„Das Glück kommt zu den Fleißigen“

Interview mit Lukas Hochedlinger, Managing Director Central & Northern Europe der Christie & Co GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hochedlinger, viele verbinden den Namen Christie’s mit Kunstauktionen oder Luxusimmobilien. Was macht Christie & Co tatsächlich?

Lukas Hochedlinger: Das passiert ständig. Aber wir haben mit dem Auktionshaus nichts zu tun. Christie & Co ist auf Betreiberimmobilien spezialisiert, also Immobilien, hinter denen ein laufender Betrieb steht. Das reicht von Hotels über Seniorenheime bis hin zu Kitas, Restaurants oder Apotheken. Unser Schwerpunkt in Deutschland und Österreich liegt allerdings klar auf Hotelimmobilien sowie Pflege- und Seniorenimmobilien.

Wirtschaftsforum: Sie selbst haben den Standort Wien aufgebaut.

Lukas Hochedlinger: Genau. Ich habe 2010 die Niederlassung in Wien gegründet. Davor war ich bei KPMG in Budapest im Bereich Hotelimmobilien tätig. Ursprünglich wollte ich nach Berlin wechseln, dann kam die Idee auf, stattdessen den österreichischen Markt aufzubauen. 2015 habe ich zusätzlich die Geschäftsführung für Deutschland übernommen. Heute haben wir Büros in Berlin, Frankfurt, München und Wien und insgesamt 21 Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Was genau übernehmen Sie für Ihre Kunden?

Lukas Hochedlinger: Im Kern gibt es zwei große Bereiche. Erstens die Vermittlung: also Verkauf, Verpachtung oder Vermietung von Betreiberimmobilien. Zweitens Beratung und Bewertung. Wir bewerten Immobilien nach internationalen Standards und begleiten Eigentümer oft über Jahre hinweg. Viele unserer Kunden kommen erst auf uns zu, wenn Nachfolgethemen auftauchen oder sich familiäre Situationen verändern. Da geht es nicht nur um Zahlen, sondern oft auch um Emotionen.

Wirtschaftsforum: Hotels gelten als sehr spezieller Markt.

Lukas Hochedlinger: Absolut. Ein Hotel ist eben keine klassische Immobilie. Der Wert entsteht über den Betrieb. Zwei Hotels können denselben Gewinn erwirtschaften – und trotzdem völlig unterschiedlich bewertet werden. Lage, Risiko, Zukunftsperspektive oder Betreiberstruktur spielen eine enorme Rolle. Ein Stadthotel in München ist eben etwas anderes als ein Landhotel irgendwo „zwischen Deutschland und Tschechien“, wie ich immer scherzhaft sage.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre typischen Kunden?

Lukas Hochedlinger: Das Spektrum ist breit. Wir arbeiten mit institutionellen Investoren genauso wie mit privaten Eigentümern. Gerade die familiengeführte Hotellerie ist für uns ein wichtiges Feld. Viele große Makler konzentrieren sich nur auf Deals über 50 Millionen EUR. Unser Sweet Spot liegt eher zwischen fünf und 25 Millionen EUR. Dort können wir mit unserer Spezialisierung echten Mehrwert schaffen.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Christie & Co von anderen Marktteilnehmern?

Lukas Hochedlinger: Wir leben Hotellerie. Unsere Teams beschäftigen sich ausschließlich mit Betreiberimmobilien. Dazu kommt unsere internationale Vernetzung. Christie & Co wurde 1935 gegründet, ist europaweit aktiv und hat im vergangenen Jahr mehr Hoteltransaktionen begleitet als jeder andere spezialisierte Hotelbroker in Europa. Gleichzeitig versuchen wir, sehr individuell zu arbeiten. Es gibt bei uns kein Schema F. Manche Eigentümer wollen maximale Öffentlichkeit, andere absolute Diskretion.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich der Markt in den vergangenen Jahren verändert?

Lukas Hochedlinger: Corona war natürlich ein massiver Einschnitt. Danach kamen Inflation, steigende Zinsen und geopolitische Krisen. Der Investmentmarkt hat sich zwar wieder erholt, aber wir sind noch nicht auf dem Niveau von vor 2020. Trotzdem bleibt Hotellerie attraktiv. Menschen reisen weiterhin. Hotels haben, anders als manche Büroimmobilien, kein systemisches Problem.

Wirtschaftsforum: Welche Themen beschäftigen die Branche aktuell besonders?

Lukas Hochedlinger: Ganz klar Personalkosten, Energiepreise und Digitalisierung. Viele Hotels versuchen Prozesse effizienter zu gestalten: vom digitalen Check-in bis zu automatisierten Abläufen. Gleichzeitig bleibt Hotellerie ein „People’s Business“. Technologie kann unterstützen, aber Gastfreundschaft nicht ersetzen.

Wirtschaftsforum: Und wohin soll die Reise für Christie & Co gehen?

Lukas Hochedlinger: Unser Ziel ist klar: Wir wollen der vertrauenswürdigste Ansprechpartner für Eigentümer von Betreiberimmobilien sein. Dafür braucht es Fachwissen, aber vor allem Beziehungen. Ich sage meinen Mitarbeitern immer: „Das Glück kommt zu den Fleißigen.“ Man weiß nie, wann der richtige Moment entsteht. Deshalb muss man präsent bleiben. Ehrlich, verlässlich und nah am Markt.

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