeit. Wie gehen Sie damit um?

Philippe Köser: Nachhaltigkeit ist letztlich das, was den Erhalt von Qualität erst ermöglicht und deshalb in vieler Hinsicht sehr wichtig. Zum einen was die Sicherung der Beschaffung angeht: Durch Umweltverschmutzung kommt es zu Problemen sowohl bei der Aufzucht als auch bei den Wildprodukten. Das ist ein Punkt, an dem wir ansetzen, indem wir uns auf Bioprodukte fokussieren und auch da wirklich nur Rohstoffe höchster Güte kaufen. Denn nur so können wir auch die hohe Qualität unserer Produkte sichern. Wir nutzen das nicht als Label, es ist eine interne Strategie und Entscheidung, denn allein unser Name steht ja schon für die Qualität unserer Produkte. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Verpackung: Hier suchen wir Alternativen zum Kunststoff. Mit Erfolg, denn wir haben beispielsweise gerade eine Strohverpackung eingeführt. Diesen Weg wollen wir weitergehen.

H. Köser GmbH
An der Packhalle IX 18
27572 Bremerhaven
Deutschland
+49 471 979720
+49 471 979721
info(at)koeser.com
www.koeser.com

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Budgetkontrolle in der IT: Strategien für planbare Software-Investitionen im Mittelstand

Budgetkontrolle in der IT: Strategien für planbare Software-Investitionen im Mittelstand

Die Steuerung der Ausgaben für digitale Infrastruktur stellt mittelständische Unternehmen vor fortlaufende strategische Entscheidungen. Gerade im Bereich der Betriebssysteme und Büroanwendungen suchen Verantwortliche nach Wegen, laufende Kosten zu minimieren und…

Synergien im B2B-Sektor: Wie der industrielle Mittelstand durch integrierte Kommunikationsstrategien wächst

Synergien im B2B-Sektor: Wie der industrielle Mittelstand durch integrierte Kommunikationsstrategien wächst

Geschäftsführer und Marketingleitungen im industriellen Mittelstand stehen im Jahr 2026 vor einer klaren Aufgabe: Komplexe Investitionsgüter erfordern Vertriebsprozesse, die extrem präzise durch aufeinander abgestimmte Berührungspunkte unterstützt werden. Isolierte Einzelmaßnahmen reichen…

IBM Storage Defender 2.2.2 ist da: IBM Data Resiliency Service (DRS) mit der Recovery Assurance CleanRoom-Technologie von Predatar

IBM Storage Defender 2.2.2 ist da: IBM Data Resiliency Service (DRS) mit der Recovery Assurance CleanRoom-Technologie von Predatar

Recovery matters: Unsere Partner Predatar und IBM haben mit dem heutigen Release der Version 2.2.2 von IBM Storage Defender das zentrale Highlight gelauncht: die Integration des IBM Data Resiliency Service…

Aktuellste Interviews

Ideen begreifbar machen

Interview mit Sebastian Jung, Geschäftsführer der Schröter Modell- und Formenbau GmbH

Ideen begreifbar machen

Ob Design, Ergonomie oder Funktion: Bevor ein Produkt in Serie geht, muss sich zeigen, ob eine Idee in der Realität funktioniert. Genau hier setzt die Schröter Modell- und Formenbau GmbH…

Vom Kinderzimmer zur Schmuckmarke

Interview mit Jamil Masoud, Geschäftsführer der DIAMOND MODE GmbH

Vom Kinderzimmer zur Schmuckmarke

Was 2017 als Familienprojekt aus dem Kinderzimmer begann, ist heute eine etablierte Schmuckmarke mit eigenem Store, Piercing-Studio und internationalem Geschäft. Die DIAMOND MODE GmbH aus Wuppertal verbindet langlebige Materialien und…

Wachstum mit Weitblick: Compliance als Chance

Interview mit Dr. Dieter Drohmann, Gründer und CEO bei der Chemservice GmbH

Wachstum mit Weitblick: Compliance als Chance

Chemikalienrecht wird international komplexer und damit für Unternehmen zunehmend zur strategischen Aufgabe. Chemservice unterstützt die chemische Industrie weltweit bei regulatorischen Anforderungen. Gründer und CEO Dr. Dieter Drohmann setzt dabei auf…

TOP