Mit Rückenwind in die Zukunft
Interview mit Thomas Mouhlen, Geschäftsführer der Prophete In Moving GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Mouhlen, wie hat sich Prophete in Moving seit der Übernahme durch die Tri Star Group weiterentwickelt?
Thomas Mouhlen: In den letzten Jahren haben wir eher auf Stabilität gesetzt und uns stärker auf die Zukunft konzentriert, als in die Vergangenheit zu blicken. Dementsprechend haben wir unser Sortiment weitreichend überarbeitet und uns zudem auf die weitere Verbesserung von Qualität, Lieferfähigkeit und Service fokussiert. Dabei konnten wir trotz aller Herausforderungen auf die beständige Unterstützung unserer Kunden bauen – das hat uns sehr geholfen.
Wirtschaftsforum: Welche Veränderungen haben Sie an Ihrem Produktspektrum vorgenommen?
Thomas Mouhlen: In der Vergangenheit war der Akku bei vielen unserer Räder an der Sattelstützte befestigt. Das ist aber nicht mehr State of
the Art, weshalb unsere Akkus nun bei jedem Modell voll in den Rahmen integriert sind. Gleichzeitig ist eine nahtlose digitale Konnektivität inzwischen viel wichtiger als noch vor ein paar Jahren: Der Endverbraucher will sein E-Bike inzwischen mühelos über das Smartphone entsperren können – das ist bei unseren Produkten nun problemlos möglich. Aber auch jenseits unseres Sortiments haben wir wichtige Veränderungen umgesetzt: Neben starken Digitalisierungsimpulsen und der kontinuierlichen Verbesserung unserer Nachhaltigkeitsbilanz haben wir beispielsweise einen eigenen Home Service mit 18 Monteuren eingerichtet, die bei unseren Kunden vor Ort Reparaturen durchführen. Gleichzeitig konnten wir unser Servicepartner-Netzwerk in Deutschland auf mittlerweile über 300 Fachhändler ausweiten, die unsere Fahrräder ebenfalls verlässlich reparieren können. Außerdem betreiben wir nun eine eigene Garage, in der die Kunden ihre Fahrräder auch nach 18.00 Uhr abholen können – so wollen wir unsere Abläufe über sämtliche Touchpoints hinweg so nahtlos wie möglich gestalten.
Wirtschaftsforum: Gleichzeitig verändert sich der Fahrrad- und E-Bike-Markt gerade massiv – noch dazu vor dem Hintergrund einer deutlich eingetrübten Konsumlaune in Deutschland. Was bedeutet das für Ihr Geschäftsfeld?
Thomas Mouhlen: Die bestehende Kaufzurückhaltung bekommt gerade wohl jede Branche im Non-Food-Bereich zu spüren. Prophete In Moving kann hier jedoch ein Stück weit von seiner gewachsenen Marktposition profitieren: Denn wir wollen unsere Kunden grundsätzlich mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen, weshalb sich unsere Produkte eher im Preiseinstiegsbereich bewegen – und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeit sind die Menschen zu Ausgaben in dieser Höhe noch eher bereit. Demzufolge ist Prophete In Moving in der Vergangenheit besonders im E-Commerce und im Retail-Bereich immer stark gewachsen. In nächster Zeit möchten wir aber auch das Fachhandelssegment deutlich intensiver bespielen als uns das bisher möglich war. Dazu haben wir eine eigene Marke für drei neue E-Bikes entwickelt, die wir exklusiv über diesen Kanal vertreiben werden: Jedes Produkt wird für unter 3.000 EUR erhältlich sowie mit allen modernen Funktionen ausgestattet sein. Wir halten es da ein bisschen wie die Automobilindustrie: Dort finden sich die großen Innovationen ja auch als Erstes im Hochpreisbereich bei Fahrzeugen mit Vollausstattung – bevor sie dann sukzessive im Mittelklassesegment Einzug halten.
Wirtschaftsforum: Durch die Übernahme des Unternehmens Sprick in Polen hat Prophete In Moving zudem für mehr Unabhängigkeit in seiner Wertschöpfungskette gesorgt.
Thomas Mouhlen: Dank Sprick können wir jetzt in einem eigenen Werk Fahrräder produzieren und sind somit nicht mehr allein von den Fertigungskapazitäten unserer externen Partner abhängig. Das ist für uns doppelt wichtig, weil das E-Bike-Geschäft sehr saisonal und demzufolge mit einem langen Planungs- und Prognosehorizont verbunden ist. Durch die Übernahme von Sprick können wir nämlich nicht nur auf moderne Produktionsmöglichkeiten, sondern auch auf umfangreiche Lagerkapazitäten zugreifen. Die Integration in die Tri Star Group ermöglicht uns derweil wesentlich attraktivere Einkaufskonditionen für Komponenten, die wir aus Asien beziehen – samt dem Zugriff auf ein eigenes Zentrallager in Shanghai, das wiederum unsere Schlagkraft in der Logistik stärken konnte.
Wirtschaftsforum: Wohin soll die Fahrt für Prophete In Moving in den nächsten Jahren gehen?
Thomas Mouhlen: Wir möchten sicherlich in absehbarer Zeit wieder auf einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe kommen und streben für das Jahr 2027 unseren Break-even an, nachdem wir unsere Verluste in den letzten Jahren bereits deutlich reduzieren konnten. Neben dem deutschen Markt sehen wir dabei vor allem in den anderen großen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und im UK starkes Wachstumspotenzial – hier werden wir unsere Präsenz sicherlich weiter ausbauen. Gleichzeitig wollen wir den Endverbrauchern noch wesentlich deutlicher kommunizieren, wie umfangreich unser Leistungsspektrum tatsächlich ausfällt – denn vielen ist etwa unser Home Service immer noch unbekannt. Die Zielgruppen für E-Bikes sind dabei in den letzten Jahren deutlich breiter und bisweilen auch jünger geworden: Darin liegt für uns eine Herausforderung und zugleich eine Chance!














