Präzision, die in der Hand liegt

Interview mit Sascha Zmiskol, Geschäftsführer der Rennsteig Werkzeuge GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Zmiskol, wie sind Sie zu Rennsteig Werkzeuge gekommen?

Sascha Zmiskol: Ich bin seit knapp 16 Jahren bei Rennsteig Werkzeuge und als Geschäftsführer direkt dem Inhaber von ­KNIPEX unterstellt. Mein Hintergrund ist technisch geprägt: Ich habe Luft- und Raumfahrttechnik studiert und zusätzlich Wirtschaftsingenieurwesen an der Fernuniversität Hagen abgeschlossen. Diese Kombination hilft mir in einer General Management-Funktion sehr, weil sie technische, wirtschaftliche und strategische Themen miteinander verbindet. RENNSTEIG war für mich von Anfang an ein besonderes Unternehmen, ein echtes Juwel mit großer technologischer Vielfalt und erheblichem Entwicklungspotenzial.

Wirtschaftsforum: Welche Meilensteine haben das Unternehmen besonders geprägt?

Sascha Zmiskol: Unsere Wurzeln reichen bis 1959 zurück, als in Steinbach-Hallenberg, im Ortsteil Altersbach, mit 29 Beschäftigten die Produktion aufgenommen wurde. Ein entscheidender Schritt war 1991 die Übernahme durch die KNIPEX-Gruppe. Damals erforderte diese Entscheidung unternehmerischen Mut: Es ging um 150 garantierte Arbeitsplätze und einen Umsatz von umgerechnet rund 4,5 Millionen EUR. Heute beschäftigen wir 435 Mitarbeitende und erwirtschaften einen Umsatz von 64 Millionen EUR. Die Verbindung aus dem starken internationalen Vertriebssystem von KNIPEX und unserem technischen Know-how in Südthüringen hat sich als großer Erfolgsfaktor erwiesen.

Wirtschaftsforum: Was macht Rennsteig Werkzeuge heute aus?

Sascha Zmiskol: Eine unserer größten Stärken ist die Innovationskraft. Wir entwickeln jedes Jahr mehrere neue Produkte und verfügen über ein breites Spek­trum an Handwerkzeugen für professionelle Anwendungen. Dazu gehören Werkzeuge für die Kabelverarbeitung, Crimp-Lösungen, Kabelscheren, Abisolierwerkzeuge, Schlagwerkzeuge, Werkzeuge für PV-Installationen sowie kundenspezifische Lösungen. Wir sind nicht im Billigsegment zu Hause. Unsere Werkzeuge richten sich an Anwender, die täglich damit arbeiten und sich auf Qualität, Ergonomie und Langlebigkeit verlassen müssen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Fertigungstiefe?

Sascha Zmiskol: Eine sehr große. Rund 90% unserer Wertschöpfung entstehen im eigenen Haus. Das ist heute nicht selbstverständlich, macht uns aber unabhängiger und widerstandsfähiger. Wir verfügen über zahlreiche Produktionsverfahren, eigene Entwicklungsabteilungen und bauen auch Betriebsmittel sowie Automatisierungslösungen selbst. Was wir nicht selbst fertigen, beziehen wir überwiegend von langjährigen Partnern aus der Region. Wir wechseln unsere Lieferanten nicht wegen kleiner Preisvorteile, sondern entwickeln gemeinsam langfristige Lösungen. Das schafft Vertrauen und Verlässlichkeit.

Wirtschaftsforum: Hat Ihnen diese Struktur in Krisenzeiten geholfen?

Sascha Zmiskol: Absolut. Während der Coronapandemie, der Lieferkettenprobleme sowie der steigenden Energie- und Materialpreise war es für uns entscheidend, lieferfähig zu bleiben. Wir haben Material eingekauft, weiter ausgebildet, neue Mitarbeitende eingestellt, qualifiziert und investiert. Zwischen 2020 und dem vergangenen Jahr sind wir beim Umsatz um 62% gewachsen. Wir haben neue Gebäude errichtet und erst in diesem Jahr eine neue Produktionshalle in Betrieb genommen. Das ist antizyklisch – aber genau diese langfristige Ausrichtung zeichnet uns aus.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte stehen besonders für RENNSTEIG?

Sascha Zmiskol: Besonders bekannt sind wir im Bereich der Aderendhülsenverarbeitung. Unsere automatischen Werkzeuge stellen sich auf unterschiedliche Durchmesser ein und werden im Elektrohandwerk sowie im Schaltschrankbau eingesetzt. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Spezialanwendungen. Wir sind beispielsweise freigegebener Lieferant bei Airbus. Kabelbäume für Flugzeuge wie den A380, den A350 oder den A400M wurden mit unseren Werkzeugen gefertigt. Umsatzseitig ist das eine Nische, qualitativ jedoch ein enormer Anspruch. Wer diese Standards erfüllt, hebt die gesamte Organisation und Produktqualität auf ein höheres Niveau.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig sind Digitalisierung und Automatisierung?

