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Nachhaltige Wäscheversorgung für sensibelste Bereiche

Interview mit Stephan Richtzenhain, Geschäftsführender Gesellschafter SITEX Textile Dienstleistungen

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Wirtschaftsforum: Herr Richtzenhain, was ist das Kerngeschäft von Sitex?

Stephan Richtzenhain: Wir bieten Krankenhäusern und Altenheimen eine textile Vollversorgung. Das bedeutet, wir kaufen Textilien, stellen diese den Häusern zur Verfügung, waschen, reparieren, tauschen aus und bringen sie bis an den Ort der Verwendung, also zum Beispiel an den Wäscheschrank im Krankenhaus. Von dort holen wir sie auch wieder ab. Jedes Krankenhaus benötigt mehrere hundert verschiedene Artikel, vom Strampler fürs Frühchen bis zum Arztmantel für den Chefarzt. Wir haben auch textile Medizinprodukte im Verkehr sowie Schutzkittel, OP-Mäntel oder OP-Abdeckungen, die wir steril ausliefern. Unser zweites Standbein ist die Bekleidungsversorgung von Unternehmen aus Industrie, Handwerk und Handel. Wir versorgen rund 2.000 Unternehmen mit Bekleidung für ihre Mitarbeiter, im sogenannten Textil-Leasing. Auch hier holen wir ab, reparieren und sorgen dafür, dass die Mitarbeiter unserer Kunden immer richtig und hygienisch angezogen sind.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Sitex heute am Markt?

Stephan Richtzenhain: Seit einigen Jahren sind wir im Markt der textilen Vollversorgung von Krankenhäusern deutschlandweit Marktführer. Im Bereich der Bekleidungsversorgung von Unternehmen sind wir in Deutschland ebenfalls führend aufgestellt. Wir verfügen über zehn eigene Standorte in Norddeutschland mit 2.500 Mitarbeitern sowie 15 weitere Sitex-Systempartner. Dies sind mittelständische Unternehmen, die sich uns angeschlossen haben und mit denen wir unsere Dienstleistung in ganz Deutschland ausrollen. Die Sitex-Systempartner eingeschlossen, beschäftigen wir rund 5.000 Mitarbeiter. Wir erreichen einen Jahresumsatz von 150 Millionen EUR, inklusive unserer Partner sind es rund 300 Millionen EUR. Man kann sagen, dass ungefähr 30 bis 35% unserer Krankenhausbetten in ganz Deutschland von uns versorgt werden.

Wirtschaftsforum: Bitte nennen Sie uns einige Ihrer Referenzkunden.

Stephan Richtzenhain: Zu unseren Kunden zählen unter anderem die Charité in Berlin, die Uni-Klinik Eppendorf, ungefähr die Hälfte aller der Helios-Kliniken, alle Sana- Kliniken, große kommunale Einrichtungen und zahlreiche andere. Im industriellen Bereich gehören unter anderem EDEKA in Hannover sowie die Famila-Märkte zu unserem festen Kundenkreis.

Wirtschaftsforum: In welchem Bereich sehen Sie für die kommenden Jahre Wachstumsperspektiven?

Stephan Richtzenhain: Unser am stärksten wachsende Markt ist der der Altenheime. Wir versorgen weit über 1.000 Altenheime. Hier muss die Bewohnerwäsche hygienisch aufbereitet werden, also das, was der Bewohner am Leib trägt. Diese muss zu 100% hygienisch einwandfrei sein, da die älteren Menschen sehr anfällig für Infektionen sind. Das Gleiche gilt für die Bekleidung des Personals. In der Pandemie unterstützen wir die Altenheime gerade stark mit hygienischer Berufsbekleidung. Mit der Krise ist in den Einrichtungen der Anspruch an Hygiene stark gestiegen.

Wirtschaftsforum: Wie hat die COVID19-Pandemie den Markt verändert?

Stephan Richtzenhain: Alle sind von der Corona-Krise in atemberaubender Geschwindigkeit überrascht worden. Schnell zeichnete sich ab, dass die weltweiten Supply- Chains, die ja zu einem großen Teil für die Kliniken auf Einmalprodukte ausgerichtet sind, immer dünner wurden und dann sogar zusammengebrochen sind. Hier sind wir mit Textilien eingesprungen. Als zum Beispiel der Bedarf an Einweg-Schutzkleidung nicht mehr gedeckt werden konnte, haben wir frühzeitig entsprechende textile Produkte beschafft. Zudem war ab Ende Februar klar, dass wir in eine OP-Masken-Krise hineinschlittern. Wir haben dann begonnen, eine Maske zu entwickeln. So konnten wir vielen unserer Kunden, gerade in der dramatischen Phase, helfen. Das war allerdings eine Übergangslösung. Bei der Krise der OP-Mäntel konnten wir unsere Kunden ebenfalls gut unterstützen. Wir haben in kürzester Zeit Mehrweg-Mäntel fertigen lassen und damit auch wieder einen Markt neu belebt. Ein großer privater Krankenhausanbieter hat jetzt seine ganze OP-Bekleidung in Form von sterilen Mänteln auf Mehrwegprodukte mit uns umgestellt. Wichtig war während der Krise natürlich auch, mit unseren vielen Mitarbeitern handlungsfähig zu bleiben. Kein Krankenhaus kann einen Tag ohne uns auskommen. Es ist uns gelungen, jeden Tag zu produzieren und kein Kunde musste auf seine normale Wäscheversorgung verzichten.

