370 Jahre Etikettenkompetenz

Interview mit Santiago A. Kuipers, Geschäftsführer der Royal Hoitsema Labels B.V.

Wirtschaftsforum: Herr Kuipers, Royal Hoitsema Labels gilt als älteste noch aktive Druckerei der Niederlande. Welche Meilensteine haben die Unternehmensgeschichte geprägt?

Santiago A. Kuipers: Das Unternehmen wurde 1653 gegründet und hat seitdem immer den Namen Hoitsema getragen. 1953 erhielt es zum 300-jährigen Bestehen das Prädikat „Royal“. 2021 waren schwierige Zeiten und das Unternehmen wurde von einem regionalen Investor übernommen. Die Übernahme erfolgte durch Van Ketwich Participatie; seitdem arbeiten wir als Gruppe mit Scholma Print & Media unter einem Dach und bündeln Know-how im Innovations-Team. Das Firma Lijnco gehört auch dazu, mit eigenem Sitz in Groningen. Seit 2022 bin ich Geschäftsführer des Unternehmens und seit 2024
zusätzlich auch für Scholma Print & Media. Gemeinsam sind wir inzwischen auf 92 Mitarbeitende und rund 20 Millionen EUR Umsatz gewachsen.

Wirtschaftsforum: Worauf liegt Ihr unternehmerischer Schwerpunkt, und welche Branchen bedienen Sie?

Santiago A. Kuipers: Unser Kerngeschäft sind Labels, insbesondere für die Bier- und Getränke­industrie, aber auch für Kaffee, Schokolade, Milch und Tabak. Ebenso gehören dazu Wet-glue-Labels (Leimetiketten). Verpackungen spielen bislang eine untergeordnete Rolle. Wir setzen auf hochwertige Offsetdruckverfahren mit bis zu acht Farben und Doppellack. Charakteristisch sind lange Projektzyklen, enge Qualifizierungsprozesse und die Zusammenarbeit mit großen Markenherstellern wie Heineken oder Jacobs Douwe Egberts. Dabei bedienen wir bewusst kleine und mittelgroße Kunden und liefern je nach Bedarf just-in-time oder containerweise.

Wirtschaftsforum: Ein Großteil Ihrer Produkte geht ins Ausland. Welche Märkte sind für Sie besonders wichtig, und wie gewinnen Sie neue Kunden?

Santiago A. Kuipers: Etwa 60 bis 65% unseres Umsatzes erwirtschaften wir im Export. Neben den Niederlanden sind vor allem Deutschland und Belgien unsere Kernmärkte, ergänzt durch Aktivitäten in Süd- und Lateinamerika sowie in Teilen Frankreichs. Wir setzen auf regelmäßige Bestandskunden und gewinnen gezielt zwei bis drei neue Kunden pro Jahr, teils gemeinsam mit Partnern. Die Neukundengewinnung erfolgt sehr selektiv – wir streben nicht nach Masse, sondern nach Qualität und langfristiger Zusammenarbeit. In der Branche sind wir bekannt und werden häufig empfohlen; Messen besuchen wir, ohne selbst auszustellen. Manchmal verzichten wir bewusst auf Ausschreibungen, wenn es nur um Preisdumping geht – wir wollen lieber für Leistung und Qualität geschätzt werden.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Innovation für Ihr Unternehmen?

Santiago A. Kuipers: Eine sehr große. Wir haben massiv in neue Maschinen, digitale Drucktechnologien und ein modernes Inkmisch- und Dosiersystem investiert. Das ermöglicht uns mehr Flexibilität, weniger Abhängigkeit von Erfahrungswissen einzelner Mitarbeiter und präzisere Ergebnisse, gerade weil es immer schwieriger wird, erfahrene Fachkräfte zu finden. Auch QR-Codes und digitale Plotter gehören inzwischen zu unserem Alltag; damit können wir zum Beispiel Kleinauflagen oder Tests realisieren, wie jüngst ein Pilotprojekt für Bierlabels in Neukaledonien. Parallel arbeiten wir in einem Innovations-Team mit unseren Schwesterunternehmen, um neue Produkte und effizientere Verfahren zu entwickeln. Zu unseren Erfolgsfaktoren zählen Druckqualität, Erfahrung, Flexibilität und Beratung. Mit GMG-Color-Proofs sichern wir reproduzierbare Farben und arbeiten eng mit den Design-Teams unserer Kunden zusammen.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema der Branche. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Santiago A. Kuipers: Wir setzen auf LED-Beleuchtung, Recycling und E-Mobilität, haben unser Dach mit Photovoltaik ausgestattet und achten bei Investitionen auf energieeffiziente Maschinen. Zudem nutzen wir FSC-zertifizierte Materialien und dokumentieren unseren Climate Footprint. Auch unser neues Inkdosiersystem trägt zur Nachhaltigkeit bei, da es Transportwege reduziert und die Rückläufe von Restfarben minimiert. Für viele unserer Kunden ist das ein wichtiger Bestandteil ihrer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie - und für uns ein fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie mit Royal Hoitsema Labels, und welche Rolle spielen Unternehmenskultur und persönliche Motivation dabei?

Santiago A. Kuipers: Wir arbeiten mit flachen Hierarchien und einem pragmatischen ‚Hands-on‘-Mindset. Strategisch wollen wir wachsen und investieren – mit Fokus auf unsere Kernbranchen und innovative Lösungen. Persönlich motiviert mich, ein traditionsreiches Unternehmen in Groningen modern weiterzuentwickeln. Wir sponsern den lokalen Fußballclub, schaffen Arbeitsplätze in der Region – und es macht Freude, unsere Etiketten im Supermarkt zu sehen. Das erfüllt mich mit Stolz und motiviert mich, gemeinsam mit dem Team täglich das Beste zu geben.

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