Sascha Zmiskol: Sehr wichtig. Wir nutzen CAD, CAM, 3D-Druck, Simulationen und digitale Prozesse in vielen Bereichen. Auch künstliche Intelligenz spielt eine Rolle, etwa bei der Überwachung unserer IT-Infrastruktur, der Analyse von Daten oder der Informationsverarbeitung. Entscheidend ist jedoch, dass Menschen die Ergebnisse richtig einordnen können. KI kann unterstützen, ersetzt aber weder Kompetenz noch Erfahrung.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Rennsteig Werkzeuge in den nächsten Jahren?

Sascha Zmiskol: Unsere Entwicklungs-Roadmap ist für die kommenden drei Jahre gut gefüllt. Wir werden unser Produktspektrum weiterentwickeln und gleichzeitig die Marke RENNSTEIG insbesondere im Bereich der Schlagwerkzeuge stärker sichtbar machen. Viele Anwender nutzen unsere Produkte, ohne zu wissen, dass sie von uns stammen, weil sie unter Eigenmarken verkauft werden. Wir wollen zeigen, welche Qualität, welche Werkstoffe, welche Fertigungsverfahren und welches Know-how hinter unseren Werkzeugen stehen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Wenn Engineering und Rohrleitungstechnik zusammenwachsen

Interview mit Dipl.-Ing. Michael Hüfner, Geschäftsführer der DSD Industrie Rohrtechnik GmbH

Wenn Engineering und Rohrleitungstechnik zusammenwachsen

Industrieanlagen werden immer komplexer – und damit steigen auch die Anforderungen an Planung, Fertigung und Umsetzung. Die DSD Industrie Rohrtechnik GmbH aus Delitzsch verbindet genau diese Bereiche unter einem Dach…

„Wir lösen das“ – Ganzheitliche Systemkompetenz für die Industrie

Interview mit Henning Vogler, Geschäftsführer der Armbruster Engineering GmbH & Co. KG

„Wir lösen das“ – Ganzheitliche Systemkompetenz für die Industrie

Vom ersten Handgriff bis zur finalen Dokumentation: Die Armbruster Engineering GmbH & Co. KG aus Bremen digitalisiert industrielle Prozesse ganzheitlich. Anders als viele Wettbewerber liefert das Unternehmen nicht nur…

Fördertechnik ohne Grenzen

Interview mit Stefano Ferrari, Global Sales Manager der Trasmec s.r.l.

Fördertechnik ohne Grenzen

Wer eine Holzwerkstoffplatte kauft, denkt kaum an die Fördertechnik, die den Holzstaub zur Presse transportiert. Die Trasmec s.r.l. aus Casalbuttano in der Provinz Cremona ist auf genau diese unsichtbaren Prozesse…

Spannendes aus der Region Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Auf dem Weg in die Zukunft des ÖPNV

Interview mit Sarah Höring, Geschäftsführerin der IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau

Auf dem Weg in die Zukunft des ÖPNV

Mobilität ist eines der wichtigen Themen unserer Zeit. Der Individualverkehr kommt an seine Grenzen – neue Ideen sind gefragt. Das gilt gleichermaßen für Städte wie für ländliche Strukturen. Mit dem…

Energie clever nutzen, Kosten effektiv senken

Interview mit Sebastian Ritter, Geschäftsführer der ifesca GmbH

Energie clever nutzen, Kosten effektiv senken

Die Zeiten, in denen Energie jederzeit im Überfluss zu günstigen Preisen zur Verfügung stand, sind vorbei. Gerade für energieintensive Unternehmen ist deshalb ein umfassendes Energiemonitoring und -management eine wichtige Voraussetzung,…

Smarte Lösung für moderne Personaleinsatzplanung

Interview mit Robert Schüler, Geschäftsführer der plano solutions GmbH

Smarte Lösung für moderne Personaleinsatzplanung

Die plano solutions GmbH ist ein Softwareunternehmen, das sich auf die Entwicklung von Lösungen für die Personaleinsatzplanung spezialisiert hat. Die Software ermöglicht es Unternehmen, Daten zu analysieren und zukunftsorientierte Planungen…

Das könnte Sie auch interessieren

Lernen, das zum Leben passt

Interview mit Robin Marsch, Chief Commercial Officer der velpTech GmbH

Lernen, das zum Leben passt

Weiterbildung nach dem Gleichschrittprinzip? Für velpTEC greift das zu kurz. Der Bildungsanbieter setzt auf individuelle Lernwege, Praxisnähe und persönliche Begleitung. Chief Commercial Officer Robin Marsch sieht darin mehr als ein…

Effizienz mit klaren Strukturen

Interview mit Tilla Schröder, Gesellschafterin und Geschäftsführerin der profiforms gmbh

Effizienz mit klaren Strukturen

Unternehmen stehen unter hohem Kostendruck und müssen ihre Prozesse schneller, effizienter und zugleich rechtssicher gestalten. Die profiforms gmbh aus Leonberg entwickelt Lösungen für das Customer Communication Management. Sie verbindet Input-…

Die digitale Werkbank der Industrie

Interview mit Simon Knoche, Vertriebsleiter DACH der 247TailorSteel Deutschland GmbH

Die digitale Werkbank der Industrie

Die metallverarbeitende Industrie steht unter hohem Veränderungsdruck. Schwankende Materialpreise, kürzere Lieferfristen und steigende Anforderungen an Flexibilität und Nachhaltigkeit prägen den Markt. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Beschaffungs- und Produktionsprozesse…

TOP