Wenn Standard nicht hoch genug reicht

Interview mit Florian Kunze-Scheffler, CFO/CIO/CDO der Kunze GmbH

Die Kunze GmbH hat sich als Spezialist für anspruchsvolle Lösungen im Bereich Höhenzugangstechnik etabliert und gehört insbesondere bei Zweiwege-Arbeitsbühnen für den Einsatz auf Schienen zu den führenden Anbietern in Deutschland. Die besondere Stärke des Familienunternehmens liegt in der Verbindung aus technischer Nischenkompetenz, umfassendem Serviceangebot und einer konsequent digitalisierten Arbeitsweise, die Kunden maßgeschneiderte und effiziente Lösungen ermöglicht.

Vom Pioniergeist zum ­Marktführer

Die Geschichte des Unternehmens begann 1989 mit einer mutigen Entscheidung. Gründer Karl Kunze kündigte seinen sicheren Arbeitsplatz, nahm einen Kredit auf und investierte in seine erste Arbeitsbühne. „Mein Bruder ist damals von Maler zu Maler gefahren und hat gesagt: ‚Die Arbeitsbühne hat Zukunft‘“, erinnert sich Florian Kunze-Scheffler,CFO/CIO/CDO der Kunze GmbH. „Damals wurde er dafür eher belächelt. Heute wissen wir, wie sich der Markt entwickelt hat.“

Bereits Anfang der 1990er-Jahre erkannte man bei Kunze das Potenzial der Vermietung und baute diesen Bereich konsequent aus. Heute umfasst der Mietpark mehr als 200 Maschinen. Hinzu kommen Niederlassungen in Österreich sowie Nordrhein-Westfalen.

Besonders erfolgreich ist das Unternehmen im Bereich der Zweiwege-Arbeitsbühnen, die sowohl auf der Straße als auch auf Schienen eingesetzt werden können. Gemeinsam mit dem italienischen Hersteller Platform Basket entwickelte Kunze spezielle Lösungen für den Einsatz auf Bahnstrecken. „Im Bereich Zweiwege-Arbeitsbühnen sind wir heute Marktführer“, erklärt Florian Kunze-Scheffler. „Keine Maschine kommt ohne unser Know-how und unsere Zulassungskompetenz auf die deutsche Schiene.“

Nischenstrategie als ­Erfolgsmodell

Während viele Unternehmen auf Masse setzen, verfolgt die Kunze GmbH bewusst eine andere Strategie. „Unser Ansatz war immer: Gehe in die Nische“, betont Florian Kunze-Scheffler. Genau dort habe das Unternehmen seine größten Wachstumschancen gefunden.

Das zeigt sich auch bei den aktuellen Innovationen. Im Juni weiht die Kunze GmbH ihren neuen Standort in Bruckmühl offiziell ein. Gleichzeitig präsentiert das Unternehmen mit der Spider 54T die weltweit höchste Raupenarbeitsbühne ihrer Art mit 54 m Arbeitshöhe. Die Maschine eignet sich insbesondere für Windparks und schwer zugängliche Einsatzorte.

„Die Standardarbeitsbühne hat heute fast jeder Anbieter“, sagt Florian Kunze-Scheffler. „Wir konzentrieren uns dagegen auf spezielle Herausforderungen und entwickeln dafür die passenden Lösungen.“

Auch der Bereich Minikrane wird derzeit massiv ausgebaut. Die kompakten Raupenkrane passen durch schmale Türen und können dennoch mehrere Tonnen heben – ein entscheidender Vorteil bei Sanierungsprojekten und engen Baustellen.

Darüber hinaus versteht sich Kunze als „360-Grad-Lösungsprofi“ für Höhenzugangstechnik. Kunden erhalten nicht nur Maschinen, sondern auch Vermietung, Service, Schulungen, Gebraucht­geräte und digitale Lösungen aus einer Hand. Durch die Partnerschaft mit der System Lift Gruppe stehen über 23.000 Mietgeräte
an über 70 Standorten zur Verfügung.
 

KI als Wachstumstreiber

Ein weiterer Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf der Digitalisierung. Die Kunze GmbH arbeitet bereits heute mit vollständig digitalen Prozessen und setzt künstliche Intelligenz gezielt im Tagesgeschäft ein. Besonders sichtbar wird dies im Servicebereich. Jede Maschine verfügt über einen Barcode, über den Kunden direkt digitale Supportprozesse starten können. Fotos, Fehlercodes und Videos werden automatisch an das Serviceteam übertragen und zentral dokumentiert. Zusätzlich unterstützt KI-basierte Software die Servicetechniker bei der Fehleranalyse. Systeme wie Microsoft Copilot liefern bereits automatisierte Lösungsvorschläge zu bestimmten Fehlercodes. „Wir nutzen KI mittlerweile in allen Bereichen“, sagt Florian Kunze-Scheffler. „Unser Ziel ist es, immer einen Schritt voraus zu sein.“

Die Digitalisierung trägt maßgeblich dazu bei, dass das Unternehmen trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen stark gewachsen ist. Zwischen 2020 und 2025 verdoppelte die Kunze GmbH ihren Umsatz trotz Pandemie, Lieferkettenproblemen und geopolitischen Krisen.

Klare Werte

Trotz Wachstum und technologischem Fortschritt bleibt die Unternehmenskultur stark von familiären Werten geprägt. Die Kunze GmbH setzt bewusst auf Eigenständigkeit und möchte auch künftig ohne Investoren wachsen.Auch Nachhaltigkeit gehört fest zur Unternehmensstrategie. Der neue Standort in Bruckmühl wurde in Holzbauweise errichtet und setzt auf eine besonders gute CO2-Bilanz. „Wir wollen unsere Position weiter ausbauen und gleichzeitig flexibel bleiben“, sagt Florian Kunze-Scheffler. „Am Ende geht es immer darum, gemeinsam mit dem Kunden die passende Lösung zu finden.“

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