Wirtschaftsforum: Was sind die besonderen Stärken von SITEX, wie unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern?

Stephan Richtzenhain: Unsere Dienstleistung ist hochsensibel. Ein Krankenhaus kann ohne Wäsche nicht einen Tag lang arbeiten. Entsprechend gut muss unser Service sein, mit einer hohen Zuverlässigkeit. Wir legen zudem großen Wert auf das gesamte Thema Nachhaltigkeit. Unsere Dienstleistung basiert auf Textilien. Textilien sind zwar als Kreislaufwirtschaft in einer Wäscherei, aber die Textilien selbst sind nicht immer nachhaltig. Unser großes Bestreben ist es, unsere Dienstleistung nur auf der Basis von nachhaltig erzeugten Textilien und Textilien mit einem positiven Footprint anzubieten.

Wirtschaftsforum: Können Sie dies konkretisieren?

Stephan Richtzenhain: Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass unser Globus in massiver Gefahr ist. Wir haben uns fest für unsere Unternehmensgruppe vorgenommen, einen ökologischen Turnaround zu schaffen. Zum Beispiel haben wir in der Krankenhausbekleidung Baumwolle verstärkt durch Tencel-Gewebe ersetzt. Dies ist eine holzbasierte Faser von der Firma Lenzing. Die Rohstoffe für diese Faser kommen aus nachhaltigem deutschem und österreichischem Waldbau. Baumwolle hat, obwohl sie eigentlich immer als biologisches Produkt angesehen wird, einen relativ schlechten Fußabdruck für unsere Erde. 50% aller Pestizide, die weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt werden, gehen in den Baumwollanbau. Dieser braucht sehr viel Wasser. Deshalb hat man ganze Regionen, wie zum Beispiel den Aralsee oder das Kaspische Meer, stark entwässert. Aktuell gehen wir sogar noch einen Schritt weiter: alle unsere Lieferanten müssen ein Nachhaltigkeits-Zertifikat vorlegen, zum Beispiel für Bettwäsche. Zurzeit arbeiten wir mit einer der ganz großen Universitätskliniken daran, eine Bekleidung auf den Markt zu bringen, bei der der Polyesteranteil, der ja fast immer in Kleidung enthalten ist, aus Ozeanplastik stammt, um uns so an der Säuberung der Meere zu beteiligen.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Nachhaltigkeit ist ein Teil Ihrer Unternehmensstrategie

Stephan Richtzenhain: Ich habe großes persönliches Interesse, meinen Beitrag zu leisten, der Welt zu helfen, sich ökologisch zu erholen. Wir müssen natürlich darauf achten, dass wir unsere nachhaltigen Produkte auch preisinteressant anbieten können, da im Gesundheitswesen nicht viel finanzieller Spielraum ist. Die Kunden nehmen diese Lösungen aber sehr gerne an. Anfang nächsten Jahres bringen wir eine bio-kompostierbare Polyester-Faser auf den Markt. Wir haben als Wäscherei bereits einen Kreislauf. Jetzt sollen die Textilien, die wir nicht mehr brauchen, auch wieder dem Kreislauf zugeführt werden, in Form von Biogas, Kompostierung oder Humus zum Beispiel. Hier sind wir die ersten weltweit, die so eine Lösung einführen. Weiterhin werden wir noch an unserem Carbon-Footprint arbeiten. Wir sind in der Produktion nicht klimaneutral, wir produzieren Wärme und verbrauchen Strom. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Organisation „Plant for the Planet“ in zweieinhalb Jahren 120.000 Bäume gepflanzt und möchten uns über den so entstehenden Wald, den wir in der Region Yucatan in Mexiko auf einer eigens gekauften Fläche angepflanzt haben, durch Kompensation klimaneutral machen. Jeder Baum, den wir pflanzen, ist gut für 200 kg CO-² Speicherung, die aus der Atmosphäre entnommen werden. Wir sind somit also insgesamt auf einem guten Weg, klimaneutral zu werden.

Interview: Manfred Brinkmann

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