„Rohstoffe stehen am Anfang jeder Wertschöpfungskette!“
Interview mit Armin Sabeur, Vorstand der OPTINOVA Investmentaktiengesellschaft mit Teilgesellschaftsvermögen

Wirtschaftsforum: Herr Sabeur, aus welcher Haltung heraus entstand OPTINOVA im Juli 2012?
Armin Sabeur: Gerade wenn man in der Finanzbranche ein neues Unternehmen gründet, muss man demütig sein und sich eingestehen, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann. Deswegen setzt OPTINOVA auch seit der ersten Stunde auf einen völlig prognosefreien Kapitalanlageansatz. Wir können unseren Kunden nicht sagen, wo der Gold-, Silber- oder Ölpreis morgen stehen wird. Wir wissen jedoch, dass Rohstoffe am Anfang jeder Wertschöpfungskette stehen. Das gilt ganz besonders auch für die Unternehmen, die die Treiber hinter den bekannten Plattformtechnologien und dem KI-Boom sind. Denn ohne Rohstoffe können keine Serverfarmen, Chips oder Platinen gebaut werden, auf denen all diese hoch skalierbaren Geschäftsmodelle basieren, die in den letzten Jahren außerordentlich starke Renditen eingefahren haben. Was jedoch nicht skalierbar ist, sind die Rohstoffe, die das erst möglich machen – und dort trifft eine riesige Nachfrage auf ein ziemlich begrenztes Angebot.
Darin sehen wir spannende Chancen für Kapitalanleger. Um ihnen dabei ein wenig die Angst vor der Achterbahnfahrt an den Rohstoffbörsen zu nehmen, setzen wir nicht nur auf einen prognosefreien, sondern auch auf einen regelbasierten Ansatz. Denn unsere Interpretation der aktuellen geopolitischen Ereignisse oder Aktientrends hat keinen Einfluss auf die Anlageentscheidungen in unserem Portfolio.
Wirtschaftsforum: Nach welchen Kriterien gehen Sie dabei vor?
Armin Sabeur: Im ersten Schritt schauen wir kritisch auf die Qualität des jeweiligen Unternehmens, in das wir potenziell investieren. Dabei erwarten wir neben einer gesunden Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von mindestens 30% auch eine verlässliche Dividendenhistorie. So spüren wir unterbewertete Unternehmen auf, die eine attraktive Ergänzung für unser Portfolio darstellen könnten. Für die Gewichtung der einzelnen Titel ist dann auch das Momentum entscheidend, das wir ebenfalls nach regelbasierten Kriterien bewerten. Neben Aktien zählen zudem sogenannte Exchange-Traded Commodities auf Gold, Silber, Platin oder Palladium, aber auch Aluminium, Zink oder Kupfer sowie Baustoffe, Holz und Papier zu unserer Asset Allocation - allerdings nur, sofern dort auch ein entsprechendes Momentum besteht. So können wir mit unserer Portfoliostruktur flexibel auf Schwankungen an den Rohstoffmärkten reagieren. Bleibt die Entwicklung dort hinter den Erwartungen zurück, halten wir größere Anleihen- und Cash-Bestände vor, um später im Aufwind unsere Investitionsquote sukzessive zu erhöhen.
Wirtschaftsforum: Neben dem Optinova Metals & Materials betreiben Sie mit dem Optinova Conventional and Clean Energy auch einen Energiefonds.
Armin Sabeur: Wir investieren dort sowohl in Aktien aus dem klassischen Energiebereich – etwa aus den Segmenten Öl, Gas, Kohle oder Uran – als auch in Unternehmen aus dem Umfeld der erneuerbaren Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraftwerke. Derzeit werden etwa drei Viertel der weltweit generierten Energie auf konventionellem Wege erzeugt, der Rest durch erneuerbare Quellen: ein Verhältnis, das sich genauso auch in unserer Asset Allocation widerspiegelt. Wenn sich dieses Verhältnis in Zukunft zugunsten der erneuerbaren Energien verschiebt, werden natürlich auch wir diesen Weg mitgehen.
Wirtschaftsforum: Kostengünstige, weltweit diversifizierte ETFs gelten inzwischen als einfaches Standardprodukt für Privatanleger. Ab welcher Investitionssumme lohnen sich Rohstofffonds wie etwa die Produkte von OPTINOVA als Ergänzung?
Armin Sabeur: Aus unserer Sicht gehören Rohstoffe als Beimischung zu etwa 5 bis 7,5% in jedes Depot, egal, ob mit einem Gesamtvolumen von 10.000 EUR oder 100 Millionen EUR, als Sparplan oder als Einmalanlage. Im Rahmen einer möglichen Core-Satellite-Position mit dem MSCI World im Zentrum kann einer unserer Rohstofffonds dabei als Satellite um den weltweit diversifizierten Index fungieren. Nach Belieben können sich weitere Satelliten wie gehebelte Rohstoffzertifikate oder andere Finanzprodukte darum anordnen, sofern der entsprechende Anleger auch riskantere Wetten eingehen möchte. Unsere aktiv gemanagten Produkte sind dagegen auf den langfristigeren Vermögensaufbau ausgerichtet.
Wirtschaftsforum: Weshalb kann ein Engagement im Rohstoffbereich neben einem weltweit gestreuten ETF sinnvoll sein?
Armin Sabeur: Die Achillessehne des MSCI World ist seine Ausgestaltung als Momentum-Fonds, der keinerlei antizyklischen Effekt aufweist. Dort kauft man mit der Zeit einfach immer weiter die am stärksten laufenden Aktien nach. Ein Rohstofffonds, der direkt in Rohstoffe und nicht nur in rohstofflastige Unternehmen investiert, kann im Depot dann als Hebel wirken. Umso wichtiger ist ein kompetentes aktives Fondsmanagement, das bestehenden Risiken entgegensteuern kann – gerade in Zeiten der Deglobalisierung, in denen die weltumspannenden Unternehmen, die das Gros des MSCI World ausmachen, nicht mehr so frei global agieren können wie noch vor zehn Jahren.
Wirtschaftsforum: Wie möchte sich OPTINOVA in nächster Zeit weiterentwickeln?
Armin Sabeur: In den letzten Jahren mussten einige Versorgungswerke unangenehme Abschreibungen auf ihre Investitionen in Gewerbeimmobilien vornehmen, eine Anlageklasse, die für institutionelle Investoren wegen ihrer geringen täglichen Wertschwankungen lange besonders attraktiv war. Täglich liquidierbare, börsengehandelte Produkte sind aus unserer Sicht jedoch die ehrlichere Anlageklasse, weil dort jeden Tag völlige Preistransparenz herrscht. Unsere Rohstoff- und Energiefonds könnten somit auch in Zukunft ein interessantes Anlagevehikel für den institutionellen Bereich wie Versorgungswerke, Stiftungen oder Pensionsfonds darstellen.








