Know-how-Transfer aus der Industrie hilft, Wohnraum-Problematik zu entschärfen

Wenn international tätige Konzerngruppen neue Produktionsgebäude planen – oder zum Beispiel der Flughafen München eine Terminal-Erweiterung im laufenden Betrieb konzeptionieren und realisieren muss – stehen Punkte wie Effektivität, bestmögliche Raumausnutzung sowie die Herstellungs- und Unterhaltskosten absolut im Vordergrund. Aber auch Umweltaspekte wie CO2-Neutralität, Energieeffizienz, Einbeziehung erneuerbarer Energiequellen oder IT-Konnektivität bestimmen den Planungsrahmen der beteiligten Engineering-Experten. Viele Unternehmen benötigen eben nicht nur Fertigungs- oder Logistikkomplexe, sondern auch Gebäude für Forschung und Entwicklung, Verwaltung oder die Unterbringung von Gästen und Arbeitskräften. Diese Erweiterung des Angebotsportfolios führte folgerichtig dazu, dass einzelne Unternehmen, wie die MR PLAN Group, die ihre Hauptexpertise in der Industrie habe, mittlerweile auch kombinierte Wohn-, Gewerbe- und Ärztehäuser planen und errichten – oder Baulücken im innerstädtischen Bereich mit nachhaltig konzipierten Mehrfamilienhäusern schließen. Drei Kern-Punkte haben sich dabei im industriellen Kontext besonders bewährt.

Nutzungsorientierung und Flexibilität

Industrie-Unternehmen benötigen einerseits Räume, die exakt an den jeweiligen, eng verzahnten Produktions- und Logistik-Prozessen ausgerichtet sind, andererseits aber auch die Flexibilität bieten, schnell und effektiv an wechselnde Markt-Bedingungen angepasst zu werden. Diese weitsichtige Herangehensweise erlaubt im Wohnbau-Kontext, die aktuellen alltäglichen Bedürfnisse der Menschen zu berücksichtigen, aber auch zukünftige Anforderungen und Wünsche im Blick zu behalten.

Modularität und Skaleneffektivität

Die Verwendung standardisierter Module, die vielfältig miteinander kombiniert und ergänzt werden können, ermöglicht im industriellen Kontext die Ausschöpfung von Skaleneffekten, sorgt für Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und die vergleichsweise unkomplizierte Einhaltung prozessübergreifender Qualitätsvorgaben. Im Wohnungsbau erschließt sich diesbezüglich sogar noch größeres Optimierungs- und Standardisierungspotential, ohne auch nur ansatzweise die Versäumnisse und konzeptionellen Schwächen der vorwiegend in den 1970er-Jahren mit Betonfertigteilen errichteten Großwohnsiedlungen zu wiederholen.

Nachhaltigkeit und digitale Kompatibilität

Die international eng miteinander verwobenen Fertigungs- und Logistik-Ketten sowie die stetig zunehmende Individualisierbarkeit von industriell hergestellten Produkten erfordern zwingend, dass die benötigten Gebäude und Anlagen schon von Beginn an auf vollumfängliche Vernetzung und Digitalisierung vorbereitet werden. Die Prinzipien hinter dem Konzeptbegriff "Industrie 4.0" sehen eine medienbruchfreie Verzahnung von Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkten vor. Dieser Ansatz, angepasst an die Bedürfnisse der Generation der Digital Natives, sorgt im Bereich des Wohnungsbaus dafür, dass diese ihre Vorstellungen eines wirklich "smarten" Homes auch tatsächlich verwirklichen können.

Der individuelle Einzelhaus-Neubau wird natürlich auch weitergehen – sich aber im Umfang kontinuierlich reduzieren. Nichtsdestotrotz profitiert auch dieses Segment letztendlich von den Fortschritten, die im Industriebau erzielt wurden.

Über die Autoren:
Thomas R. Mayer ist Mitglied der Geschäftsführung des Beratungsunternehmens MR Plan. Jörg Schießler ist Leiter Competence Center Architektur/Bau. Die MR Plan Group konzipiert weltweit Produktionsstätten und ist an zehn Standorten tätig, mehrfach in Deutschland sowie in China und Ungarn. Die Bandbreite der Kunden reicht von der Automobil- über die Lebensmittel-, Luftfahrt-, Bahn- bis hin zur Schiffbauindustrie, inklusive deren Zulieferern.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wie Künstliche Intelligenz Digitale Zwillinge deutlich günstiger macht

Wie Künstliche Intelligenz Digitale Zwillinge deutlich günstiger macht

Digitale Zwillinge waren bislang oft mit hohem Aufwand für 3D-Scans, Nachbearbeitung und Modellierung verbunden. Moderne KI kann unvollständige Scandaten ergänzen, Geometrien rekonstruieren und digitale Modelle schneller nutzbar machen. Dadurch sinken…

SicherheitsExpo 2026: Sicherheitstechnik für eine vernetzte Welt

SicherheitsExpo 2026: Sicherheitstechnik für eine vernetzte Welt

Die SicherheitsExpo 2026 findet am 1. und 2. Juli 2026 im MOC Veranstaltungscenter München statt. Auf der Fachmesse präsentieren Aussteller Lösungen für Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Brandschutz, Perimeter Protection und IT-Security. Die…

Datensouveränität-as-a-Service für KRITIS - made in Germany. Empalis bei der Webkonferenz der IT-Sicherheit Online "KRITIS"

Datensouveränität-as-a-Service für KRITIS - made in Germany. Empalis bei der Webkonferenz der IT-Sicherheit Online "KRITIS"

Anhand eines realen Recovery-Falls zeigt der Vortrag, was cyberresiliente, souveräne Backups in der Praxis für kritische Infrastrukturen 2026 leisten müssen – jenseits von NIS2-Compliance-Tabellen und den typischen Herausforderungen, die sich…

Aktuellste Interviews

Handwerk für den  Mittelpunkt des Zuhauses

Interview mit Max Eckstein, Mitglied der Geschäftsleitung der Möbel Eckstein GmbH

Handwerk für den Mittelpunkt des Zuhauses

Die Küche hat sich in vielen Haushalten längst vom reinen Funktionsraum zum Mittelpunkt des Wohnens entwickelt. Entsprechend hoch sind die Ansprüche an Planung, Qualität und Service. Die Möbel Eckstein GmbH…

„Qualität ist nicht  verhandelbar“

Interview mit Fausto Valente, General Manager und Guido Rimini, Export Manager der IRS Industrie Riunite Spalmati s.r.l.

„Qualität ist nicht verhandelbar“

Die Einsatzmöglichkeiten für Kunstleder und beschichtete Materialien haben sich deutlich erweitert. Neben Mode, Schuhen und Lederwaren gewinnen Möbel, Nautik, Automotive, Medizin und technische Anwendungen an Bedeutung. Gefragt sind Materialien, die…

„Unser Ziel ist, Mobilität und Lebensqualität langfristig zu erhalten“

Interview mit Meike Buchholz, Geschäftsführerin der PKB Praxis-Klinik Bergedorf GmbH

„Unser Ziel ist, Mobilität und Lebensqualität langfristig zu erhalten“

Rückenschmerzen, Gelenkverschleiß und Bewegungseinschränkungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Gefragt sind Versorgungskonzepte, die Prävention, Therapie, Operation und Rehabilitation verbinden. Die PKB Praxis-Klinik Bergedorf in Hamburg verfolgt diesen…

TOP