Wo Versorgung zur Zukunftsaufgabe wird
Interview mit Marc Sprengard, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Ramstein-Miesenbach GmbH

Mitten in der Westpfalz übernehmen die Stadtwerke Ramstein-Miesenbach GmbH eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit und die nachhaltige Entwicklung der Verbandsgemeinde. Seit über 120 Jahren prägt das kommunale Unternehmen die Infrastruktur der Region – heute mit einem Portfolio, das weit über klassische Energie- und Wasserdienstleistungen hinausgeht.
Wichtige Weichenstellungen
Die Stadtwerke Ramstein-Miesenbach haben sich in den vergangenen Jahren strukturell und strategisch stark weiterentwickelt. Aus einem klassischen Versorger wurde ein vielseitiges Infrastrukturunternehmen. So war der Einstieg in die Breitbandversorgung ein signifikanter Meilenstein der jüngeren Unternehmensgeschichte.
„Wir haben uns entschieden, in die Breitbandversorgung einzusteigen und Glasfaserleitungen auf eigene Kosten zu verlegen“, berichtet der kaufmännische Leiter Marc Sprengard über die 2012 getroffene Entscheidung. Der Start des Ausbaus auf eigenwirtschaftlicher Basis, ohne öffentliche Fördermaßnahmen, startete im Juli 2022. Auch in der Wärmeversorgung setzen die Stadtwerke auf Innovationen. Neben bestehender Fernwärme wurden inzwischen mehrere Neubaugebiete über kalte Nahwärmenetze erschlossen – ein technologischer Ansatz, der klimafreundliche und effiziente Versorgungslösungen ermöglicht. Parallel treiben die Stadtwerke die Entwicklung eigener Photovoltaikparks voran. „Wir sind gerade dabei, größere PV-Parks zu planen und umzusetzen, von 10 bis 20 MW – mit Investitionen zwischen 10 und 20 Millionen EUR“, erläutert Marc Sprengard. Diese Projekte verdeutlichen den Wandel vom reinen Versorger hin zum aktiven Treiber der kommunalen Energiewende.
Chancen der Energiewende
Die Energiewende stellt kommunale Unternehmen vor komplexe Zukunftsfragen – und die Stadtwerke Ramstein-Miesenbach bilden hier keine Ausnahme. Die Transformation von Gasnetzen, der Ausbau erneuerbarer Energien, neue Anforderungen der kommunalen Wärmeplanung und der mögliche Umstieg auf Wasserstoff stehen ganz oben auf der Agenda.
Besonders der potenzielle Anschluss an eine Wasserstoffleitung eröffnet neue Perspektiven: Eine bestehende Gasfernleitung von Saarbrücken nach Mannheim könnte künftig auf Wasserstoff umgestellt werden. „Diese Leitung geht direkt durch unser Versorgungsgebiet. Wir könnten uns relativ gut anbinden, etwa um Industriekunden auf Wasserstoff umzustellen“, erklärt Marc Sprengard.
Diese dynamische Entwicklung verlangte und verlangt weiterhin hohe Investitionen. Allein 2024 investierten die Stadtwerke rund 15 Millionen EUR – bemerkenswert bei einer Bilanzsumme von rund 80 Millionen EUR. Dazu zählen unter anderem der Breitbandausbau und ein neues Umspannwerk, das zugleich die Basis für die geplanten Solarparks bildet.
Nah am Menschen
Trotz der Herausforderungen bleibt das Unternehmen wirtschaftlich stabil. „Wir haben eigentlich jedes Jahr ein konstantes Ergebnis“, sagt Marc Sprengard. Einer der großen Vorteile ist die kommunale Eigentümerstruktur: Die Stadt Ramstein-Miesenbach ist alleiniger Gesellschafter – und die Stadtwerke dürfen ihre Gewinne vollständig im Unternehmen behalten. Diese Unabhängigkeit schafft finanzielle Stärke für Zukunftsinvestitionen.
Doch wirtschaftlicher Erfolg ist für die Stadtwerke nur ein Teil des Selbstverständnisses. Ebenso entscheidend ist die Nähe zu den Menschen in der Region. Jährlich unterstützen die Stadtwerke lokale Vereine und gemeinnützige Organisationen mit 40.000 bis 50.000 EUR. „Der Servicegedanke und die Kundennähe sind bei uns zentrale Aspekte“, betont Marc Sprengard.
Kulturwandel
Die Kommunikation der Stadtwerke wird zunehmend digital. Neben Website und Amtsblatt kommuniziert das Unternehmen heute seit Kurzem auch über einen WhatsApp-Kanal, der schnelle Informationen wie Baustellenupdates oder Verbrauchsablesungen verbreitet.
Parallel findet ein Kulturwandel im Unternehmen statt. Ein umfassendes Organisationsprojekt hat Prozesse neu strukturiert und einen modernen Wertekatalog hervorgebracht. „Wir sehen uns trotz 85 Mitarbeitern immer noch als familiärer Betrieb. Der Slogan ‚Der Mitarbeiter geht vor‘ soll nicht nur ein Slogan sein, sondern auch gelebt werden“, betont Marc Sprengard. Dazu gehört auch Flexibilität: Homeoffice und mobiles Arbeiten wurden fest im Arbeitsalltag verankert.
Digitalisierung spielt im internen Wandel ebenfalls eine wachsende Rolle. Zwar stehen die Stadtwerke hier noch am Anfang, doch erste Prozesse – etwa die vollständige digitale Beantragung neuer Hausanschlüsse, PV-Anlagen sowie Speichernachrüstungen – wurden bereits umgesetzt.
Energiezukunft gestalten
Für die kommenden drei bis fünf Jahre sieht Marc Sprengard klare Prioritäten: den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, die Vorbereitung auf mögliche Wasserstoffnutzung und die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung. Vor allem aber wollen die Stadtwerke Ramstein-Miesenbach ihrer Rolle als verlässlicher, regional verwurzelter Versorger treu bleiben – und gleichzeitig die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen. „Sie haben eigentlich alles angesprochen, was uns bewegt“, fasst Marc Sprengard am Ende des Interviews zusammen – ein Zeichen dafür, wie breit das Aufgabenfeld eines modernen Stadtwerks geworden ist. Und wie entschlossen die Stadtwerke Ramstein-Miesenbach sind, diesen Weg weiterhin aktiv zu gestalten.












