„Der Spitzensport ist ein echter Innovationstreiber“

Interview mit Otto Leodolter, Geschäftsführer der Löffler GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Leodolter, die Löffler GmbH hat sich schon lange einen Namen für hochwertige Sportbekleidung gemacht. Wie haben Sie sich dieses Standing erarbeitet?

Mag. Otto Leodolter: Unser Unternehmen wurde in der Nachkriegszeit ursprünglich von einer bekannten österreichischen Textildynastie gegründet und beschäftigte sich damals hauptsächlich mit der Herstellung von Socken und Strumpfhosen. Durch das zunehmende Aufkommen der Feinstrumpfhose war dieses Geschäftsmodell jedoch einige Zeit später nicht mehr tragbar, weshalb es im Jahre 1973 schließlich zur Übernahme durch einen Ski-fabrikanten kam: Damit begann unsere klare Fokussierung auf Ausdauersportbekleidung, und sicherlich war dies auch die Geburtsstunde unserer beständigen Innovationskraft, auf die ich unsere Erfolgsgeschichte maßgeblich zurückführen würde.

Wirtschaftsforum: Welche Produktentwicklung führte dann zum Durchbruch für Löffler?

Mag. Otto Leodolter: Eine besondere Bedeutung kommt sicherlich der Innovation namens transtex® zu, die unser Unternehmen in den 1970er-Jahren auf den Markt brachte: Dabei handelt es sich um ein zweischichtiges Material, das auf der Innenseite aus wasserabweisendem Polypropylen und auf der Außenseite aus Baumwolle besteht. Durch die entsprechenden Eigenschaften dieser Stoffe kann ein angenehmes Temperatur- und Feuchtemanagement am Körper des Trägers erfolgen. Wenige Jahre später begann unsere Zusammenarbeit mit dem österreichischen Ski-Team, einige Zeit danach auch mit dem deutschen Skiverband. Bis heute stellen wir für den ÖSV Rennanzüge, Warm-Up Bekleidung und Sportunterwäscheartikel her. Durch die beständig hohen Ansprüche im Spitzensport sind wir stets mit einem äußerst fordernden Innovationsdrang konfrontiert, der eine konsequente Optimierung unserer Bestandsprodukte sowie kreative Neuentwicklungen bewirkt.

Wirtschaftsforum: Dabei stehen Sie konsequent für nachhaltige und faire Sportbekleidung aus Österreich, obwohl weite Teile der Textilindustrie den Europäischen Wirtschaftsraum längst verlassen haben. Wie lässt sich diese lokale Wertschöpfung auch wirtschaftlich sinnvoll darstellen?

Mag. Otto Leodolter: Insgesamt unterhalten wir zwei Niederlassungen, darunter auch einen eigenen Betrieb in Bulgarien, wo wir letztes Jahr einen modernen Neubau eröffnet haben. Unser Hauptsitz befindet sich jedoch weiterhin in Oberösterreich. Pro Sommer- und Wintersaison benötigen wir in der Spitze bis zu 400 Näherinnen, was sich angesichts des permanenten Personalmangels mit einer ausschließlichen Produktionstätigkeit in Österreich schlicht nicht mehr vereinbaren ließe. Ich bin jedoch – insbesondere auch aus meiner eigenen Biographie heraus – von dem enormen Wert einer regionalen Produktion überzeugt. Schon als ich nach dem Studium, lange vor meiner Zeit bei Löffler, meine erste Position im Produktmanagement von Produkten aus Asien antrat, habe ich erkannt, dass dies weder meinen persönlichen Zielen noch meinen eigenen Überzeugungen entspricht. Die Marktentwicklungen der vergangenen Jahre geben mir dabei recht: Denn mittlerweile sind viele Konsumentinnen bereit, auch die entsprechenden Preise zu bezahlen, die mit der regionalen Wertschöpfung in Europa einhergehen. In der Lebensmittelindustrie hat sich dieser Wertekonsens schon lange etabliert, und die Textilbranche folgt hier zusehends.

