Das Hase-und-Igel-Prinzip

Interview mit Dr. Olaf Höbel, Director Service Unit Digitalization der Rottendorf Pharma GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Höbel, das Thema Cyber Security ist fest in der Rottendorfer Unternehmensstrategie verankert. Wie kam es dazu? 

Dr. Olaf Höbel: Bevor ich vor etwa vier Jahren zu Rottendorf kam, war ich in der Automobil­industrie tätig, in der das Thema IT-Security seit Langem verankert ist. Gemeinsam mit einem externen Partner haben wir uns mit dem Thema IT-Sicherheit bei Rottendorf beschäftigt und begutachtet, wie hoch der Sicherheitsstandard hier ist. 

Wirtschaftsforum: Mit welchem Ergebnis? 

Dr. Olaf Höbel: Unsere Beobachtung war, dass ein Teil, die Data Integrity, bereits gut umgesetzt war, allerdings primär mit dem Fokus auf Einhaltung der GxP-Regularien. Also haben wir vor drei Jahren mit Assessments begonnen, haben analysiert, wo es Lücken gibt, Risiken abgeleitet und eine Roadmap erstellt. Als dann der erste Kunde mit dem Thema auf uns zukam, waren wir bereits gut aufgestellt; nicht nur was Technik und Tools betraf, sondern auch hinsichtlich der Menschen, Prozesse und der Awareness. Es geht bei dem Thema Cyber Security darum, die gesamte Organisation mitzunehmen und das Thema ganzheitlich zu betrachten. Vor dem Hintergrund eines verstärkten Einsatzes von IoT, Machine Learning und Big Data haben auch Lieferanten das Thema aufgegriffen. Der Bereich birgt viel Potenzial; es geht zum Beispiel um die Frage, wie Informationen genutzt werden können, um qualitativ und bezüglich der IT Security besser zu werden.

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie aktuell die Gefahr durch Cyberkriminalität? 

Dr. Olaf Höbel: Grundsätzlich gibt es eine sehr hohe Gefahr, auch wenn diese sich nicht konkretisieren lässt. Die allgemeine Gefahr steigt zum Beispiel durch Brute Force Attacks, die nicht auf einzelne Branchen abzielen. Unternehmen werden zudem oft zufällig Opfer von Hackerangriffen. Momentan deutet nichts auf einen gezielten Angriff auf die Pharmaindustrie oder Rottendorf hin, was sich aber jederzeit ändern kann. 

Wirtschaftsforum: Wie schützen Sie vor diesem Hintergrund sensible Daten? 

Dr. Olaf Höbel: Wir haben gemeinsam mit einem externen Partner eine Data Governance erschaffen, die sowohl den technischen Bereich einschließt als auch den organisatorischen, und lehnen uns an internationale Standards wie die ISO 27001 an. Dabei werden sämtliche Bereiche von der technischen Implementierung über Firewalls bis zu Awareness Trainings abgedeckt. Wir arbeiten mit Experten zusammen, um unsere Roadmap umzusetzen, haben zum Beispiel einen Partner für das Thema Incident Management. Einmal im Quartal führen wir Simulationen durch, um zu prüfen, ob es im Unternehmen Sicherheitslücken gibt. Wir setzen auf führende Technologiehersteller, die immer einen Schritt voraus sind, und entwickeln Strategien nach dem Zero Trust-Ansatz. Ziel ist immer, Hackern einen Schritt voraus zu sein oder so viele Hürden aufzubauen, dass diese aufgeben. 

Wirtschaftsforum: Was macht für Sie eine erfolgreiche Sicherheitsstrategie aus? 

Dr. Olaf Höbel: Das große Ziel ist, nie Opfer eines Angriffs zu werden. Wenn man konkret in ein Unternehmen hineinschaut, ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter seiner Arbeit nachgehen kann, ohne Angst haben zu müssen, etwas falsch zu machen und Hackern Tür und Tor zu öffnen. Ein selbstständiger und bewusster Umgang mit den Informationsmedien und Infrastrukturen ist sehr wichtig.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema KI im Zusammenhang mit Cyber Security? 

Dr. Olaf Höbel: Wir beziehen das Thema in unsere Strategie ein. In einem gemeinsamen Projekt eines externen Partners und der Hochschule Bielefeld sind Unternehmensrichtlinien definiert, die den Umgang mit KI-gestützten Tools beschreiben und reglementieren. In einigen Fachbereichen sind wir bewusst den Weg gegangen, KI-Tools einzusetzen, um zu schauen, wie wir damit umgehen, um zu lernen, wie man sinnvoll damit arbeitet und welche Gefahren sich stellen.

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die Herausforderungen rund um das Thema IT-Sicherheit in Zukunft?

Dr. Olaf Höbel: Es ist ein ständiger Wettlauf mit der Zeit, ähnlich wie der zwischen Hase und Igel. Es geht darum, immer die Nase vorn zu haben, die Awareness im Unternehmen konstant hoch zu halten und nie nachzulassen; wie ein Muskel, der ständig trainiert werden muss. Dieser Wettlauf findet auch im technologischen Bereich statt, wo man immer auf dem neuesten Stand sein muss. Unser Vorteil ist unser Netzwerk an Partnern mit entsprechender Expertise. Es gibt keine 100%ige Sicherheit, aber wir bleiben am Ball, halten unsere Sinne geschärft, tun alles, um jeden Mitarbeiter, unsere Kunden und die Patienten zu schützen. Das ist mein persönliches Anliegen und das des Unternehmens. Alles, was wir machen, dient dem Wohlbefinden der Patienten. 

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