Wirtschaftsforum: Wie ließe sich dem Personalmangel aus Ihrer Sicht am besten begegnen, und wie bleiben Sie trotz dieses Problems konsequent innovativ?

Mag. Otto Leodolter: Es muss uns als Gesellschaft gelingen, die Menschen durch attraktive Bedingungen wieder zu mehr Arbeit zu motivieren. Hierfür sind kreative Lösungen erforderlich, die es den Mitarbeitern ermöglichen müssen, ihre Berufstätigkeit und ihr Familienleben sinnvoll unter einen Hut zu bringen. Dann können wir das riesige Know-how-Reservoir in unserer Gesellschaft auch effektiv nutzen. Die Löffler GmbH selbst sieht sich den traditionellen Werten eines mittelständischen Unternehmens wie flachen Hierarchien, Offenheit und Aufrichtigkeit verpflichtet. In einem solchen Umfeld können sich idealerweise alle Menschen einbringen und ihre Ideen gemeinschaftlich voranbringen.

Löffler GmbH
Südtirolerstraße 41
4910 Ried im Innkreis
Österreich
+43 7752 844210
office(at)loeffler.at
www.loeffler.at

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wenn Gaming industrielles Lernen verändert

Wenn Gaming industrielles Lernen verändert

Auf der Hannover Messe wird deutlich, wie sich industrielles Training verändert. Gaming-Mechaniken werden gezielt eingesetzt, um komplexe Energiesysteme nicht nur zu erklären, sondern direkt erfahrbar zu machen. Statt passiver Wissensvermittlung…

Argandor Cosmetic erneut ausgezeichnet: Natural Cosmetic Brand of the Year 2026

Argandor Cosmetic erneut ausgezeichnet: Natural Cosmetic Brand of the Year 2026

Bad Homburg, 22. April 2026 – Die deutsche Naturkosmetik-Marke Argandor Cosmetic setzt ihre Erfolgsgeschichte fort: Nach der Auszeichnung als „Best Argan Oil Brand – Germany 2025“ durch die LUXlife Health,…

Rückenwind für die Allgemeine Luftfahrt

Die AERO Friedrichshafen geht mit Rekordbeteiligung in die 32. Auflage – zwischen Elektroflug, Wasserstoff und digitaler Avionik zeichnet sich ab, wie sich die General Aviation neu erfindet.

Rückenwind für die Allgemeine Luftfahrt

Friedrichshafen, 22.–25. April 2026 - Mit rund 860 Ausstellern aus 50 Nationen verzeichnet die AERO Friedrichshafen 2026 die höchste Ausstellerzahl ihrer Geschichte. Der Bodensee-Airport wird für vier Tage erneut zum…

Aktuellste Interviews

Langfristig denken, gezielt ­rekrutieren

Interview mit Dr. Rafał Mroziewski, Geschäftsführer der Mondi sp. z o.o.

Langfristig denken, gezielt ­rekrutieren

Qualifizierte Fachkräfte für die Produktion zu finden, ist für viele deutsche Mittelständler zur zentralen Herausforderung geworden. Mondi aus Poznań hat sich darauf spezialisiert, diese Lücke mit polnischen Fach- und Führungskräften…

„Digitalisierung ist für uns seit Jahren gelebte Praxis!“

Interview mit Alex Müller, Geschäftsführer der Technische Betriebe Offenburg

„Digitalisierung ist für uns seit Jahren gelebte Praxis!“

Seit 1995 haben sich die Technischen Betriebe Offenburg (TBO) vom klassischen Bauhof zu einem multifunktionalen Dienstleister mit zehn Aufgabenbereichen gewandelt. 370 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von 35 Millionen EUR und…

Digitaloptimisten transformieren die Bauwirtschaft

Interview mit Hagen Schmidt-Bleker, Vorstand der Formitas AG

Digitaloptimisten transformieren die Bauwirtschaft

Die Baubranche profitiert an vielen Stellen von modernster digitaler Technologie – von KI bis VR. Der Schlüssel, dass diese Transformation gelingt, liegt jedoch vornehmlich bei den Menschen, ist Hagen Schmidt-Bleker…

TOP